Bato in seiner Zinngießerei am Nürnberger Handwerkerhof.

„Silber des kleinen Mannes“

Das traditionelle Handwerk des Zinngießens auf dem Nürnberger Handwerkerhof   „It’s all my work, everything handmade“. Mit diesen Worten und einem freundlichen Lächeln begrüßt Georg Stanislavlijevic, besser bekannt unter seinem Spitznamen Bato (siehe Foto), die Kunden in seinem Laden am…

Das traditionelle Handwerk des Zinngießens auf dem Nürnberger Handwerkerhof

 
„It’s all my work, everything handmade“. Mit diesen Worten und einem freundlichen Lächeln begrüßt Georg Stanislavlijevic, besser bekannt unter seinem Spitznamen Bato (siehe Foto), die Kunden in seinem Laden am Nürnberger Handwerkerhof. In der „Zinngießerei“ verkauft er neben Tellern und Bechern auch allerlei Zinn- und Keramikfiguren, vom kleinen Weihnachtsschmuck bis hin zum großen Tiermodell für den Garten.
Seit 42 Jahren arbeitet der gebürtige Serbe auf dem Nürnberger Handwerkerhof. Im Laufe seiner Ausbildung zum Maschinentechniker brachte er sich das Zinngießen nach und nach selbst bei.
Gemeinsam mit seiner Freundin modelliert er in seiner Werkstatt in Bamberg die Modelle für seine Figuren. Diese bestehen aus Steinzeugton. Abgesehen von seinen Händen verwendet der 74-Jährige lediglich kleine Holzwerkzeuge, um die Modelle zu formen. Und dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. „Ideen habe ich viele, aber leider nur zwei Hände“, erklärt der Künstler.
Bato benutzt die handgefertigten Tonmodelle, um einen Abdruck zu erstellen, in dem später die Figur gegossen wird. Das Besondere: Da in jedem Abdruck nur einmal gegossen werden kann, ist jedes seiner Werke einzigartig. Danach muss der Guss trocknen. Je nach Größe dauert das bis zu zwei Wochen. Kleinere Figuren, beispielsweise der klassische Zinnsoldat, brauchen nur wenige Tage. Um ihre endgültige Form zu erhalten, werden sie dann geschliffen. Mit kleinen Fräsmaschinen und Polierwerkzeugen verpasst Bato den Figuren ihre feinen Details und besonderen Charakteristiken. Durch verschiedene Glasuren erhalten seine Arbeiten ihre einzigartige Farbe.

Ab dem 16. Jahrhundert war Nürnberg eines der wichtigsten Zentren für Zinnfiguren in Deutschland. Heute sind traditionelle Zinngießereien in Nürnberg kaum noch zu finden. Abgesehen von der auf dem Handwerkerhof gibt es lediglich eine weitere Gießerei. Trotzdem ist die Konkurrenz groß. Gerade an Weihnachten ist es schwer, gegen die industrielle Massenproduktion anzukommen. Das liegt vor allem am stolzen Preis der handgefertigten Figuren: Fünf bis zehn Euro kostet eine kleine Weihnachtsfigur, mehrere tausend verlangt Stanislavlijevic für große Auftragsarbeiten.
Doch Touristen schätzen die handgemachten Kunstwerke. Gerade der Weihnachtsschmuck ist bei Amerikanern und Japanern sehr beliebt und wird in der Zinngießerei auf dem Handwerkerhof das ganze Jahr über gekauft. Neben den Touristen gibt es außerdem viele Stammkunden. Durch Mundpropaganda wurden Batos Werke bekannt. Jetzt hat er Käufer aus der ganzen Welt. Der Serbe erklärt: “Ohne meine Stammkunden könnte ich nicht überleben.“

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