Kaltes Plasma, die heiße Innovation

„Die Zeit der weißen Engel ist vorbei“, sagt Joss Hertel, Ex-Google-Manager. Aber die Realität der medizinischen Versorgung sieht bis jetzt noch anders aus. Trotz der andauernden Digitalisierung, die nun mittlerweile auch in der Medizin angekommen ist, und ersten digitalen Arztpraxen wird es in Zukunft dennoch notwendig sein, Ärzte aufzusuchen.

„Es gibt Patienten, die persönliche Hilfe und nicht eine App oder einen Ärztechat brauchen“, sagt Carsten Mahrenholz, CEO der Coldplasmatech auf der „Digital Health- Veranstaltung“ der Nürnberg Web Week. Keine App kann Wunden heilen. Keine App kann multiresistente Keime abtöten. Kein Ärztechat kann Diabeteswunden oder Brandopfer heilen. Ein zehn Jahre altes physikalisches Verfahren aber schon.

Petrischalen mit multiresistenten Keimen. Foto: Celine Pickel

Kaltes Plasma soll zur Keimtötung eingesetzt werden. Es wirkt dort, wo Antibiotika scheitern. Plasma entsteht, indem man einem Gas so viel Energie zuführt, dass eine kritische Anzahl an Elektronen die Atomhülle verlässt. In der Natur findet man Plasma zum Beispiel in der Sonne, wo es auf Grund der extrem hohen Temperaturen entsteht. Kaltes Plasma jedoch wird durch elektrische Impulse erzeugt und kommt beispielsweise in Plasmabildschirmen zum Einsatz.
Obwohl die Wirkung von kaltem Plasma auf Keime schon lange erprobt und bewiesen ist, wird es kaum zur Heilung von Patienten benutzt. Aufgrund der Kluft zwischen Forschung und Entwicklung konnte sich die Methode jetzt noch nicht auf dem Markt etablieren. Die Start-up Firma Coldplasmatech setzt sich dafür ein, genau das zu ändern. Denn das größte Problem der Behandlung mit dem Plasma ist der Zeitaufwand und die kleine Fläche, die die Plasmakanone bei der Bestrahlung erreicht. Deshalb konnte sich diese Methode bei Ärzten noch nicht etablieren.

Von Plasmakanone zu Plasmapflaster

 

Das Publikum während des Vortrags. Foto: Celine Pickel

Um die Prozedur zu verkürzen und die Fläche zu vergrößern, in der kaltes Plasma angewendet werden kann, entwickelt Coldplasmatech ein Gerät mit dazu passenden Plasmapflastern. Der sogenannte „Cube“ liefert die elektronischen Impulse. Er verfügt über einen Knopf zum An- und Ausschalten, mehr nicht. Dazu kommen wegwerfbare Plasmapflaster, die aus der Druckerpresse kommen und dadurch variabel in ihrer Größe sind. Anstatt die Patienten mit Wundauflagen zu vertrösten und die Wundausbreitung nur zu verzögern, könnten chronische Wunden nun auch ganz geheilt werden. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, denn Zulassungen auf dem deutschen Markt zu bekommen, braucht Zeit und Zertifikate. Der deutsche Markt könnte aber ein großes Sprungbrett für den Weltmarkt werden.
Als Start-up Unternehmen durchzustarten, ist schwer. Alle unternehmerischen Freiheiten sind zu Beginn zwar gegeben, sich zu spezialisieren ist dennoch essenziell. Vor allem im medizinischen Bereich werden kleine Firmen oft von den Pharmariesen geschluckt, da sie in puncto Digitalisierung nicht mithalten können. Es fehlen Geld und die Zeit, digitale Prozesse aufzubauen und zu entwickeln. „Wir wollen Deutschland als Brückenkopfmarkt nutzen. Dadurch erreichen wir Ansehen auf dem Weltmarkt“, sagt der studierte Wirtschaftswissenschaftler und Biologe. „Es wird nicht ausbleiben, dass wir große Investoren benötigen, um weltweit agieren zu können.“

 

 

Portrait über Carsten C. Mahrenholz

Carsten Mahrenholz von Coldplasmatech. Foto: Celine Pickel

 

„Ich bin mit Herzblut in beiden Welten dabei“, das ist der Standpunkt von Carsten Mahrenholz zu Naturwissenschaft und Ökonomie. Er selbst  fühlt die Lücke in sich nicht, die in der Realität zwischen beiden Bereichen existiert. Eine Verbindung herzustellen, ist nicht immer einfach. Als Biologe, promovierter Chemiker und mit einem Abschluss in Wirtschaftswissenschaften kann er für die kalte Plasmaheilmethode Kompetenzen aus allen Bereichen beisteuern.
Der Co-Founder und CEO von Coldplasmatech ist voller Elan für sein Herzensprojekt. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die kalte Plasmamethode, die es seit zehn Jahren gibt, endlich zur Marktreife zu bringen. Darüber kann er stundenlang sprechen, ohne dass auch nur ein Funken seiner Begeisterung dafür verschwindet. Als guter Redner vermittelt er seinen Zuhörern verständlich und anschaulich die komplexe Materie des kalten Plasmas. „Wir arbeiten mit Krankenkassen zusammen, um den Preis so erschwinglich wie möglich zu machen.“ Denn seine Methode soll allen Patienten zugute kommen.

 

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