Mit der App durchs Museum

Die Besucher im Vogelsaal des Naturkundemuseums Bamberg gucken mit gesenkten Köpfen auf ihre Smartphones, genauer: auf die eigens für den Ausstellungsraum konzipierte App. Das Museum nutzt noch andere digitale Technik, um das Besuchererlebnis abwechslungsreicher zu gestalten. Ein moderner Museumsbesuch.

 

Kinosaal „Multivision“ Foto: Felix Streidl

Julius und seine Klassenkameraden sitzen auf einer kleinen Tribüne und blicken gespannt nach vorne. Das Farbspiel dreier Projektoren zeichnet Bilder an die Stirnseite des Ovalen Raums. In der so genannten Multivision bestaunen die Schüler der Klasse 3b Animationen zum Kreislauf des Lebens. Nach dem Ende der Vorführung zieht die Klasse weiter in einen länglichen Raum mit ächzendem Holzboden. An den Wänden hängen versteinerte Funde aus dem Wattendorfer Steinbruch, der etwa 25 Kilometer nordöstlich von Bamberg liegt. „Hä? Wo sollen denn da die Flügel sein?“ Ratlose Gesichter vor dem Sensationsstück des Museums, einem selten gut erhaltenen Flugsaurier. Die Antwort liefert ein Display unter dem Exponat. Auf diesem entfaltet sich eine Grafik des Knochendurcheinanders Bild für Bild zu einem geordneten Skelett. „Solche Animationen nutzen wir, wo es für das Verständnis notwendig ist. Diese erstelle ich selbst, meistens in Nachtarbeit“, merkt der Direktor des Museums, Dr Matthias Mäuser, an.

 

Vogelgesang per App

Nächster Halt ist das Museum im Museum, der historische Vogelsaal. Der Eingang ist durch eine gläserne Schiebetür versperrt. „Das ist eine Klimaschranke“, erklärt der Museumsleiter. „Die haben wir etwas geheimnisvoll gestaltet, um dem Besucher den Eindruck zu vermitteln, er würde einen Tresor betreten.“ Mit den Fingerspitzen streicht er über die Oberfläche eines in der Wand eingelassenen Glaskristalls und die Tür fährt mit einem leisen Zischen auf.

das Museum im Museum, der Historische Vogelsaal. Foto: Felix Streidl

Als die Schüler den acht Meter hohen Raum betreten, spüren sie einen kühlen Luftzug. An den Wänden des Saals und in dessen Mitte stehen Vitrinen mit Vögeln aus aller Welt. Julius sitzt auf einer Bank am Fenster und hält mit beiden Händen das Smartphone seiner Lehrerin, auf dessen Bildschirm eine Animation Franz Ludwig von Erthals, dem Stifter des Naturalienkabinetts, die Besucher willkommen heißt.  Der Grundschüler ist von der App begeistert: „Das Handy merkt, wo ich hingehe, und zeigt mir ab und zu Videos von den Vögeln, die ich mir grad anschaue.“ Des Weiteren hat der Nutzer die Möglichkeit, sich über die Entstehungsgeschichte des Raumes und der Sammlung zu informieren.

Unter dem Mikroskop

Im museumspädagogischen Raum können Schüler Naturkunde erleben. Foto: Felix Streidl

Das neue Highlight für die jungen Besucher des Museums bildet der neue museumspädagogische Raum. „Das Hauptziel ist es, eine Verbindung zwischen dem Raum und den Stücken in der Ausstellung zu schaffen“, erklärt die Museumspädagogin und Biologin Dr. Beate Bugla. „Dafür haben wir Programme für Besucher unterschiedlicher Altersklassen erstellt.“ Die Teilnehmer arbeiten dabei in kleinen Gruppen an Experimenten, um so die Ausstellung spielend kennenzulernen. Das Prunkstück des Raums bildet ein großer Touchbildschirm, der mit einem Mikroskop oder einem Laptop verbunden werden kann. Unter diesem können die jungen Besucher einige der Exponate genauer betrachten. Im Zentrum stehen einige trapezförmige Tische, die je nach Gruppengröße neu angeordnet werden können. An der Rückwand befindet sich eine Küchenzeile mit einem gekachelten Waschbecken und Vitrinen mit weiteren Ausstellungsstücken. „Was wir hier im Kern vermitteln wollen, ist, dass Naturwissenschaften Spaß machen können, und das wird von den Kindern teils sehr gut angenommen.“

 

Neue Reize

Mit der Einbindung neuer Technologien in das Museum und die historische Sammlung sind in Bamberg neue Reize gesetzt worden. So gestaltet sich der Museumsbesuch nicht nur für junge Besucher abwechslungsreich. „Am besten haben mir die versteinerten Dinos gefallen und die Videos in der App“, meint Julius nach dem Rundgang.

 

Website des Naturkunde-Museums Bamberg.

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