Medientage München – Ein Erfahrungsbericht

Die Medientage sind mittlerweile schon die ein oder andere Woche her, doch drängte es mich, quasi posthum etwas zu veröffentlichen: nämlich meine, ganz persönlichen Erlebnisse. Meine erste Messe als angehender Journalist, dann gleich so ein Event von Klasse und auch…

Die Medientage sind mittlerweile schon die ein oder andere Woche her, doch drängte es mich, quasi posthum etwas zu veröffentlichen: nämlich meine, ganz persönlichen Erlebnisse. Meine erste Messe als angehender Journalist, dann gleich so ein Event von Klasse und auch noch so ein gelungenes Interview. Das brannte sich ein…

Ich sitze am Frühstückstisch, die Scheiben schießen aus dem Toaster und ich…. langweile mich gehörig. So ganz ohne Zeitung oder Radio, nicht einmal Vogelgezwitscher hier in der Stadt. Den Status seiner Freunde kommentieren und teilen würde so ganz ohne Medien auch fehlen.

Zugegebenermaßen eine grauenhafte Vorstellung und dank Guttenberg und Militär haben wir sowohl die Wahl zwischen  Internet als auch dem guten, alten Papier.


Ich bin froh darum.


Ich schätze das alles nach wie vor als den kleinen Luxus des Tages ein. Ich genieße es, bei einer Tasse Tee die Wochenenderlebnisse meiner Freunde nachzuverfolgen oder, wenn ich Muße habe, mir eine dieser unglaublich gut gemachten Radioreportagen zu Gemüte zu führen. Als Fotograf liebe ich es aber auch, mal bei einem originellen Werbeplakat das Adjektiv „genial“ vor meinem geistigen Auge zu sehen und mir somit schon jetzt hohe Ziele für meine Zukunft zu stecken.

In Deutschland gibt es ja praktisch keine Metropolen, aber ich will gerne mal New York erleben, das man ja gerne als eine einzige Straße aus überdimensionalen Bildschirmen für Werbung kennt. Niemand wäre vor noch wenigen Dekaden auf die Idee gekommen, an sowas wie YouTube zu denken und Schüler hätten viel gegeben für das schnelle Wissen von Wikipedia. Auf der anderen Seite bietet zum Beispiel die Fernsehlandschaft sehenswerte, hauptsächlich amerikanische Serien. Genau wegen dieser Bestandsaufnahme, gemischt mit einem Blick in die Zukunft, trifft man sich alljährlich in München bei den Medientagen, die viele Anzugträger ebenso wie Individualisten und  Studenten der Medienberufe anlocken. So hat es auch einen kleinen Kreis angehender Technikjournalisten aus Nürnberg dorthin verschlagen.

Schon aus weiter Entfernung geben Aufsteller mit dem blauen „M“ den Hinweis auf das Bevorstehende. Im Inneren werden mein Team und ich offen von großzügig aufgebauten Ständen empfangen. Mediengrößen – die mir dabei recht schnell ins Auge stechen – sind der BR, mit seinen unbenutzten Kamerastativen und SKY, die mit einer Liegelandschaft die Passanten ihr PayTV-Angebot schmackhaft machen wollen. Weniger erwartet habe ich jedoch Kunst- oder Dokumentationsprojekte aus Entwicklungsländern. Wirklich spannend ist der Mediencampus, eine Vereinigung namhafter, teils auch staatlicher Mediengrößen, denen auch einige Dozenten der Ohm Hochschule angehören. Hier gibt es den ganzen Tag über ein bunt gemischtes Bühnenprogramm, bei dem sich Experten aus den jeweiligen Gebieten über aktuelle Themen der Medienwelt wie „Journalist werden beim BR“ auseinandersetzen. Schnell wird beim Lesen des Programms klar, dass das Internet als neuer und gern angenommener Kanal, sowohl Chancen als auch Verwirrung mit sich bringt und es einige Herausforderungen gibt, denen es sich zu stellen gilt. So unterhalten wir uns sowohl über den Boom des Videos via YouTube, als auch über den wohl nächsten Schritt, besonders in der Spieleindustrie: Virtual Reality. Die Multimediabrille „Oculus Rift“ wird das Spielerlebnis wohl grundlegend verändern.

Während ich mich voll auf meinen Fotoapparat konzentriere und den richtigen Moment abwarte, tippt mir ein Finger auf die Schulter. Ich drehe mich um, sehe eine quietschgrüne Brille, eine weiße Jacke mit bunten Buchstaben, mit denen auch Erstklässler lesen lernen könnten, und das mit Abstand breiteste Grinsen des Tages von Manfred Habl. Wir unterhalten uns einige Zeit und schmerzlich dämmert es mir, dass es mir an einem…nennen wir es „medialen Fußabdruck“ fehlt. Keinen Blog, ok, und auch keine Fotoseiten; irgendwann sollte ich ja auch mal die vielen Folien beackern, mit denen man uns derzeit überhäuft. Ach ja, und auch keinen YouTube Kanal, geschweige denn ein Autorenprofil bei Gott weiß wem… Gerade ich, der die Füllhöhe des Mailfaches als sozialen Status zelebriert, ist gerade mehr Old-school, als ich es mir gerne eingestehen würde. Und dann bekomme ich überall ziemlich dicke Heftchen mit gewagten Covern von allerlei Nachwuchsjournalisten. Alle supertalentiert, superengagiert und supergefördert… #supergeil – und ich?

Mittlerweile kommt auch schon der erste Anfall von Hysterie, kurz vor unserem allerersten Interview. München, 12°C, der Knödel im Hals sitzt. Ich lockere die Fliege und versuche, die Messe zu genießen. Die kompetenten Mitarbeiter an den Ständen – es waren nur weiße Lacktische – repräsentieren ja eigentlich genau das, wo ich mal hin will; die Studienwahl heißt „irgendwas mit Medien“. Gerne hätte ich dann neckisch meinen imaginären Presseausweis gezeigt und gesagt: Hey Leute, ich bin auf bestem Wege! Die Zeit habe ich dann aber, welch Überraschung, mit genau diesen Infotischchen überbrückt. Eine positive Überraschung war es schlussendlich, welch hohen Stellenwert die Allgemeinbildung bei den Verbänden hat: Prompt wurden wir auch zu Podiumsdiskussionen und Vorträgen zum Verständnis politischer Themen eingeladen und es war zumindest mir neu, dass intern in Foren über den Status Quo diskutiert wird, über die eben genannten Chancen, doch auch über so Grundlegendes wie Ethik, eine Journalistenmoral, an die man sich als Produzent von Qualitätsmaterial auch zu halten hat.

Genau auf der anderen Seite der Halle, eingepfercht zwischen einem Kaffebereich und einer Schlagschatten erzeugenden Softbox, werden zahlreiche Workshops angeboten. Ich bin sehr enttäuscht über die miserablen Platzverhältnisse und erst nach mehrmaligem Nachfragen bekommt unser Workshop ein Mikro, um gegen den Lärm des Podiums anzureden. Schlecht organisiert, dafür dann sogar zu unser aller Überraschung bis auf den letzten Stehplatz besetzt! Von Sportjournalismus über Sounddesign bis hin zu Tipps, wie man sich eine eigene App bastelt, können sich sowohl Amateure als auch Fortgeschrittene einen Anstoß für weitere Arbeiten und die heißbegehrten „goldenen“ Tipps geben lassen. Uns interessiert besonders der Workshop Fotodesign von Erol Gurian.

Kurz zu seiner Biographie: Als studierter Bildjournalist hat er sich nicht nur mit Talent hochgearbeitet, sondern kann auch eine illustre Schar an Kunden präsentieren: National Geographic, BMW oder Spiegel gehören dazu. Folglich ist ER genau der Richtige, der uns Hinweise für ein gelungenes Bild geben kann.

Fachmännisch erkundigt er sich zuerst nach dem Anteil im Auditorium mit Vorwissen und schlägt so in seinem einstündigen Vortrag an zahlreichen Stellen die Brücke zwischen dem klassischen Amateur, der mit seinem Handy ein „Selfie“ oder vor der billigen Digicam seinen Bierbauch und zwischendurch gerne mal toskanische Denkmäler in Szene setzt, und sowas wie mir, ein wär‘-gerne-Profi. Obwohl ich mich ja schon seit vier, fünf Jährchen mit der eher künstlerischen Fotografie auseinandersetze, bin ich doch an vielen Stellen verblüfft, dass das, was ich semiprofessioell und intuitiv verwende, auch seinen wissenschaftlichen Hintergrund hat. Sowas wie Goldener Schnitt und Schärfentiefe ist wohl den meisten schonmal über den Weg gelaufen, aber nie hat man die Chance, das quasi „hautnah“ gezeigt zu bekommen. Gurian zeigt immer ein Bilderduo, wie eine scharfsinnige Gegenüberstellung bei der Kripo. Der Profi wehrt sich zwar vehement dagegen, das eine Foto per-se als besser einzutüten, doch war das mit der genannten Technik stets schöner anzusehen. Einerseits schrecklich schön und schön schrecklich im selben Moment, durch wie viel und wie wenig man einen fotografischen Moment zu Kunst oder Krempel werden lassen kann. Obwohl ich ja einige Bilder aus der Recherche von seinem Internetauftritt wiederentdeckt habe, sitze ich mit offenem Mund da und denke mir „Ja,… so ein schönes Bild“ und mich überfällt durchaus eine Spur von Neid….

Nach seinem Vortrag nimmt Gurian sich sogar noch etwas Zeit für ein Interview. Er ist als Künstler ein sehr offener Mensch und so fällt auch das Interwiew nach seinem Vortrag leicht. Es ist eine Spur von Glückseligkeit, dass wir die Stimmung erzeugen können, dass wir vor laufender Kamera über die Kunst in seinen Bildern sinnieren, seine caritativen Anstrengungen und seine Meinung zu Phänomenen der Facebookknipserei („Selfies“, #wakeupcall und dergleichen). Gerne erzählt er uns von seinen Erfahrungen und es wird sich zeigen, ob wir nicht den einen oder anderen Tipp zumindest unbewusst ausprobieren! Früher waren wir jung und schön, wie es so salopp heißt: Jetzt haben wir immerhin einen Rucksack voller Notizen und Visitenkärtchen.
Welch Beute!

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