Mittelalterliches Kriminalmuseum Rothenburg ob der Tauber Charlotte Kätsel Eiserne Jungfrau

Mittelalterliches Kriminalmuseum und das Verbrechen an der Eisernen Jungfrau

Das Mittelalterliche Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber konfrontiert seine Besucher mit Folter, Verurteilung und Bestrafung. Sogar unter den Exponaten selbst befindet sich ein Opfer.

Bedrohlich steht sie da. Schweigend, massiv und so groß, dass ein Bewohner des Mittelalters in ihr Platz gefunden hat. Die geheimnisvolle Eiserne Jungfrau ist regelrecht einschüchternd. Im düsteren Zeitalter war sie selbst für Bestrafung zuständig. Nach ihrer aktiven Zeit ist sie jedoch selbst zum Opfer von Verleumdung geworden. Genau wie viele Verurteilte im Mittelalter kann sich die Jungfrau von Nürnberg, wie das Exemplar aufgrund ihrer Herkunft heißt, nicht wehren. Ihr bleibt nur ein Jahrhunderte überdauerndes Schweigen. Ein Schweigen, mit dem sie dazu beigetragen hat, dass das Wissen der Allgemeinheit mehr Mythos als Realität ist.

Mittelalterliches Kriminalmuseum Bäckertaufe Rothenburg ob der Tauber

Verkauften Bäcker zu kleine Brote, haben Gesetzeshüter sie mit Hilfe der Bäckertaufe unter Wasser getaucht Foto: Christian Sengstock

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts gilt die Figur aus metallbeschlagenem Holz als Symbol der damaligen Zeit. Sie dient als Namensgeberin der Metal-Band Iron Maiden. Außerdem hat kein Geringerer als der irische Autor Bram Stoker die Jungfrau von Nürnberg mit seiner Gruselgeschichte „Die Squaw“ weltbekannt gemacht. Stacheln auf der Innenseite sollen Verurteilte beim Schließen der Jungfrau auf grausame Art und Weise getötet haben. Doch wie die Einleitung vermuten lässt, ist vieles nicht so, wie es scheint.

Charlotte Kätzel und das Museums-Team schaffen Klarheit

Die 28-jährige Medienassistentin Charlotte Kätzel, die neben Marketing- und PR-Arbeiten selbst auch Führungen übernimmt, sieht den Schritt von gefälschter Realitätsauffassung zu richtigen Tatsachen als wichtige Aufgabe des Museums. „Mit der Geschichte rund um die Eiserne Jungfrau ernte ich regelmäßiges Erstaunen“, sagt die Museums-Mitarbeiterin. Die Menschentrauben, die sich regelmäßig um die metallene Dame bilden, sprechen eine ähnliche Sprache. Auch sie müssen erfahren, dass die genannten Vorstellungen einer Verfälschung des Exponats geschuldet sind. Forscher fanden heraus, dass die beschlagene Holzfigur aus dem 15. bis 16. Jahrhundert stammt. Bei den Stacheln in ihrem Kern handelt es sich jedoch um Bajonette aus den Jahren 1813-1815. Hauptverdächtiger für die Verfälschung ist der damalige Inhaber der Sammlung Geuder, der zahlenden Besuchern so ein ganz besonderes Stück präsentieren konnte.

Mittelalterliches Kriminalmuseum Rothenburg ob der Tauber Scharfrichter-Szene

Die neue Scharfrichter-Szene im Mittelalterlichen Kriminalmuseum Foto: Christian Sengstock

In einem anderen Bereich hat die Zeit ebenfalls einen üblen Streich mit der Realität gespielt. „Auch die Räubergeschichten wie Hotzenplotz oder die Erzählungen über den Seeräuber Störtebeker haben mit der Realität wenig gemein“, stellt Kätzel erneut klar. Wie heute bezeichnete Raub auch damals schon das gewaltsame Entwenden von Eigentum. Der Gesetzgeber verhängt heute eine Freiheitsstrafe von nicht unter einem Jahr. Raub war auch damals kein Kavaliersdelikt. Die wahren Taten sind aufgrund ihrer Härte keineswegs für Kinderbücher geeignet. Die Herkunft dieser Verklärung ist jedoch belegt. Im 18. Jahrhundert verliehen Räubergeschichten wie Schillers „Die Räuber“ dem allgemeinen Unmut gegenüber der Obrigkeit Ausdruck. Die Vorstellung der starken, widerspenstigen Figuren gaben der Bevölkerung ein Ventil. Im 19. Jahrhundert folgte darauf eine weitere Verharmlosung der Geschichten und gab ihnen sogar etwas Märchenhaftes. Hier ist genau die gegenteilige Bewegung im Vergleich zur Eisernen Jungfrau zu beobachten und auch hier muss das Museums-Team Aufklärungsarbeit leisten.

Schüler und Fachbesucher lassen sich begeistern

Mittelalterliches Kriminalmuseum Rothenburg ob der Tauber Peinliche Befragung

Bei der Peinlichen Befragung bezichtigt euch das Volk der Hexerei Foto: Christian Sengstock

Laut Charlotte Kätzel ist es gar nicht so einfach, die ausgestellten Folterwerkzeuge weder zu verharmlosen, noch die eigenen Besucher bei der grausamen Realität nicht zu verstören. Sie und ihre Kollegen hätten jedoch ein sehr gutes Gefühl dafür, welche Informations-Tiefe in welcher Gruppe angemessen ist. Diese seien sowieso sehr unterschiedlich. Neben den 50.000 Schülern kämen auch immer Erwachsene, die „wirklich alles im Detail wissen wollen“. Der Museumsleiter Dr. Markus Hirte führe sogar Polizisten und Juristen durch das Museum und zeigt ihnen die historische Entwicklung rund um die Strafverfolgung.

Damit diese wichtige Aufgabe der Aufklärung und Bildung erhalten bleibt, hat das Museum Kätzel zu Folge in der Vergangenheit einige Weichen gestellt. Darunter fällt beispielsweise die Internationalisierung der Ausstellung. So sind alle Texte in deutsch, englisch und japanisch verfasst. Zusätzlich modernisiert das Museum die Art der Darbietung selbst immer weiter. Das neueste Beispiel hierfür ist die Scharfrichter-Szene, die die Enthauptung in eine künstlerischen Szene zur Schau stellt. Damit das Mittelalterliche Kriminalmuseum noch lange erhalten bleibt, sei es laut der 28-jährigen auch wichtig, sich mit der Zeit zu entwickeln. Die Eiserne Jungfrau würde sich bedanken.

 

Website des Mittelalterlichen Kriminalmuseums.

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