Tablet statt Heft

Tablet statt Heft

Die Kinder sitzen in ihrem Klassenzimmer und quatschen noch ganz munter miteinander, bis der Unterricht beginnt. Dann gongt die Schulglocke. „Startet eure Tablets“, sagt die Lehrerin. An dieser Stelle fragt sich die Besucherin, ob es sich hierbei um den neusten…

Die Kinder sitzen in ihrem Klassenzimmer und quatschen noch ganz munter miteinander, bis der Unterricht beginnt. Dann gongt die Schulglocke. „Startet eure Tablets“, sagt die Lehrerin. An dieser Stelle fragt sich die Besucherin, ob es sich hierbei um den neusten Science-Fiction-Film handelt. Jedoch ist es kein Szenario aus der Zukunft. Die Situation findet im Hier und Jetzt statt.

Die Kinder starten ihre Tablets und schon beginnt der moderne Unterricht. Tablet statt Heft, Tippen statt Schreiben, Präsentationen statt Folien – so entwickeln sich zurzeit immer mehr Schulen in Deutschland in Richtung Digitalisierung. Die alten Lehrmethoden verschwinden so langsam von der Bildfläche. Wie viel Technik steckt wirklich hinter den IPad- Klassen und wie groß ist die Nachfrage?

Bayrische Schulen erproben den Unterricht 2.0

Während Deutschland noch in den Startlöchern steht, sind die IPad- Klassen im Ausland gar nicht mehr wegzudenken. Schulen werden dort schon komplett mit Tablets ausgestattet. Hierzulande sieht es mit rund 120 bis 200 Klassen noch etwas spärlich aus. Nürnberg gehört zu den wenigen Städten in Deutschland, in denen der digitale Trend angekommen ist. So ist es einigen Schülern der Sperberschule möglich, modern unterrichtet zu werden. Die Klassenleiterin und Mitarbeiterin der Schulleitung Antje Rupprecht ist die einzige Lehrkraft ihrer Schule, die den Unterricht mit dem Tablet führt. „Angefangen haben wir mit einer Ausstattung von acht Tablets für die Schüler und einen für den Lehrer; mittlerweile sind es 21 für die Schüler und eines für den Lehrer.“ Vor rund drei Jahren starteten die Schüler der M-Klasse mit dem kleineren Klassensatz. Sie arbeiteten zu dritt an einem IPad in sogenannten IPad- Gruppen. „Diese Klasse ist in den letzten Jahren in den Genuss gekommen, hier anders zu lernen. Man hat mit der Zeit wirklich gemerkt, dass es für sie Routine geworden ist. Wenn es mal heißt, sie sollen Informationen suchen, finden sie diese in wenigen Minuten. Heißt es, sie sollen eine kleine Präsentation erstellen, können sie diese in wenigen Minuten schon fertig präsentieren. Über die Jahre, in denen sie mit diesem Gerät gearbeitet haben, konnte ich einen großen Vorteil feststellen“, sagt Antje Rupprecht. „Es ist auf jeden Fall eine tolle Bereicherung und die Schüler sind natürlich sehr motiviert.“

Trotzdem hat das digitale Unterrichten auch einige Schwächen. „Für den Lehrer steckt einiges an Aufwand und Arbeit dahinter; deswegen ist es sicherlich noch nicht die Königsvariante. Da könnte man mit mehr Zeit noch einiges mehr erreichen. Das ist eigentlich das Hauptproblem, das es erstmal auch einiges an Zeit braucht. Zum Beispiel, um die Geräte zu laden und zu synchronisieren.“ Zudem ist es schwierig, die nötigen Sponsoren zu finden, um überhaupt an den benötigten Klassensatz zu kommen. Die Sperberschule in Nürnberg konnte die Tablets mithilfe sogenannte „Unterstützer der Schule, die aus eigenem Wille für das Projekt Geld spenden wollten“, finanzieren. „Diese Sponsoren mussten wir uns selbst aus eigener Kraft suchen“, sagt Antje Rupprecht.

Eltern finanzieren den Unterricht 2.0 mit

Anders geht die Johann-Turmair Realschule in Abensberg vor, denn dort finanzieren die Eltern das IPad für ihr Kind. Ein großer Vorteil, da hier seit zwei Jahren eine enorme Nachfrage besteht. „Ab der siebten Klasse bieten wir das One-to-One-Modell an. Hier können die Eltern mit ihrem Kind entscheiden, ob es in eine sogenannte PadUcation- Klasse gehen möchte. Jedes Jahr entscheiden sich etwa 70 bis 76 Prozent der Eltern für dieses Modell, obwohl sie das Tablet selber zahlen müssen“, sagt Martin Fritze, Seminarrektor, Gründer und Koordinator der PadUcation- Klassen in Abensberg.

Die Schüler an der Johann-Turmair Realschule arbeiten noch intensiver mit dem IPad als die Kinder an der Sperberschule. „Von der fünften bis zur zehnten Klasse sind wir dabei. Wir haben sogenannte Technikteams ausgebildet; das sind jeweils mindestens zwei Schüler pro Klasse, die sich mit der notwendigen Technik besser auskennen als normal. Diese unterstützen die Lehrer, indem sie die Tablets ausgeben und an die Netze anschließen; so können sich die Lehrer auf ihren Unterricht konzentrieren“, erklärt Martin Fritze. „Wir versuchen, den Unterricht anders zu gestalten, sprich digital anzudenken. Von dem Standpunkt aus: Was brauchen die Kinder im digitalen Zeitalter?“

Leichter Kreativer – Zweifel bleiben unbegründet

Nach Fritze „sollen die Schüler aktiver und produktorientierter werden und nicht bloß passive Konsumenten sein. Wir haben endlich die Chance, individuell differenziert Material anzubieten, das auch leichter zu transportieren ist. Natürlich sind die Schüler auch motivierter, da sie Dinge erstellen, die für sie an Bedeutung tragen. Zum Beispiel, wenn sie eine Reportage über die Renaissance drehen und dementsprechend dafür ein Feedback bekommen. Das Ergebnis ist einfach viel schöner als ein Hefteintrag.“

Da jedoch die Technik immer stärker wichtiger Bestandteil der Schulen wird, gibt es die Befürchtung, dass die Kinder in Zukunft das Schreiben nicht mehr beherrschen müssen. Sorgen um die Feinmotorik und Schönschrift sorgen für eine Ablehnung gegenüber dem digitalen Unterricht. Aber so weit wird es in den IPad- Klassen nicht kommen. „Ich habe Grundschulen gesehen, die teilweise mit einer bestimmten App die Schönschrift am IPad üben. Hierbei wird die Lösung nur anerkannt, wenn der Schüler den Buchstaben wirklich exakt nachfährt. Die Kinder trainieren sogar genauer als auf dem Papier“, erläutert Martin Fritze.

Für die Sperberschule ist es auch wichtig, in Zukunft weiterhin mit dem Tablet zu arbeiten. Da das Interesse vor allem bei den Schülern sehr groß ist, möchte die Sperberschule dieses System weiter ausbauen. Es soll dann als eine Art Ausleihsystem auch für andere Klassen möglich sein, in den digitalen Schulalltag reinzuschnuppern. Da die Schüler der jetzigen IPad- Klasse beim Verlassen der Schule sind, sind die Pläne für nächstes Jahr noch etwas unklar. „Wir wissen nicht, ob es eine komplett neue IPad- Klasse geben wird oder ob wir in ein reines Ausleihsystem starten“, erklärt Antje Rupprecht. „Das Interesse der Schüler ist sehr hoch. Das ist natürlich wieder ein Ansporn für uns, in Zukunft hier etwas möglich zu machen und die Ausstattung zu bekommen.“

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