Lernen durch Handeln

Ein angenehmer, floraler Duft liegt in der feuchten Luft und im Gewirr der exotischen Pflanzen verstecken sich Gecos, Agamen und sogar ein Chamäleon. Leuchtende Kinderaugen versammeln sich auf wenigen Quadratmetern nachgebautem Regenwald. Wie gebannt lauschen die Kleinen dem elfjährigen Lukas, der ihnen die verschiedenen Tiere vorstellt.

Agame im Regenwaldhaus  Foto: Maya Kröpke

Lukas ist Tierexperte im Kindermuseum in Nürnberg. Für ihn bedeutet das, dass er in den nächsten ein bis zwei Jahre regelmäßig in das Museum im Kachelbau an der Rothenburger Straße geht, um dort sein bereits erlerntes Wissen über die Tiere an andere Kinder weiterzugeben. Das macht Sinn, da Kinder Allgemeinwissen und komplexe Vorgänge oftmals besser verstehen, wenn sie es von einem Kind erklärt bekommen. Nachdem Lukas alle Tiere vorgestellt und Fragen beantwortet hat, haben die Grundschüler Zeit, das Regenwaldhaus mit all seinen Bewohnern alleine zu entdecken und zu erforschen.

Erste Begegnung mit der Chemie

Begehbares Periodensystem des Kindermuseum Foto: Maya Kröpke

Draußen im großen Ausstellungssaal versammelt sich eine Gruppe von Kindern. Irritiert starren sie auf eine Treppe. In den Stufen sind kleine Holzkisten versteckt, auf denen merkwürdige Buchstabenkombinationen, wie Mg, He und Na zu lesen sind. Fragende Blicke richten sich auf Lukas. „Das ist ein Periodensystem. Das Periodensystem der Elemente. Jedes Element, das es auf der Erde gibt, kann man hier sehen. Alles besteht aus Elementen und das hier sind alle, die es gibt“, erklärt Lukas. „Schaut doch mal, was in den Kisten drin ist!“ Vorsichtig zieht ein kleines Mädchen eine Kiste heraus. Im Inneren findet sie einen silberglänzenden Stein. Daneben ist zu lesen: Magnesium. Eines der zehn häufigsten Materialien in der Erdkruste. „Magnesium kenn‘ ich. Meine Mama hat daheim immer Magnesiumtabletten!“, sagt die Kleine, während sie dabei ist, die nächste Kiste zu öffnen.

Das begehbare Periodensystem ist die erste Einführung in die Chemie, jedoch nicht der einzige Bezug auf das Fach.
Ein paar Meter weiter bereitet ein erwachsener Mitarbeiter den ersten chemischen Versuch für die kleinen Entdecker vor. Mit Hilfe von Rotkohlsaft, Essig und Spülmittel bringt er den Kindern chemische Reaktionen näher. Wieder hören die Kinder aufmerksam zu und warten, bis ihnen erlaubt ist, zu experimentieren. Sie schütten etwas von dem Rotkohlsaft in den Behälter voll Essig und beobachten begeistert, wie sich die Farbe der Flüssigkeit von Dunkelrot in Pink verwandelt. Als sie den Rotkohlsaft mit dem Spülmittelwasser vermischen, bricht es aus den meisten heraus: „Boooaaah, jetzt ist es grün!“ Sie kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Der Moderator des Experiments erklärt den Kindern den Zusammenhang vom Wechseln der Farben und der chemischen Reaktion von Saft und Säure beziehungsweise Saft und Lauge.

Planet-Retten für Anfänger

Palmöl-Scanner im Kindermuseum Foto: Maya Kröpke

In der Ausstellung „Schatzkammer Erde“ geht es aber nicht nur darum, den Kindern einen gewissen Grad an Allgemeinwissen zu vermitteln. Das Team des Kindermuseums bemüht sich, dem Nachwuchs zu veranschaulichen, wie wichtig der Schutz des Planeten ist. Mit einem Scanner haben die Kinder die Möglichkeit, verschiedene Lebensmittel auf ihren Palmölgehalt zutesten. „Für Palmöl werden pro Minute 40 Fussballfelder an Regenwald abgeholzt“, erklärt Yvonne Richter. „Umso früher wir den Kinder vermitteln, dass sie einen Beitrag zum Schutz unseres Planeten leisten können, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie später einen Teil zur Erhaltung der Ökosysteme beitragen werden.“

Lukas kennt sich jetzt auch mit Insekten aus. Er weiß, was sie essen, wo sie leben und welche der Tiere giftig sind. Am Ende des Tages sitzen die Kinder in der Arena des Kindermuseums, während Lukas auf seiner Hand einen schwarzen Riesentausendfüssler hält und den Kindern erklärt, wovon dieser sich ernährt. Furchtlos steht er da, wie einer von den ganz Großen, und gibt sein erlerntes Wissen an die anderen Kinder weiter.

 

Website des Kindermuseums Nürnberg.

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