Niere to go

Bei der Bauchfelldialyse werden dem Blut über das Bauchfell Giftstoffe entzogen. Doch bei dem Vorgang kommen Substanzen zum Einsatz, die der Gesundheit des Menschen schaden. Ein Unternehmen aus Wien stellt eine innovative Verbesserung vor.

„Fremde Menschen haben mich umarmt und mir gesagt, ich hätte ihnen wieder einen Sinn fürs Leben gegeben“, sagt Volker Blum, wenn er an seine Transalp im Frühjahr 2009 zurückdenkt. Auf dem Goethe-Weg ist Blum von München nach Venedig gewandert. Täglich bloggt er von seinen Erfahrungen. Das ist zunächst nichts Besonderes, doch Blum ist Dialysepatient. Seine Nieren arbeiten nicht mehr richtig. Dreimal am Tag muss er eine Flüssigkeit in seinen Bauch leiten, die ihn am Leben hält.

Die Dialyse ist ein Blutreinigungsverfahren und neben der Nierentransplantation die einzige Nierenersatztherapie. Das Verfahren wird bei einem akuten Nierenversagen zur Lebenserhaltung eingesetzt. Dabei wird zwischen der Hämodialyse, Blutreinigungsverfahren außerhalb des Körpers, und der Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse, PD) unterschieden. Allein in Deutschland sind 80.000 Menschen betroffen, nur elf Prozent der Patienten nutzen die PD.

Funktion der PD – Stärken und Schwächen der Behandlung

„Die PD ist deutlich verträglicher und fördert die Restfunktion der Nieren“, sagt Angelika Kirpal, Nephrologin der Klinik-Steger in Nürnberg. „Zudem bleibt der Patient flexibel. Für ältere Patienten ist die zu übernehmende Eigenverantwortung jedoch oft problematisch.“ Durchschnittlich kann der Patient das Bauchfell etwa drei bis fünf Jahre für die PD benutzen.

Die PD verwendet das Bauchfell als Dialysatormembran. Der Patient leitet zwei bis drei Liter Dialyseflüssigkeit über einen operativ angebrachten Katheder in den Bauchraum. Die Flüssigkeit umspült das Bauchfell. Dabei findet ein Stoffaustausch statt, der dem Blut Giftstoffe und überflüssiges Wasser entzieht. Der kontinuierliche Vorgang der Blutreinigung kommt der natürlichen Arbeitsweise der Niere am nächsten. Alle vier bis acht Stunden muss der Patient die Dialyseflüssigkeit wechseln.

Blum tauscht auf seiner Transalp im Wohnmobile die Dialyseflüssigkeit (Quelle: ABM-Medien)

Blum tauscht auf seiner Transalp im Wohnmobil die Dialyseflüssigkeit
(Quelle: ABM-Medien)

Das Mesothol schließt das Bauchfell zur Bauchhöhle hin ab. Zwischen den Mesothelzellen sind Poren, durch die Flüssigkeit ein- und austreten kann. Versorgungsbahnen mit Blutgefäßen und Nerven durchziehen das Bauchfell. Über natürlich ablaufende physikalische Prozesse findet ein Austausch zwischen Blut und Dialyseflüssigkeit statt. Hauptsächlich diffundieren kleinere Moleküle. Unerwünschte Giftstoffe des Blutes vermischen sich nach einer Zeit vollständig mit den kleinen Molekülen der Dialyseflüssigkeit und werden so aus dem Blut ausgeschwemmt. Wasserziehende Substanzen in der Dialyseflüssigkeit entziehen dem Blut Wasser. Dafür kommt vorwiegend Glukose zum Einsatz.

Durch die PD können jedoch die Bauchfell-Zellen geschwächt werden. Es kommt zu Bauchfellentzündungen und Infektionen durch die verwendeten Flüssigkeiten oder einer unhygienischen Handhabung des Katheders. Dabei entsteht Narbengewebe und die Immunabwehr sinkt. Oft muss der Behandelte den Vorgang abbrechen. Die durchschnittliche Anwendungsdauer der PD beträgt laut Baxter, Hersteller für Medizintechnik, ein Jahr.

Neue Chancen für die PD

Das Unternehmen Zytoprotec aus Wien hat einen Zusatzstoff entwickelt, der eine längere und sichere Behandlung ermöglichen soll. Der eingesetzte Wirkstoff wird bereits in anderen Bereichen der Medizin angewendet und hat eine nachgewiesen positive Wirkung auf Zellschutz und Abwehrkraft des Körpers.

Das Produkt befindet sich derzeit noch in der Testphase. „Die Fortsetzung des Tests hängt jedoch von dem Erfolg der Zwischenergebnisse und der weiteren Finanzierung ab“, sagt Bernd Seibel, Geschäftsführer von Zytoprotec. Aufgrund von Komplikationen brechen derzeit 75 Prozent der Patienten die PD innerhalb der ersten 24 Monate ab. Das Wiener Unternehmen geht davon aus, die Zahl auf 56 Prozent zu senken. Baxter nimmt an, mit diesem Produkt mehr Patienten für die PD gewinnen zu können, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass eine Markteinführung des Produkts noch nicht absehbar ist.

„Die Transalp sollte ein Zeichen sein, das auf die PD aufmerksam macht“, sagt Blum, für den die Flexibilität immer am wichtigsten war. Er wollte sein Leben nicht von der Krankheit bestimmen lassen. 2011 wurde er transplantiert.

Beitragsbild: Volker Blum am Ziel seiner Reise. Von seiner Krankheit ist nichts zu sehen.
(Quelle: dialyseontherocks)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.