Spielzeug oder Allzweckwaffe? Das Tablet als Hilfsmittel des Journalisten

Das erste Tablet kam von Apple. Es hieß Newton MessagePad und erschien 1993. Bei weitem nicht so erfolgreich wie seine heutigen Nachfahren; die Technik war aber auch noch eine andere. Den Meisten eher bekannt sein dürfte das iPad, das eine…

Das erste Tablet kam von Apple. Es hieß Newton MessagePad und erschien 1993. Bei weitem nicht so erfolgreich wie seine heutigen Nachfahren; die Technik war aber auch noch eine andere. Den Meisten eher bekannt sein dürfte das iPad, das eine neue Ära des mobilen Internets einläutete. Zunächst nur im privaten Umfeld und an Hochschulen gesehen, bietet es mittlerweile auch Multimediaklassen die Möglichkeit der schnellen Information per Fingertipp. Nicht zuletzt den Vertriebsmitarbeitern in Unternehmen eröffnet es ungeahnte Möglichkeiten.

 

nteressant ist ein Tablet auch für diejenigen, die es mit Leben füllen: Journalisten, Redakteure, Mitarbeiter der Pressestellen, Blogger. Ein Tablet kann für sie alles sein. Eine Möglichkeit, sich letzte Informationen für einen dringend fertigzustellenden Artikel zu holen. Eine Gelegenheit, spontan ein Bild vom Verkehrschaos nach dem ersten Schneefall zu machen, um es später in der Berichterstattung zu verwenden. Eine Option, einen Originalton einzufangen oder ein Kurzvideo zu drehen, ohne zentnerschwere Ausstattung durch die Gegend zu hieven. Und trotzdem: Irgendwie ist dieser flache Computer doch noch ein Unbekannter. Nicht selten auf Pressekonferenzen von Kollegen belächelt – der, der mit seinem Tablet aufzeichnet oder fotografiert. Warum ist das so? Malte Burdekat, Mediensoziologe und langjähriger Dozent an der Journalistenakademie in München, weiß eine Erklärung: „Smartphones und Tablets bedeuten für den Journalisten einen Imageverlust. Er arbeitet dann schließlich mit Geräten, die jeder Amateur bedienen kann.“ Seiner Ansicht nach wird sich das aber ändern. Bei einem Journalisten käme am Schluss nämlich trotzdem ein anderes Produkt heraus als bei einem Laien. Einen anderen Grund, weshalb Redakteure die Geräte derzeit noch teilweise schmähen, sieht Burdekat beim Handling: „Am Anfang ist die Bedienung gewöhnungsbedürftig.“

 

 

 

Damit sich künftige Journalisten nicht erst im Berufsleben an das schlanke Medium gewöhnen müssen, schaffen Ausbildungsstätten Tablets zum Testen an. An der Katholischen Universität, kurz KU, in Eichstätt wurden laut Michaela Petek, Dozentin für Hörfunk und Fernsehen, im vergangenen Herbst iPhones und iPads inklusive Stativ, Licht und Mikrofon-Adapter angeschafft. Damit würden die Studierenden das Zusammenspiel von verschiedenen Apps mit verschiedenem Equipment testen. Die Erkenntnisse nutzt Petek für einen im Frühjahr 2014 erstmals stattfindenden, sogenannten Mobile Reporting Kurs. „Da geht es um Audio-Aufnahmen, Fotografieren, Filmen, Schneiden und Veröffentlichen mit iPhone und iPad. Aufgrund der Videoqualität arbeiten wir nicht mit Android-Geräten“, berichtet die Dozentin. Etwas anders arbeiten die Studierenden an der Technischen Hochschule in Nürnberg im Fach Tablet-Journalismus. Die Studentinnen und Studenten erstellen entweder mit, für oder über das mobile Endgerät einen Beitrag. Dabei kommen Kurzfilme, Artikel für die Internetplattform der Studierenden oder Vergleichsreihen heraus. Bei Letzteren fotografieren die angehenden Journalisten mit Digital- oder Spiegelreflexkameras und einem Tablet und analysieren dann, wann und wo die größten Qualitätsunterschiede auftreten. Auf die gleiche Art verfahren sie mit Audio-Aufnahmen. Barbara Witte, Professorin für Rundfunkjournalismus und Onlinekommunikation an der Hochschule Bremen, möchte künftig Synergien nutzen. Witte plant, zusammen mit den Medieninformatik-Studenten Apps zu produzieren. Momentan befinden sich auch hier Dozenten und Studenten in der Forschungs- und Konzeptionsphase.

 

 

 

In allen drei Ausbildungsstätten stellen die Lehrenden großes Interesse seitens der Studierenden fest. Interessant findet Malte Burdekat, der auch an der Technischen Hochschule Nürnberg doziert, „dass unter den Technikjournalisten erstaunlich viele den Tablets und Smartphones sehr kritisch oder sogar ablehnend gegenüber stehen.“ Vielleicht liege es aber auch daran, so vermutet er, dass sich die Unsicherheit in Bezug auf das neue Medium von den Lehrenden auf die Studierenden übertrage. Michaela Petek beschreibt die Stimmung des journalistischen Nachwuchses an der KU in Eichstätt als freudig gespannt. Sie erklärt auch warum: „Weil mittlerweile viele von ihnen das Erlernte mit dem eigenen iPhone und einige auch mit dem iPad gleich selbst umsetzen können ohne sich dafür vorher ein großes Kamera-Equipment ausleihen zu müssen.“

 

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