Spiel mit der Illusion

Das Theater ist trotz der frühen Stunde vollbesetzt. Unzählige Kinder lauschen dem Lied der Prinzessin darüber, dass sie viel zu schlau und schön zum Heiraten ist. Dann öffnet sich die doppelflügelige Tür auf der Bühne und nacheinander treten die Bewerber…

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Die stolze Prinzessin wird von ihrer Dienerin unterstützt. Szene mit Monika Reithofer und Katja Schumann. Foto: Jim Albright

Das Theater ist trotz der frühen Stunde vollbesetzt. Unzählige Kinder lauschen dem Lied der Prinzessin darüber, dass sie viel zu schlau und schön zum Heiraten ist. Dann öffnet sich die doppelflügelige Tür auf der Bühne und nacheinander treten die Bewerber um ihre Hand ein. Jedes Mal wallen Nebelschwaden auf die Bühne, das Licht verändert sich und eine andere Melodie erklingt, während die pubertäre Prinzessin einen nach dem anderen lächerlich macht und abweist.

Das Weihnachtsmärchen des „Theater Ansbach“ ist jedes Jahr ein Highlight der Spielzeit. Diesmal wird „König Drosselbart“ in einer Fassung von Jürgen Eick und mit Musik von Thomas und Ulrike Koch aufgeführt. Es wurden schon über siebentausend Karten verkauft, ein neuer Rekord.

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Zwar klein, aber durch warmes Licht gemütlich: die Hütte des verkleideten Prinzen. Szene mit Dave Wilcox und Thorsten Siebenhaar. Foto: Jim Albright

„Selbst eine sehr einfache Inszenierung ist ohne die Technik nicht machbar“, so die Schauspieler Katja Schumann und Thorsten Siebenhaar. Das Märchen ist alles andere als einfach, da es sich um ein Kinderstück handelt. Diese müssen plakativ sein, sagt Marc Lörks, damit es für die Kinder nicht so gespielt wirkt und sie richtig mitfiebern können. Lörks ist seit einem Jahr Beleuchtungsmeister am Theater Ansbach, es ist also sein zweites Märchen.

Er ist verantwortlich für die Stimmungen, die durch die Beleuchtung auf der Bühne erzeugt werden. Die Grundlage wird dabei von der Regie vorgegeben, in diesem Fall soll die Grundstimmung gemütlich und warm wirken. Dann überlegt Lörks sich, wie die Bühne ausgeleuchtet werden soll. Dafür verwendet er verschiedene Filter, diesmal besonders in einem Goldton. Um festzulegen, wann und wie Stimmungen gewechselt werden, gibt es Beleuchtungsproben mit der Regie. Mit der Beleuchtung kann „dem Publikum gegenüber eine Illusion erzeugt werden“, erklärt Lörks. Als Beispiel nennt er einen relativ langsamen Wechsel, der wie ein Sonnenaufgang wirkt.

Da das Weihnachtsmärchen ein Musical mit fünfköpfiger Liveband ist, stellt es auch an die Tontechnik einige Herausforderungen. Jeder der Schauspieler bekommt ein kleines Mikrophon mit Leukoplast an die Wange geklebt und auch jeder Musiker muss abgenommen werden. Tontechniker Christian Lehmann erzählt, dass sich in größeren Häusern ein Techniker nur darum kümmere, dass die Mikrophone funktionieren. Bei den meisten Stücken komme die Musik vom Band, erklärt Lehmann weiter. Beim Märchen werden jedoch sogar die Geräuscheffekte vom Schlagzeuger und Percussionist Yogo Pausch live erzeugt.

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Die Bühnentechniker Christian Lehmann und Marc Lörks am Tonmischpult. Foto: Paula Goth

Ein weiteres Hilfsmittel, das bei jedem Weihnachtsmärchen eingesetzt wird, ist die Nebelmaschine. Der Nebel bricht das Licht, durch diesen Effekt werde eine mystische Stimmung erzeugt, die den Märchencharakter des Stücks unterstützt, so Lörks. In einer Szene verbrennt ein Brot, der Nebel der dabei aus dem Ofen quillt, ist ein weiteres Element, welches das Stück für die Kinder greifbar macht. Die strahlenden Gesichter und das aufgeregte Geplapper nach der Vorstellung verraten, dass die Illusion gelungen ist.

 

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