Blick von einem der Faultürme auf einen Teil des Klärwerks 1 in Nürnberg

Stromhungriges Abwasser

Von einem der Faultürme in 35 Metern Höhe offenbart sich der Blick über die komplette weitläufige Anlage des Klärwerks 1 in Nürnberg. Runde und rechteckige Wasserbecken, dazwischen Funktionsgebäude, im Hintergrund Verwaltungs- und Laborgebäude.

Das Gelände im Stadtteil Muggenhof erstreckt sich über eine Fläche von 200.000 Quadratmetern. Mit einer Auslegungsgröße von 1,4 Millionen Einwohnerwerten ist es das Größere der beiden Großklärwerke in Nürnberg, das 1931 als Ergänzung zum Klärwerk 2 mit 230.000 Einwohnerwerten den Betrieb aufnahm.

Blick von einem Faulturm auf Belebungsbecken im Klärwerk 1 Nürnberg

Blick von einem der Faultürme auf die Belebungsbecken; Foto: Andreas Dommel

Beim Anblick der Wassermassen drängt sich schnell der Gedanke der sparsamen Nutzung von Wasser auf. An den hohen, zur Wasseraufbereitung notwendigen Energiebedarf denkt zunächst kaum jemand. Mit durchschnittlich etwa 20 Prozent des Gesamtbedarfs einer Kommune ist er meist höher als der von Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Schulen. So benötigte das Klärwerk 1 im Jahr 2014 insgesamt rund 14,7 Millionen Kilowattstunden Strom. Davon musste allerdings nur knapp die Hälfte extern bezogen werden, wofür sich die Kosten auf 1,63 Millionen Euro beliefen. Denn mithilfe von Blockheizkraftwerken, die Energie erzeugen, indem sie das anfallende Klärgas verbrennen, konnte das Klärwerk 7,6 Millionen Kilowattstunden Strom selbst aufbringen.

Faultürme Klärewerk 1 Nürnberg

In den Faultürmen wird ein Teil des Faulschlamms zu Klärgas umgewandelt, was dann in Blockheizkraftwerken zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Jedes „Ei“ ist 35 Meter hoch und fasst 10.800 Kubikmeter Inhalt; Foto: Andreas Dommel

Nicht nur die eingesetzten Blockheizkraftwerke sollen Energie sparen. „Nach und nach werden die alten Lampen durch sparsame LED-Leuchten ersetzt. Fast der gesamte Außenbereich wird damit schon beleuchtet“, erklärt Christian Boeckmann, der Sachgebietsleiter Elektrotechnik, bei einem Rundgang durch die Anlage. Er ist im Klärwerk zuständig für die gesamte Messtechnik und elektrischen Antriebe, ausgenommen der Leittechnik, also der Steuerung der Anlagen.

Ein Rundgang über die Anlage

Die Tour beginnt im Verwaltungsgebäude. Von dort geht es zum Zulauf des Klärwerks mit den spiralförmigen, von 250-kW-Maschinen betriebenen Schneckenhebewerken. Der Geruch macht schnell klar, wo man sich befindet. Daneben im Rechengebäude filtern Siebrechen Sand und andere Grobstoffe aus dem Wasser. Im belüfteten Sandfang in der Halle dahinter setzen sich weitere grobe Verunreinigungen auf dem Boden ab, während sich Fette und Öle an der Oberfläche sammeln.

Anschließend führt der Weg durch einen Teil der etwa drei Kilometer langen unterirdischen Gänge, an dessen Seiten eine Vielzahl von Rohren verläuft. Nur selten kommt hier jemand herunter. Deshalb brannte früher oft tagelang umsonst Licht, falls vergessen wurde, es auszuschalten. „Mittlerweile sind Bewegungsmelder angebracht, die es automatisch an- und ausschalten“, sagt Boeckmann. Auch zwei Blockheizkraftwerke mit einer Leistung von 851 kW zeigt er. Weil sie so laut sind, schließt er die Türe aber zügig wieder.

Gang unterhalb des Klärwerks 1 in Nürnberg

Unterhalb der Anlage verlaufen Gänge mit einer Gesamtlänge von rund drei Kilometern; Foto: Andreas Dommel

Während der Rundgang seinen Höhepunkt auf einem der fünf eiförmigen Faultürme findet, führt der Weg für das Abwasser zunächst in die vier rechteckigen Vorklärbecken. Anschließend gelangt es in die Belebungsbecken, den Anlagenteil mit dem mit Abstand höchsten Energieaufwand. Das Druckbelüftungssystem dort benötigt durchschnittlich etwa die Hälfte des gesamten Energiebedarfs einer Kläranlage und damit mehr als die ununterbrochen laufenden Pumpen und Rührwerke, die anteilsmäßig danach folgen. Im Belebungsbecken sollen Bakterien das Wasser reinigen. Diese benötigen Sauerstoff zum Atmen. Dazu bläst eine Rohrleitung Luft in Platten auf dem Boden in 4,6 Metern Tiefe. Durch kleine Einschnitte entweicht diese dann und perlt nach oben. Der Druck, der dabei überwunden werden muss, erfordert diesen hohen Energieaufwand.

Der einzelne Bürger kann auch mittels sparsameren Wassergebrauchs nur wenig zu einem geringeren Stromverbrauch der Kläranlagen beitragen, da die Energie vor allem zum Abbau der Schmutzfracht benötigt wird, die jedoch auch bei weniger Wasser gleich bleibt. Energiesparende Maßnahmen müssen deshalb in der Anlage selbst ansetzen. Optimierte Belüfter-Anordnungen und moderne, effiziente Pumpen stellen Möglichkeiten für Kläranlagen dar, den Energieverbrauch noch weiter zu senken.

 

 

 

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