Das regionale Online-Magazin des Studiengangs Technikjournalismus der TH-Nürnberg. Studenten bloggen über wissenschaftliche und hochschulrelevante Themen.

Mastercraft

Schneiden, Kleben, Basteln – Stop Motion von Hand gemacht

Fünf Designstudenten der Technischen Hochschule haben ein Musikvideo zum Song „Mastercraft“ der libanesischen Band „Who killed Bruce Lee“ produziert. In dem Stop-Motion-Video wird die drohende Ausrottung des Handwerks …

…  durch zwei konkurrierende, lebendige Backhäuser dargestellt. Julian, Anthea, Jasmin, Michael und Patrick berichten über die nervenaufreibende Entstehung des bastelintensiven Videos.

Wie seid Ihr auf die verrückte Idee gekommen, ein Stop-Motion-Musikvideo zu drehen, in dem ein lebendiges Backhaus von einem weiteren bösen schwarzen Backhaus bedroht wird?

Anthea: Es gibt eine Vorgeschichte dazu. Wir hatten sehr viele interessante Ideen beziehungsweise mehrere potenzielle Songs, die wir uns ausgesucht haben, um ein Video dazu zu produzieren. Irgendwann haben wir uns dann für diesen Song entschieden, weil er einfach die besten Möglichkeiten bot. Und da unser Professor nach ungefähr zehn Ideen gesagt hat, dass alles, was wir machen wollen, zu aufwendig ist, sind wir irgendwann auf diese Idee gekommen. Julian, das darfst du erzählen.

Julian: Eigentlich ist die Idee ziemlich offensichtlich, denn in dem Song geht es um das langsam aussterbende Handwerk, das von der Industrie ersetzt wird. Und was passt am besten zum meisterlichen Handwerk? Etwas Handwerkliches, zum Beispiel Papier. Dadurch sind wir auf Pop-up-Bücher gekommen. Zuerst haben wir die ganzen Kulissen gebaut. Es war natürlich ein ziemlicher Akt, alles selbst zu entwickeln. Wir mussten alle Häuser selbst konstruieren und uns von Pop-up-Büchern inspirieren lassen. Danach hat sich auch die Story ergeben.

Mastercraft

Das Gute Ende für das Backhaus; Quelle: Julian Witusch

 

Ist das Thema Handwerk der Grund, weshalb Ihr Euch für Stop-Motion entschieden habt?

Julian: Stop-Motion passt zu dem Thema Handwerk am besten. Im Realfilm würde das gar nicht so gut rüberkommen. Es wirkt zu dem Song „Mastercraft“ viel besser, wenn man etwas abliefert, das nicht perfekt ist. Man sieht eben bei Stop-Motion, dass mal was wackelt oder ein Fleck drin ist.

 

Ihr habt ja vorhin schon angesprochen, dass Ihr mehrere Bands zur Auswahl hattet. Ist das ein Luxus?

Anthea: In der Aufgabenstellung hieß es, dass die Band im Video nicht gezeigt werden darf. Wir haben zwei Bands, die uns gefallen haben, angefragt.

Julian: Einmal eine Band aus New Orleans, „Minus the Saints“, und die libanesische Band „Who Killed Bruce Lee“. Wir haben uns dann für letztere entschieden. Die Gruppe ist sehr sympathisch und gerade vom Libanon nach Berlin gezogen. Sie touren im Moment auch durch Deutschland.

 

Was hat die Band zum Video gesagt?

Julian: Die haben eigentlich schon vor einer Woche das offizielle Musikvideo mit ihrer Partnerfirma gedreht. Die Band hat unser Video bereits gesehen und fand es cool. Die dürfen unser Projekt aber erst später veröffentlichen, weil die Fans sonst verwirrt wären.

Mastercraft

Sämtliche Kulissen mussten mühevoll per Hand gebastelt werden; Quelle: Julian Witusch

Was waren denn die Schwierigkeiten bei Stop-Motion, welche Erfahrungen habt ihr gesammelt und was waren die größten Stolpersteine dabei?

Michael: Die größten Schwierigkeiten bestanden darin, ein Pop-up zu bauen, das total flach ist und beim Aufgehen hält. Da mussten wir kombinieren und schauen: Wie gestalten wir das? Wie machen wir das? Wie befestigen wir das? Hält es dann auch?

Anthea: Wichtig ist, dass sich das Set um keinen Millimeter bewegt. Da muss einfach alles halten: ob es das Licht ist, die Kamera, das Stativ oder die Bodenplatte, auf der alles klebt. Alles muss bombenfest sein.

Julian: Was improvisiert wurde, sollten wir lieber nicht sagen (lacht).

Anthea: Wenn Ihr das sehen wollt, kauft Euch die DVD, da sind das Making-of und ein paar Outtakes, die wir noch animiert haben, drauf.

Michael: Viele Ideen passieren auch am Set. Zum Beispiel ein kleines Easter Egg: In dem Film „Carved“ ist unsere kleine Maus zu sehen, eine Kleinigkeit, die beim Dreh entstanden ist.

Anthea: Wir haben nämlich gleichzeitig mit ihnen animiert. Man muss sich das so vorstellen: Unser Filmstudio ist in zwei Etagen aufgeteilt: die waren oben, wir waren unten. Da wird sich dann auch mit dem anderen Team ausgetauscht, weil die schon mehr Erfahrung als wir haben und so ist dann die „Easter-Maus“ entstanden.

 

Wie lange habt ihr für den gesamten Dreh gebraucht?

Anthea: Acht Monate

Team_Mastercraft

Das Team hinter dem Projekt v.l.n.r.: Jasmin Fleischmann, Anthea Schuler, Julian Witusch, Patrick Gößwein und Michael Seybold; Foto: Tobias Rühl

 

Ist dann mehr Arbeit auf die ganze Bastelei oder auf den Dreh selbst gefallen?

Michael: Auf die Produktion, also im Vorfeld die Ideenfindung und die Vorbereitungszeit.

Jasmin: Dreh war letztendlich nur einen Monat. Aber das dann auch von morgens bis abends jeden Tag in den Semesterferien. Die Produktion war komplett während des Semesters.

 

Was hat es mit dem Schiebetrick auf sich?

Anthea: Der Schiebetrick ist ein Mittel, das in Pop-up-Büchern sehr oft benutzt wird. Also ein einfaches Beispiel: Wenn man aus der Seite etwas rausschieben kann, dann verändert sich das Bild. Bei uns waren das die Augen der Backhäuser.

 

Ohmrolle

Wie in jedem Semester sind beim Kurzfilmfestival „Ohmrolle“  zahlreihe Filmprojekte von Studenten der Fakultät Design zu sehen; Foto: Tobias Rühl

 

Quelle Titelbild: Julian Witusch

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