Nürnberg – nicht ganz so Green City

Nürnberg erreicht im Städteranking von Greenpeace mit Platz neun nur einen der hinteren Plätze. Hoher CO2-Ausstoß und die enorme Autodichte tragen einen Großteil dazu bei.

Denn obwohl es hier ein großes Bike Sharing-Angebot gibt, nutzen 43 Prozent der Bewohner zum Auto, mit steigender Tendenz. Auch sehr begrenzte Parkflächen, massive Nachteile für die Umwelt und eigene Luftqualität halten davon nicht ab. Wo genau Großstädte wie Nürnberg mit Green City-Maßnahmen zur Luftverbesserung ansetzen sollten, erläutert Greenpeace-Pressesprecher Gregor Kessler im Interview.

Liegt das Problem Ihrer Meinung nach bei ungenügender Aufklärung über die immer schlechter werdende Luftqualität in Großstädten oder an fehlenden attraktiven Alternativen zum Auto?

Gregor Kessler: Befragungen in Radfahrmetropolen wie Kopenhagen haben gezeigt: Kaum jemand fährt aus Umweltschutzgründen Rad. Die meisten tun es, weil es bequemer und oft auch schneller ist, als das Auto zu nehmen. Entsprechend sehen wir den Hauptgrund für den niedrigen Anteil des Radverkehrs in vielen deutschen Städten in schlechten Voraussetzungen für Radfahrer. Wer als Radfahrer kaum Platz im Straßenverkehr hat und sich oft vom Autoverkehr bedroht fühlt, der lässt das Rad stehen und nimmt mit dem Auto Staus und lange Parkplatzsuche in Kauf. Der Hebel für mehr Radverkehr ist der konsequente Ausbau der Infrastruktur: mehr und breitere Radwege, Ausbau der Stellplätze, Aufbau eines großflächigen und bedienungsfreundlichen Angebots an Leihrädern.

Wie könnte man eventuell mehr Anwohner auf das Gesundheitsrisiko Luftverschmutzung in ihrem direkten Lebensraum aufmerksam machen?

Das offizielle Netz an Luftmessstationen muss dichter werden. Mit einem halben Dutzend Messstellen ist das Netz auch in Nürnberg viel zu grobmaschig. Es entsteht der Eindruck von punktuellen Belastungs-Hotspots, dabei zeigen mobile Probemessungen wie etwa Greenpeace sie in vielen deutschen Städten durchgeführt hat, dass wir in vielen Innenstädten ein sehr weiträumiges Stickoxidproblem haben, das an nahezu allen größeren Straßen besteht. Hilfreich wären zudem Anzeigetafeln mit den aktuellen Werten, da nur wenige Menschen sich die Mühe machen, die Werte online abzurufen.

Für Laien hört es sich erst mal durchaus sinnvoll an innerstädtischen Stau zu vermeiden und den Verkehr, gerade zu Ballungszeiten, möglichst schnell aus der Stadt zu leiten. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Überwiegen hier nicht doch die Nachteile und trägt es vielleicht eher zum steigenden Nutzen von Auto und Co bei?

Das eigene Auto, vor allem das mit Verbrennungsmotor, hat in modernen Innenstädten künftig nichts mehr verloren. Zusätzliche Flächen für Autos sind weder aus gesundheitlichen Gründen noch aus städtebaulicher Sicht zu rechtfertigen. Der begrenzte öffentliche Raum in Städten ist zu kostbar, um ihn einem ineffizienten und zudem gesundheitsschädlichen Verkehrsmittel wie dem eigenen Auto zu opfern. Städte müssen ihren Bewohnern künftig saubere Formen des Verkehrs anbieten, dazu gehört ein attraktiver und leistungsfähiger ÖPNV und ein dichtes Netz an sicheren Radwegen.

Es gibt in deutschen Großstädten, wie Nürnberg, viele Konzepte zur Verbesserung unserer Luftqualität, von Fahrradschnellstrecken über die Elektrifizierung der PKW- und Bus-Flotten bis hin zum Ausbau des U-Bahnsystems. Wie konsequent werden diese Projekte ihrer Einschätzung nach Umgesetzt? Und heben sich die positiven Effekte dieser „Green City“ Projekte nicht viel eher mit den Investitionen in eine bessere Straßenvernetzung wieder auf?

Es gibt nur einen Weg, die Luftqualität in Städten rasch zu verbessern, und das ist, die schmutzigsten Autos aus den besonders belasteten Stadtteilen zu halten, wie es mit der blauen Plakette möglich wäre. Diese Maßnahme muss flankiert werden mit dem konsequenten Ausbau sauberer Verkehrsformen wie einem ÖPNV der möglichst schnell elektrifiziert wird und dem Investitionen in eine bessere Infrastruktur für Radfahrer.

Auch die Begrünung der Städte, um Feinstaub zu reduzieren, kommt immer wieder zur Sprache. Wie sinnvoll ist es in Großstädten mit sehr begrenztem Flächenangebot, an diesem Punkt anzugreifen, vor allem solange sich am Nutzungsverhalten der Autofahrer in Nürnberg nichts ändert?

Grünflächen in Städten leisten einen wichtigen Beitrag zur Luftverbesserung. Doch viele Städte wachsen und brauchen Raum für neue Wohnungen. Flächen für neue Grünflächen können dennoch entstehen, in dem man den städtischen Verkehr effizienter organisiert, mit geteilten E-Autos, besseren Möglichkeiten für Radfahrer und einem leistungsstarken ÖPNV.

Frischluft tanken im Luitpoldhain, einer der wenigen großen, begrünten Flächen Nürnbergs Foto: Matthias Lindner

 

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