Ich sehe was, was du nicht siehst

Brille aufsetzen und los geht‘s. Endlich ist etwas zu sehen. Schritt für Schritt wird die Insel erkundet. Das Meer rauscht und die Vögel zwitschern. Die grüne Landschaft der Toskana ist beeindruckend. Schreckmoment – okay, das ist nur ein Vogel, der vorbeifliegt. Nach einem kleinen Spaziergang wird die Brille wieder abgenommen.

VR-Brille

VR-Brille; Foto: Dagkiran

Virtual Reality (VR)  boomt. VR bezeichnet die Darstellung und die gleichzeitige Wahrnehmung der Wirklichkeit. Dabei werden physikalische Eigenschaften computergeneriert und in Echtzeit in der interaktiven virtuellen Umgebung illustriert. Egal ob im Gaming-Bereich oder 3D-Kino, der Hype um die virtuelle Realität ist kaum aufzuhalten. Tatsächlich ist der Entertainmentbereich eine treibende Kraft bei der Erschließung neuer Räume und Welten. In Berlin hat das erste VR-Kino eröffnet. Dabei sitzen die Zuschauer nicht wie gewohnt in Reihen, sondern im Kreis und bekommen ihre VR-Brillen aufgesetzt. Sie sehen die Filme aus der 360-Grad Perspektive und haben das Gefühl, vor Ort zu sein. Location-Manager Michael Yosef ist sich sicher, VR wird die herkömmlichen Kinos ablösen: „In Zukunft können wir uns definitiv vorstellen, dass wir hier große Blockbuster zeigen.“

Doch wie funktioniert Virtual Reality? Bei VR-Brillen ist das Display in einem kleinen Gehäuse. Der Nutzer blickt durch zwei Linsen. Eine Software teilt das Bild für das rechte und linke Auge und leitet es leicht gekrümmt an das Brillen-Display weiter. Die Wirkung, die dadurch erzeugt wird, heißt Immersion. Mit der Bewegung des eigenen Körpers verändert sich die Umgebung und dadurch entsteht der Eindruck, wirklich an einem andere Ort zu sein.

VR-Brille

Sicht durch die VR-Brille; Foto: Dagkiran

Die Bedeutung der virtuellen Realität steigt

Aber nicht nur für Unterhaltung kann die Virtuelle Realität sorgen. „Ich denke, das ganze Produkt Virtual Reality steckt noch in den Kinderschuhen. Da werden wir in den nächsten Monaten und Jahren  viele neue Anwendungen sehen“, sagt Mathias Meindl, Geschäftsführer des Samsung Customer Plaza in Nürnberg. Für Industrie und Wirtschaft werde VR immer wichtiger. „Ob ein Käufer sein neues Auto virtuell konfiguriert, der Immobilienmakler sein Projekt weltweit in Echtzeit präsentiert oder sich der Besucher einer Messe vorab auf dem Gelände umschaut – der Bandbreite von VR sind mittlerweile keine Grenzen mehr gesetzt“, erläutert Jan Thiel, Creative Director bei A4VR.

Vielseitig einsetzbar

Die Einsatzmöglichkeiten der VR sind geradezu endlos. Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Nürnberg arbeitet bereits mit VR-Technologien. Auf 1.400 Quadratmetern kann der Besucher sich frei bewegen und verschiedene Welten entdecken. Eine ganze Menge von Anwendungen, von denen sich das Fraunhofer IIS Vorteile erhofft. Neben Gaming und Entertainment gibt es aber auch in industriellen Umgebungen große Anwendungsbereiche. „Zum Beispiel die Planung von Produktionsstätten. Die 3D-Modelle sind da. Heutzutage wird  das Ganze noch mit Karton und Tischen in leeren Hallen nachgebaut. Wir denken eben, dass diese 3D-Modelle in ein Holodeck gesetzt werden können und die Produktionsanlage im 1:1 Maßstab vorher begehen werden kann“, erläutert Dr. Stefan Otto, Gruppenleiter der Sensorfusion und Energieverarbeitung des Fraunhofer Instituts in Nürnberg.

Die Virtual-Reality-Technologien bieten zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten. Diese Technologien bergen aber auch Gefahren und Risiken für die Nutzer. Eines der Probleme, die auftreten können, ist die sogenannte Motion Sickness. „Das ist das, was man auch von Achterbahnen kennt oder als Reisekrankheit“, erklärt Otto. Durch zu niedrige Bildwiederholungsrate können negative Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit auftreten.

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