Produzierende Industrie und IT-Wirtschaft sind zwei Welten. Noch.

Symbolischer hätte man es nicht inszenieren können. Eine Hochzeit zweier Partner, die aber leider Gottes in diesen Tagen lieber 200 Kilometer zwischen sich haben, wenn sie über gemeinsame Pläne beraten. Industrie 4.0 soll produzierende Industrie und IT vereinen. Auf dem…

Symbolischer hätte man es nicht inszenieren können. Eine Hochzeit zweier Partner, die aber leider Gottes in diesen Tagen lieber 200 Kilometer zwischen sich haben, wenn sie über gemeinsame Pläne beraten. Industrie 4.0 soll produzierende Industrie und IT vereinen. Auf dem Maschinenbaugipfel beraten am 21. Oktober die Entscheider und Verantwortliche von produzierenden Unternehmen in Berlin. Ein Thema: Potentiale der IT und die Perspektiven von Industrie 4.0. In sicherere Entfernung, in Hamburg, treffen sich parallel die Verantwortlichen der Digital- und Telekommunikationswirtschaft auf dem IT-Gipfel. Ein Thema: die Chancen von Industrie 4.0.

In der Symbolik dieser parallelen Gipfeltreffen liegt ein Stück der realen Zustandsbeschreibung. Spätestens seit der Eröffnung der Hannover Messe 2014 durch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Industrie 4.0 in aller Munde. Gar eine vierte industrielle Revolution wird beschrieben, wenn IT-Konzepte und digitale Intelligenz in die Feldebene der Industrieproduktion Einzug hält. Allerdings sind noch nicht alle auf dem Weg in diese Zukunft. Eine nicht repräsentative Umfrage unter den Teilnehmern des Maschinenbaugipfels zeigt, dass bislang nur wenige Unternehmen über Konzepte mit Industrie 4.0 nachdenken.

Der Branchenverband VDMA hat dieses Thema zentral in den Mittelpunkt des Kongresses gestellt. Aber: die Unternehmen machen sich auf den Weg. Laut einer Studie des VDMA mit PwC wollen 80 Prozent der befragten Unternehmen ihre Wertschöpfungskette digitalisieren und hierfür 8,5 Milliarden jährlich investieren. Der Lohn für dieses Invest sollen dann Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen sein, wie VDMA-Präsident Festge sagt. Allerdings sei wichtig, das Problem des Schutzes der Fertigungsdaten zu lösen. „Können sie nicht auf konsequenten Datenschutz vertrauen, wird gerade die Breite der mittelständischen Unternehmen Distanz zu 4.0 wahren.“ Ein Effekt, der einen enormen Wettbewerbsvorteil unwiederbringlich verschenken würde, so Festge.Was derzeit schon möglich ist, zeigten dann auf dem Maschinenbaugipfel Beispiele der Festo AG, der Homag Group oder der Rheinhausen GmbH. Tenor: Industrie 4.0 hat Potentiale, die aber für jedes Unternehmen erarbeitet werden müssen.

Nach Hamburg: Auch der IT-Gipfel beschäftigt sich mit dem Zusammenwachsen der IT mit der produzierenden Wirtschaft. „Die vierte industrielle Revolution – „Industrie 4.0“ – hat das Potenzial, Wertschöpfungsketten grundlegend neu zu gestalten und die Geschäftsmodelle der deutschen Leitbranchen wie Anlagen- und Maschinenbau, Automobilbau, Elektro- und Medizintechnik grundlegend zu beeinflussen.“ So die Einführung in das Forum zu den ökonomischen Potentialen auf dem IT-Gipfel.

Beide Gipfel denken also über dieselben Facetten und Aspekte nach. Aber noch getrennt. Gut, dass der zuständige Bundesminister, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf beiden Veranstaltungen präsent ist, die persönliche Klammer bildet. Gabriel sieht neben den diskutierten Vorteilen für die Maschinenbauindustrie einen anderen Aspekt. Denn die Produktivitäts- und Effizienzgewinne aus den Konzepten von Industrie 4.0, könnten auch die Probleme aus dem demographischen Wandel und dem Fachkräftemangel abmildern. Aber die Industrie dürfe den Zug nicht an sich vorbeifahren lassen, warnt Gabriel. Laut einer GfK-Studie sei ein Drittel der befragten Unternehmen gedanklich noch nicht bei Indsutrie 4.0 angekommen. „Das muss uns zu denken geben.“ Die Deutsche Industrie habe beim Thema Digitalisierung die besten Startchancen. „Aber man muss dran bleiben,“ mahnt der Bundesminister. Mit Blick auf die Bedenken mittelständischer Unternehmen zum Schutz von Produktionsdaten, pflichtet Gabriel dem VDMA bei. „Technologien für Datenschutz und Datenaustausch müssen wieder aus Deutschland kommen.“

Laut Gabriel ist es ein gutes Signal, wenn sowohl Maschinenbauer als auch IT-Wirtschaft über Industrie 4.0 beraten. Gut wäre, wenn die Klammer nicht nur in der Person des Wirtschaftsministers geschlossen würde. Dass die beiden Bereiche enger miteinander verzahnt werden müssen stehe auf der Agenda. Und so fordert Gabriel dann auch, dass der „nächste IT-Gipfel nicht mehr nur ein Treffen der IT-Unternehmen“ sein dürfe, sondern die Industrie müsse einbezogen werden. Ein weiterer Schritt, die beiden Welten einander näher zu bringen.

Volker Banholzer

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