Kunst erfahren und selbst zum Künstler werden

Tische werden aufgestellt, Stühle noch schnell ausgeklappt, in der Eingangshalle des KunstKulturQuartiers herrscht geschäftiges Treiben. Gleich soll hier eine Lesung des Kölner Schriftstellers Jürgen Becker stattfinden, der aus seinem neusten Werk liest.

Unmittelbar neben dem Foyer liegt der Eingang zur aktuellen Ausstellung des Kunsthauses. Sie zeigt parallel zur Lesung Fotografien des Künstlers. Die ersten Besucher kommen aus seiner Ausstellung und setzen sich erwartungsvoll in den Lesungsraum.

Kurator des Kusthauses, Matthias Dachwald, Foto: Lena-Sophie Fettweis

Das Konzept des Kunsthauses sieht vor, raumübergreifend verschiedene Arten von Wissensvermittlung miteinander zu verknüpfen. Ein Anliegen, das auch diese Veranstaltung verfolgt. Ob visuell, akustisch oder durch selbstständiges Arbeiten. Kunst und Kultur soll mit allen Sinnen erfahren werden.

Das KunstKulturQuartier in Nürnberg ist ein Ort der kulturellen Bildung. Bestehend aus Kunsthaus, Kunstvilla, Künstlerhaus, Filmhaus, Tafelhalle und Kunsthalle bildet sich hier ein Wissensmonopol, das nahezu alle Kultursparten abdeckt. Oberstes Interesse ist es, „Wissen leicht zu vermitteln und für alle zugänglich zu machen“, erklärt der Kurator des Kunsthauses, Matthias Dachwald. Er ist bereits seit 1991 im Kulturhaus tätig und stets darauf bedacht, dass Wissensnetz auszubauen und das Kunsthaus mit neuen Ausstellungen zu bereichern.

 

„Kunst von allen für alle“

Eine Schulklasse betritt die Eingangshalle. „Viele Kinder schon im Vorschulalter machen Museumstouren mit, die darauf ausgelegt sind, Kunst und Kultur spielerisch beizubringen“, erläutert Dachwald. Kurz darauf verlässt eine Seniorengruppe die Vernissage. Alle Altersgruppen sind an diesem Ort vertreten und nutzen die vielfältigen Angebote. Damit Museumsführungen für alle Zielgruppen möglich sind, werden diese in verschiedenen Sprachen, wie Englisch, Russisch oder in Gebärdensprache für gehörlose Menschen angeboten. „Kunst von allen für alle“ lautet die oberste Priorität.

 

Selbst zum Künstler werden

In der Siebdruckwerkstatt, Foto: Lena-Sophie Fettweis

Man kann selber zum Kunst- oder Kulturproduzenten werden, trotzdem das klassische Angebot von Musik, Tanzveranstaltungen und Poetryslams nutzen. Die Herausforderung bestehe darin, „Kunst nicht nur zu betrachten, sondern selbst zu erfahren und Teil davon zu werden. Im Vordergrund steht, dass der Besucher selbst animiert wird, Kultur zu machen. Deswegen gibt es auch viele Werkstätten, die jeder nutzen kann“, erklärt Dachwald. In den hauseigenen Werkstätten im Kellerabteil können Besucher unterschiedliche offene Kurse besuchen. Darunter die Siebdruckerei, ein Fotolabor, Keramik-, Holz-, und Schmiedewerkstatt.

Die Kellerräume sind großflächig angelegt. Das Kreischen der Kreissägen aus der Holzarbeitsstätte hallt durch die Gänge. Der stechende Farbgeruch aus der Druckwerkstatt steigt in die Nase. Die Siebdruckwerkstatt ist rundum ausgestattet mit Arbeitstischen, Heißdruckmaschinen und Farbtöpfen. Hier kann jeder selbst seine kreative Ader nach dem Museumsbesuch ausleben. Unter Anleitung von ehrenamtlichen Mitarbeitern werden eigenen Motive auf Stoffe, Poster und Aufkleber  gedruckt.

Im Dialog mit dem Publikum

Mit einer Veranstaltungsreihe, die sich „art meets public“ nennt, hat sich das Kunsthaus das Ziel gesetzt, „die sonst so abstrakte Kunst herunterzubrechen, dass jeder daran teilnehmen kann und auch mitreden kann“, erzählt Matthias Dachwald, der Initiator des Projekts. Dazu werden Gäste eingeladen, die „bei der Ausstellung mitgeholfen haben oder die Experten auf dem Bereich sind. Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen und sich dann einen Aspekt daraus genauer anschauen.“ Wichtig ist der Alltagsbezug. Die Kunst soll zur Kommunikation anregen und muss daher vorher verständlich gemacht werden. Dachwald berichtet stolz: „Teilnehmende kommen untereinander ins Gespräch und tauschen ihre Meinungen, Erfahrungen und ihr Wissen aus.“

 

Website des KunstKulturQuartiers.

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