Ökologisch produzierte Kinderkleidung

Neben Bildung und Ernährung spielt auch die Mode eine wichtige Rolle im Leben eines Kindes. Zeitgemäße Kinderkleidung kann auch aus fairem Handel stammen und aus natürlichen Materialien bestehen.

Davon sind vor allem die Gründerinnen Gwendolyn Limbrunner und Susanne Nawrotzki von LYSU überzeugt. LYSU ist ein nachhaltiger Kindermodeladen in der Nürnberger Altstadt, der von Neugeborenen bis zu elfjährigen Kindern fair produzierte Kleidung anbietet. Vor ungefähr zwei Jahren entwickelten Limbrunner und Nawrotzki ein Konzept für ökologisch und fernproduzierte Kindermode und setzten dies erfolgreich um. In einem Interview erzählen beide mehr über ihr Projekt.

Was waren die Schwerpunkte des Konzeptes?
Limbrunner: In unserem Konzept ist es wichtig, dass die Materialien ökologisch angebaut sind. Die Wolle nehmen wir nur von ökologisch gehaltenen Tieren. Wir stellen mit entsprechenden Siegeln sicher, dass bei der Produktion der Marken in Ländern keine Kunstfasern oder Mikroplastik zum Einsatz kommen. Unser Mindeststandard ist die Global Organic Textile Standard- Zertifizierung, was uns und den Kunden eine glaubwürdige Qualitätssicherheit bietet.

Kleidungssortiment in LYSU. Foto: Kirthiga Kathirgamanatan

Konnte LYSU die Kunden mit der Produktqualität für sich gewinnen?
Nawrotzki:
Mehr Information und mehr Erklärung zeigt den Kunden, was hinter unserem Produkt steckt. Allein durch das Anfassen und den Geruch fühlt sich die Kleidung anders an, sagen unsere Kunden. Wir verkaufen nur Kleidung, die wir unseren Kindern auch selbst anziehen würden. Somit stehen wir hinter unserem Produkt und vermitteln viele Informationen. Zu unseren Kunden zählen natürlich hauptsächlich Eltern. Vielen ist es wichtig, was ihrem Baby oder ihrem Kind auf der Haut liegt. Andere achten auch darauf, dass keine Kinderarbeit einfließt. Deshalb beraten wir unsere Kunden sehr ausführlich, unter welchen Bedingungen unsere Kindermode produziert wird und warum unser Produkt nachhaltig ist.

Hat sich der Klimawandel auf die Herstellung der nachhaltigen Mode ausgewirkt?
Nawrotzki: Gerade im Bezug auf den Klimawandel ist Baumwolle problematisch, denn sie verbraucht zu viel Wasser. Eine gute Lösung wäre es, so wenig wie möglich Baumwolle in der Produktion einzusetzen und stattdessen auf biologische Baumwolle umzusteigen.

Was kann man als Betreiber für die Nachhaltigkeit tun?

Geschirr aus Bambus. Foto: Kirthiga Kathirgamanathan

Nawrotzki: Ein Betreiber kann Vieles für die Nachhaltigkeit tun. Mit dem Fahrrad in die Arbeit fahren und auf umweltverschmutzende Verkehrsmittel verzichten, wäre ein kleiner Anfang. Wir fahren beide immer mit dem Fahrrad zum Laden.

Limbrunner: Außerdem können Betreiber auf Firmen verzichten, die hauptsächlich Plastikverpackungen nutzen. Besser ist es, auf plastikfreie Verpackungen umzusteigen. LYSU bietet recycelte Papiertüten an und wir versuchen den Kunden auch diese Verhaltensumstellung mitzugeben. Wir beziehen unsere Sachen für unser Büro über Memo, ein Shop, der nachhaltige Werbeartikel verkauft. Unser Strom ist Ökostrom.

Wie können Eltern die nachhaltige Mode unterstützen?
Limbrunner: Eltern sollten auf Qualität achten und schauen, ob die Kleidung, die sie suchen, auch im Secondhand-Laden verfügbar sind.

Nawrotzki: Die Kleidung, die man selbst nicht mehr anzieht, wird in den Altkleidersack geworfen. Meist waren dies keine hochwertigen Sachen. Einmal getragen und schon wird die Kleidung weggeschmissen. Eltern sollten versuchen, kaputte oder schmutzige Kleidung zu reparieren. Ein Body mit Fleck kann auch als Putztuch sehr gut dienen. Wenn wir es schaffen, hochwertige Produkte wieder in den Umlauf zu bringen, dann ist ein großer Schritt geschafft. Wenn ein Overall nach einem Mal tragen nicht weggeworfen sondern noch von weiteren sechs Kindern getragen werden wird, ist viel gewonnen.

 

Blick in die Schneiderei. Foto: Kirthiga Kathirgamanathan

Sind neue Trends in der Bio-Mode im Umlauf?
Limbrunner: Wir bieten im LYSU Stoffwindeln an. Die sind immer mehr im Trend, da sie nach dem Waschen wieder verwendbar sind. Das innere Material besteht aus Baumwolle, was die Flüssigkeit sehr gut aufsaugt, das äußere aus Wolle, die das Durchdringen der Flüssigkeiten nach außen verhindert. Der innere Bereich muss gewaschen und das äußere Material nur gelüftet werden.

Was könnte Jeder tun, um nachhaltiger zu werden?
Limbrunner: Mal ausprobieren, weniger zu haben, ohne es als Verzicht zu betrachten. Den Mut haben, klein anzufangen. Es ist manchmal befreiend, über manche Dinge gar nicht nachdenken zu müssen.

 

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