Streifzug durch die Forschung

„Ich wollte mal Iron-Man-Anzüge bauen.“ So erklärt Milan Fritsche heute den Schritt, warum er nach dem Abitur ein Studium in Medizintechnik angefangen hat. Heute arbeitet er im Labor für Medizintechnik an der Technischen Hochschule Nürnberg und forscht im Bereich des therapeutischen Ultraschalls.

Genauer gesagt arbeitet der wissenschaftliche Mitarbeiter am so genannten hochintensiven fokussierten Ultraschallverfahren, kurz HIFU. Dieses Verfahren wird aktuell bei der Behandlung von Prostata-Krebs angewendet: Durch Fokussierung von Ultraschallwellen werden dabei gezielt Krebszellen zerstört. Dabei muss jedoch darauf geachtet werden, dass das umliegende gesunde Gewebe nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Hier kommt Milan Fritsche ins Spiel: Er forscht an einer verbesserten Überwachung des Fokus. Damit versucht er das Verfahren nicht nur sicherer zu machen, sondern zudem zu beschleunigen. Seinen ersten Berührungspunkt mit dem HIFU-Verfahren hatte Fritsche bereits in seiner Bachelorarbeit, wo eine Machbarkeitsstudie für die Verbesserung durchführt wurde.

Milan Fritsche ist dabei einer von vielen wissenschaftlichen Mitarbeitern, die Tag für Tag an der Hochschule in einem der über 150 Labore mit Forschung auf ihren Themengebieten beschäftigt sind. Dabei arbeitet nicht jede Fakultät streng von einer anderen getrennt. Es findet viel Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen statt. Koordiniert wird diese unter anderem durch verschiedene Kompetenzzentren.

Frank Opferkuch ist Leiter des Kompetenzzentrums „Energietechnik“ an der TH Nürnberg. Hier forschen insgesamt 16 Professoren und einige wissenschaftliche Mitarbeiter zum Beispiel an Abwärmenutzung und Kälteanlagen. Opferkuch weiß daher aus erster Hand, dass es nicht immer einfach ist, das alles zu organisieren: „Professoren haben sehr unterschiedliche Stundenpläne. Allein das zeitliche Managem  ent, aber auch fachliche Hürden, wie Fachsprachen, müssen überwunden werden. Man kriegt das aber hin, wenn man ein Thema findet, was die Brücke darstellt.“

Frank Opferkuch im Austausch mit seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern.
Foto: Frank Opferkuch

Win-Win-Situation

Warum überhaupt an der Technischen Hochschule Forschung betrieben wird, liegt nicht nur an den angebotenen Masterprogrammen. Es gibt auch einen wirtschaftlichen Aspekt, da vor allem kleinere mittelständische Unternehmen Probleme haben, an Universitäten ihre Forschungsprojekte durchzubringen. „An der Universität ist der Ansprechpartner oft in einer Tiefe unterwegs, die das Unternehmen gar nicht so benötigt. Wir haben eher breitere Aufgabenstellungen und das passt zu uns besser als Technische Hochschule. Wir haben alles was man braucht, um ein technisches Problem lösen zu können und dieses Potential wollen wir mehr und mehr nutzen, um Ansprechpartner für kleinere Unternehmen zu sein“, erklärt Opferkuch.

Mittlerweile hat sogar die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa, die Fraunhofer Gesellschaft, einen Platz an der Hochschule gefunden. 2014 gründeten das Fraunhofer ICT und die TH Nürnberg eine Forschungsgruppe. Diese befasst sich mit den Themengebieten Partikeltechnologie, Rohstoffinnovationen und Ressourceneffizienz. Die Größenordnung reicht dabei von Nanopartikeln bis hin zu einfachem Bauschutt. Aktuell wird beispielsweise an besseren Recyclingmöglichkeiten von Faserverbundstoffen, wie in Windkrafträdern vorhanden, geforscht.

„Mein Herz schlägt für die Forschung. Es begeistert mich.“ Foto: Ulrich Teipel

Einer der treibenden Kräfte hinter diesem Zusammenschluss war Ulrich Teipel. Dieser war, bevor er 2004 an die TH Nürnberg wechselte, jahrelang bei der Fraunhofer-Gesellschaft beschäftigt. Heute erzählt er über die Forschungsgruppe in Nürnberg voller Stolz: „Bis auf eine Person der acht Mitarbeiter sind alle Eigengewächse der TH.“ Dabei streben alle seine wissenschaftlichen Mitarbeiter eine Promotion an.

Vielleicht ist eine Promotion auch mal für Milan Fritsche erstrebenswert, denn dieser scheint in der Forschung seine Bestimmung gefunden zu haben: „Recht früh im Studium habe ich mir schon gedacht, dass die Forschung eher meins ist. Ich habe mich nie in einer großen Firma gesehen. Ich habe mich eigentlich schon immer als Wissenschaftler in einem Labor gesehen. Es ist das, was ich wollte.“

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