Im Ouzo steckt mehr als nur Alkohol

Ouzo ist in Griechenland eine Spezialität, die meistens zur Vorspeise serviert wird. In Deutschland dagegen ist es Brauch, den Ouzo nach dem Essen zu bekommen. Die Griechen trinken ihren Ouzo immer mit Eis gekühlt oder Wasser verdünnt, die Deutschen bevorzugen den Ouzo jedoch pur.

Wer Ouzo schon einmal gekühlt oder mit Wasser verdünnt getrunken hat, konnte eine leichte Trübung erkennen. Doch warum trübt sich der Anisschnaps?

Es ist Freitagabend und der gute Italiener um die Ecke hat heute wegen Renovierung geschlossen. Also geht Laudia Zaun zu dem griechischen Lokal, welches vor Kurzem geöffnet hat. Sie findet, dass das Beste am griechischen Essen der Ouzo danach ist. Darauf hat Laudia schon den ganzen Abend gewartet. Doch als der Kellner ihr ein Schnapsglas voll mit Ouzo bringt, erkennt sie bloß eine milchig-trübe Mischung und will es zurückgeben. Der Kellner meint jedoch, dass das völlig normal sei, da sie den Ouzo eingefroren hatten. Dieser Satz hat Laudia etwas zum Nachdenken gebracht und sie ermutigt, der Sache auf den Grund zu gehen.

Der Ouzo ist leicht trüb, da er gekühlt wurde. Foto: Shania Jung

Daheim angekommen, fängt sie an zu recherchieren und stößt dabei auf ein paar Informationen, die ihr weiterhelfen könnten. Ouzo besteht aus Alkohol, Wasser und Anisöl. Bei einer Zugabe von Wasser übersteigt das Lösungsverhalten von Ouzo einen kritischen Wert, sodass die ätherischen Öle sich nicht mehr mit dem Wasser vermischen können. Dieses Verfahren nennt sich auch der Louche-Effekt. Eine starke Kühlung des Anisschnapses reicht bereits aus, um den Effekt hervorzurufen und den Anisgehalt in den Spirituosen zu ermitteln. Übrigens, je milchiger der Ouzo erscheint, desto höher ist der Anisgehalt. Die ätherischen Öle kommen vor allem aus den Anissamen oder anderen Gewürzpflanzen wie zum Beispiel Minze.

Das passiert, wenn Ouzo auf Wasser trifft

Da Öl hydrophob ist, sich also nicht mit Wasser vermischt, bildet sich eine sogenannte Emulsion. Das bedeutet, dass sich die Öle nicht mehr vollständig in Alkohol lösen und sich daher zu unzähligen Tröpfchen klumpen. Zwischen den Grenzflächen von Wasser und Öl kommt es zur Streuung des Lichts in alle Richtungen.

Ouzo mit Wasser verdünnt. Foto: Shania Jung

Das ist auch der milchig-trübe Effekt der dadurch entsteht, anders genannt auch der Tyndall-Effekt. Die daraus resultierende Streuung entsteht, wenn Licht auf das Medium trifft. Es kommt ganz auf die Größe der Streukörper an. „Die Rayleigh-Streuung ist die Streuung an Luftmolekülen. Die Streupartikel sind in dem Fall mit circa 0,1-0,5 Nanometer sehr viel kleiner und stärker abhängig von der Wellenlänge“, erklärt Norbert Lindlein. Der promovierte Physiker arbeitet im Institut für Optik, Information und Photonik an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Da er der Physikprofessor von Laudia ist, hat sie sich seine Erfahrung in diesem Bereich dazu eingeholt. „Ich bin zwar leider kein echter Experte für Streutheorien, aber ein paar Anmerkungen kann ich natürlich machen“, sagt Lindlein. Er erklärt außerdem, dass es noch die Mie-Streuung gibt. Deren Streupartikel sind ungefähr eine Wellenlänge groß, also circa 0,5 Mikrometer. Sie bezeichnet die Streuung an emulgierten Fett-Tröpfchen. Im Falle des Ouzos handelt es sich daher um die Mie-Streuung.

Der Versuch

Für das Experiment braucht Laudia Wasser, ein Glas gefüllt mit Ouzo und eine LED-Taschenlampe. Das Glas mit Ouzo stellt sie auf einen Tisch mit dunkler Unterfläche. Da sie den Ouzo bereits gestern ins Eisfach gestellt hat, ist eine leichte Trübung zu erkennen. Daraufhin kippt Laudia Leitungswasser in das Glas und sieht, je mehr Wasser sie hinzugibt, desto milchiger wird das Gemisch. Die milchige Erscheinung basiert auf den Tyndall-Effekt, der wiederum durch die Mie-Streuung ausgelöst wird. Wenn jetzt Licht auf ein Medium beziehungsweise das Glas trifft und dabei seine Richtung ändert, handelt es sich um Lichtstreuung. Anders gesagt, das Licht wird diffus gestreut. Wenn sie jetzt das Licht im Raum ausmacht und eine LED-Taschenlampe hinten an das Glas hält, erkennt sie an der Randzone eine blaue und eine rote Linie, welche auf die Rayleigh-Streuung zurückzuführen sind. Das Experiment hat also geklappt.

Das Glas wird mit einer Taschenlampe bestrahlt. Foto: Shania Jung

Das Resultat bestätigt, die Mie-Streuung ist für den nebeligen Effekt zuständig, denn an größeren Partikeln bewirkt sie, dass alle sichtbaren im Licht enthaltenen Wellenlängen gestreut werden. Die Rayleigh-Streuung hingegen erkennt Laudia durch die einfallenden Strahlen der LED-Taschenlampe. Dabei handelt es sich um kleinere Partikel die nur den kurzwelligen Anteil der einfallenden Strahlung streuen. Das sind vor allem Farben mit hohen Blauanteilen.
Am nächsten Tag geht Laudia mit dem Wissen wieder zu dem griechischen Lokal um die Ecke. Auf den Ouzo nach dem Essen hat sie schon gewartet. Jetzt kann sie ohne Bedenken ihren Ouzo in Ruhe trinken.

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