Integration mit Gemüse

Schrebergärten sind teuer. Menschen mit niedrigen Einkommen bleibt deshalb der Traum einer eigenen grünen Oase im Stadtgebiet verwehrt. Der interkulturelle Garten in Nürnberg Langwasser setzt dort an und soll gleichzeitig Freundschaften zwischen Kulturen knüpfen.

Umgeben von Bäumen und Büschen steht ein kleines Gartenhäuschen auf einer großen Grünfläche. Bienen fliegen durch die Luft und Vögel zwitschern aus dem Grün entgegen. Eine Idylle, direkt neben dem Frankencenter. Hinter Maschendrahtzaun befinden sich 21 Beetflächen, die wie Äcker in Miniatur aussehen. Hier wachsen Kartoffeln, Zucchini, Paprika und sogar Kiwis.

Unterstützung von höchster Stelle

Togo, Marokko, Griechenland, Kasachstan. „Wir haben Leute aus der ganzen Welt bei uns und das spiegelt sich auch bei den Pflanzen wider“, sagt Klaus Brock, erster Vorsitzender und Gründer des Vereins. Der leidenschaftliche Hobbygärtner hat das Projekt vor acht Jahren ins Leben gerufen. Ziel war und ist es, Menschen mit geringem Einkommen die Möglichkeit zu geben, auch einen Schrebergarten bewirtschaften zu können. Unterstützung erhielt Brock dabei von höchster Stelle: Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, war es ein persönliches Anliegen, das Projekt zu realisieren. Auch die Stadträte waren von der Idee überzeugt und somit bekam der Verein das Grundstück in Langwasser-Mitte gestellt.

Ärger mit Rechtsradikalen

Klaus Brock ist erster Vorstand und Gründer des interkulturellen Garten e.V., Foto: Tobias Rühl

Trotz Unterstützung der Stadt hatte Brock mit Schwierigkeiten zu kämpfen: Ein Anwohner klagte gegen die Baugenehmigung. „Der Mann ist ein polizeibekannter Neonazi. Er meinte Ausländer machen Dreck. Zum Glück war die Sache schnell vom Tisch, weil es keine rechtliche Grundlage für die Klage gab“, erzählt der Vorstandssprecher. Dennoch ging der Ärger weiter: Rechtsradikale hielten eine Mahnwache vor dem Grundstück und verteilten Flugblätter. „Das waren zum Glück nur Einzelfälle. Seitdem ist es ruhig geblieben.“

Bio-Dünger aus dem eigenen Beet

Für den Anbau von Gemüse steht jedem Hobbygärtner eine eigene Beetfläche in Wohnzimmergröße zur Verfügung. Gartengeräte wie Schaufel, Hacke oder ein Häcksler befinden sich im Gartenhäuschen. Dort kann in einer kleinen Küche das Geerntete verarbeitet werden. Für die Wasserversorgung befindet sich ein Brunnen auf dem Gelände, der mit einer elektrischen Pumpe angezapft wird. Nährstoffe bekommen die Pflanzen auf natürlichem Wege: Gartenabfälle werden kompostiert und dann als Dünger auf den Beeten verteilt. Das spart Geld für Kunstdünger und schont die Natur. Der neueste Zuwachs auf dem Gelände ist ein Bienenstock, der von einem Imker betreut wird.

Ein Projekt aus Leidenschaft

In der Gartenhütte befinden sich Werkzeuge für die Vereinsmitglieder und eine Küche, Foto: Tobias Rühl

Im Sommer feiert der Verein Feste, bei dem jedes Mitglied Spezialitäten aus seinem Heimatland mitbringt. Am Lagerfeuer grillen die Hobbygärtner zusammen und knüpfen Freundschaften. Dennoch sieht Klaus Brock Verbesserungspotential: „Leider bleiben die Leute eher unter sich und jeder bewirtschaftet sein eigenes Beet. Zum Austausch kommt es da viel zu selten.“ Deshalb möchte er gemeinschaftliche Beetflächen für seinen Garten. Auch der ständige Wechsel unter den Gärtnern bemängelt der erste Vorstand: „Viele Leute unterschätzen den Arbeitsaufwand, den ein eigenes Beet mit sich bringt, und hören nach kurzer Zeit wieder auf.“ Trotzdem möchte er auch in Zukunft an dem Projekt festhalten: „Ich habe als Kind sehr viel Zeit in dem Schrebergarten meiner Familie verbracht. Ich möchte deshalb Menschen, die keine zehntausend Euro auf dem Konto haben, die Möglichkeit bieten selbst so etwas Schönes zu erleben.“

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