In World Wide Web we trust – trust in the digital age

Nürnberg – „Wie kann man Sicherheit gewährleisten, wenn man das Medium nicht kontrolliert?“ Diese Frage stellte sich Professor Giorgio Giacato am Abend des 19. Mai in der Technischen Hochschule Nürnberg. Denn das Vertrauen in digitale Medien wird in unserer modernen und…

Nürnberg – „Wie kann man Sicherheit gewährleisten, wenn man das Medium nicht kontrolliert?“ Diese Frage stellte sich Professor Giorgio Giacato am Abend des 19. Mai in der Technischen Hochschule Nürnberg. Denn das Vertrauen in digitale Medien wird in unserer modernen und vernetzten Gesellschaft immer wichtiger.

 

 

In World Wide Web we trust!

2014-05-19 18.11.34„Vor sechs, sieben Jahren sind wir noch Problemlos ohne soziale Netzwerke ausgekommen“, sagt Giorgio Giacinto zu Beginn seines Vortrages. Die Bedeutung des Internets hat sich in den letzten Jahren rasant geändert. Ende der 60er Jahre suchte das US-Militär nach einer Möglichkeit, die Kommunikation über große Distanzen zu erleichtern und im Zuge des kalten Krieges auch ausfallsicher zu gestalten. Damals nannte man dies noch Advanced Research Projects Agency Network, kurz Arpanet.  Auch wollte man die zuvor an die UdSSR verlorene Führungsrolle in der Wissenschaft wiedergewinnen. Später entdeckten auch Hochschulen die Möglichkeit, mit der neuen Technik untereinander Wissen auszutauschen und zu kommunizieren. Im Vordergrund stand zunächst nicht die Vernetzung einzelner Privathaushalte. Doch mit der Entwicklung des HTML-Codes und der damit verbundenen Möglichkeit eine Homepage einfacher zu strukturieren lies sich die Entwicklung der Internets nicht mehr kontrollieren. Giorgio Giacinto, Professor an der Universität von  Ciagliari, ist Experte für Internetsicherheit. Er kennt die Gefahren, die vom Mangel an Sicherheit im Internet ausgehen. Nun ruft ein technologischer Fortschritt unter diesen Umständen geradezu zwangsweise Kriminelle auf den Plan. „Man riskiert nicht sein Leben, wenn man im Internet stiehlt“, meint Giacato. Er weißt damit vor allem auf Kreditkartenbetrug und Datenmissbrauch hin. Eine Möglichkeit, die Sicherheitslücke auszunutzen ist die Verbreitung von Ransomware. Der Begriff setzt sich zusammen aus ransom (Lösegeld) und ware (Programm). Diese Schadsoftware sperrt den Computer und verhindert den Zugriff auf sämtliche Daten. Der Bildschirm meldet, der Nutzer habe mit dem Computer Straftaten begangen, wie beispielsweise illegal Musik oder Filme heruntergeladen. „Erst wenn der Nutzer eine Geldstrafe zahlt, wird der Computer wieder freigeschaltet“, erklärt Giorgio Giacinto. Der Absender dieser Mahnung gibt vor, ein offizielles Kontrollorgan der Regierung zu sein. Der Internetnutzer wird durch seine Unwissenheit erheblich unter Druck gesetzt. Im November 2013 entstand so durch Ransomware ein finanzieller Schaden von rund 820.000 Euro. Die Dunkelziffer der Geschädigten liegt bei dieser Betrugsmasche mit Sicherheit höher.

 

Schadsoftware breitet sich unerkannt aus

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Giorgio Giacinto im Interview mit Redakteurin Barbara Hofler

Vor zwanzig Jahren hätte niemand seinen eigenen Computer mit zur Arbeit oder in die Universität genommen. Seit das Smartphone den Siegeszug in jedermanns Hosentasche angetreten hat, ist das anders. BYOD heißt Bring Your Own Device und bedeutet, dass eigene Geräte Zugang zu öffentlichen Netzwerken erhalten. „Wie kann man Sicherheit garantieren, wenn man keine Kontrolle über einzelne Geräte hat?“, fragt sich Giorgio Giacinto. Über W-Lan Netzwerke verbindet man sein Smartphone mit Universitäten und Firmen. Ist das Smartphone mit Malware vorbelastet, haben die Datendiebe leichtes Spiel. Unerkannt können sie sich weiter ausbreiten und so eine Menge sensibler Daten abgreifen. Das Ganze funktioniert aber auch anders herum. Infiltriert so eine Schadsoftware ein Unternehmen und schafft es unbemerkt in das Kassensystem, kann es hier die Daten, sofern das Unternehmen diese nicht extra verschlüsselt hat, jedes einzelnen bezahlenden Kunden abfangen. So gelangen jeden Tag tausende neue Kreditkartendatensätze auf den Schwarzmarkt. Diejenigen, die sich mit dem Verkauf solcher Daten bereichern, sind meist nicht zu ermitteln. Da diese Straftaten länderübergreifend begangen werden, haben Ermittler rechtlich gesehen meist keine Chance gegen die Drahtzieher vorzugehen. Das ist neben dem reichhaltigen Angebot auch ein Grund für den niedrigen Preis, zu dem diese Datensätze angeboten werden. Letztes Jahr kostete eine gefälschte Kreditkarte gerade mal einen Dollar.

 

Wachsam sein als einziger Schutz

Doch was kann man tun, um seine persönlichen Daten im Internet zu schützen? Gerade die NSA-Affäre hat gezeigt, wie angreifbar jeder in der virtuellen Welt ist. Giacato setzt hier auf Transparenz im Onlineangebot. Sichere Apps für Smartphones sollten zertifiziert und der Datentransfer durchsichtiger sein. Doch auch als Nutzer müsse man sich an Regeln halten, um sich sicher im World Wide Web zu bewegen. „Benutzen Sie mehrere Passwörter und seien sie vorsichtig, welche Daten sie preisgeben“, warnt er. Diese Illustration veranschaulicht humorvoll, wie man ein sicheres Passwort erstellt.
„Trust in the digital Age“ ist der Titel des Vortrages, in dem Giacato über diese Problematik informiert. Dabei geht es nicht um blindes Vertrauen, sondern darum selbst einzuschätzen, wem man seine persönlichen Daten anvertraut. Denn gerade in einer Ära der sozialen Medien und Smartphones, in der wir freiwillig alles teilen, sind ein paar falsche Klicks schnell gemacht.

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