Tanzen zwischen Schiffen

Damit das Container Love Festival im Sommer seinen Besuchern im Nürnberger Hafen einen betanzbaren Containerdschungel bieten kann, wird auf das technische Know-how und organisatorische Geschick der Veranstalter gesetzt.

Mitten im Herz des Güterhafen Nürnberg soll gefeiert werden. Noch sieht das aber nicht danach aus: Gabelstapler, Kräne, Container, ein wildes Durcheinander. Keiner scheint zu wissen, dass hier Anfang Juli zwei Tage lang getanzt werden soll. „Ist ja auch richtig so. Wir wollen den Verkehr möglichst nicht stören, also wird alles recht knapp vor Beginn aufgebaut“, erklärt Amir Pelz. Der Eventmanager ist der Koordinator für den Aufbau des Container Love Festivals.

Vom See zum Hafen

Kontrastprogamm: Burning Beach lockt mit Sommerfeeling – Container Love setzt auf Industriecharme. Foto: Burning Beach 2016

Auf dem Festival treten DJs der elektronischen Musikszene wie Felix Kröcher und Stephan Bodzin auf, die seit Jahren auf der ganzen Welt spielen. Aber auch Künstler aus der Umgebung wie Stefan Riegauf und MILAN MILANO sind vertreten. Es ist das Schwesterevent des Burning Beach Festivals am Brombachsee. Das Team rund um die im Nürnberger Land bekannten NASTY-Events hat mit dessen großem Erfolg letztes Jahr den Weg für Container Love geebnet. „Trotz der explodierenden Kosten konnten doch ein paar Euro verdient werden“, resümiert Guido Glöckler, Geschäftsführer des ausführenden Concertbüros Franken. Jetzt stand die Idee im Raum, direkt in Nürnberg ein Event auf die Beine zu stellen. „Der erste Kontakt kam von den Veranstaltern, die in der Szene aktiv aber auch einfach Liebhaber der elektronischen Musik sind“, erinnert sich Elke Wechsler, Abteilung Marketing und Unternehmenskommunikation des Güterverkehrszentrums Bayernhafen Nürnberg. Man wolle durch die Kooperation etwas für die jüngere Generation machen. Nicht nur für Hafenansässige, sondern für alle.

Seitdem finden regelmäßig Treffen mit allen Involvierten statt. Das Festival gilt als Großveranstaltung, das macht es genehmigungspflichtig. Deshalb sitzen neben den Veranstaltern und dem Hafenteam auch das Ordnungsamt, die Feuerwehr und der Bereich Servicebetrieb öffentlicher Raum der Stadt Nürnberg sowie die VAG mit am Tisch. Diese beraten neben dem Anlegen von temporären Parkplätzen auch die Lärmpegelung des DJ Equipments oder die Anfahrtswege mit Shuttlebussen der VAG.

Stadt aus Metall

 

Mit einem Greifstapler werden die Container auf dem Hafengelände platziert.  Foto: Pressematerial GVZ Nürnberg Roth

Zwischen 60 und 80 Leercontainer sollen die Kulisse der kleinen Metallstadt prägen. Als Begrenzungen nach außen aber auch als Trennwände zwischen den einzelnen Tanzflächen werden sich Wände aus gewellten Transportboxen stapeln. Barelemente, Bühnen oder Bereiche zum Hinsetzen und Durchatmen – alles gekleidet im industriellen Charme der namensgebenden Container. Zur Verfügung gestellt und platziert werden diese von einem der Leercontainer-Depots am Hafen. Mit einem mobilen Greifstapler werden die mit bis zu 20000 Kilogramm Gesamtgewicht beladbaren 20-Fuß-Container transportiert und positioniert.

Licht gestalten

Um die Areale atmosphärisch voneinander zu unterscheiden, setzt der Veranstalter auf eine Reihe unterschiedlicher Beleuchtungssysteme. So soll die gewellte, teils rostige Oberfläche der Container je nach Bereich ein anderes Stimmungsbild kreieren. Stroboskope beispielsweise lassen harte Schatten auf den Tanzflächen flimmern, weiche Farbleuchten mit geringerer Lichtstärke legen dann wechselnde Farbstimmung darüber. Wie genau die Ausleuchtung dann gehandhabt wird, hängt von den  Licht-DJs ab, wirft Pelz ein. Doch zuerst wird die technische Grundlage gelegt, ein Netz aus kilometerlangen Kabelgabelungen, um den immensen Stromverbrauch der Containerstadt zu stillen. Den Strom einer kleinen Gemeinde hat das Burning Beach Festival letztes Jahr mit 4000 Besuchern gesaugt. Einer von ihnen, Rene Wohlraab, ist zuversichtlich: „Am Brombachsee haben die echt gezeigt, dass sie auch Festival können, und die Hafen-Location finde ich nochmal spannender als den See.“

Das Festival gibt dem Binnenhafen eine neue Facette, die sonst im geschäftigen Treiben des Alltagsgeschäfts keinen Platz findet: Das nimmt sonst jeden Quadratmeter für sich in Anspruch. Bis es aber so weit ist, wird weiter geladen und gelöscht –  erstmal sind es Container, die zwischen den Schiffen tanzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.