Rasen wird gemäht

Taschengeldbörse: Jugendliche und Senioren für eine nachhaltige Zukunft

Der 15-jährige Tim stellt freudig grinsend den Rasenmäher ab: Geschafft! Alfred (86) ist der Besitzer des Rasenmähers, doch kann er ihn nicht mehr benutzen.

Das Alter hindert ihn daran. Alfred überreicht Tim das Geld, doch gibt er ihm noch viel mehr. Die Taschengeldbörse Oberasbach vermittelt junge Leute an Senioren, die sie bei kleineren Aufgaben im Alltag unterstützen.

„Für die Schüler ist es eine wichtige Erfahrung, jemandem zu helfen und in Kontakt mit Senioren zu kommen. Hier entstehen oft bemerkenswerte Beziehungen. Für die meisten Senioren ist der Kontakt zu den jungen Leuten sehr bereichernd – sie sehen sie fast als Enkel an und geben ihnen gerne etwas von ihrer Lebenserfahrung weiter“, erklärt Renate Schwarz. Sie ist die Leiterin des Quartiersmanagements der Diakonie in Oberasbach und hat 2016 die Taschengeldbörse ins Leben gerufen. Die Börse vermittelt Jugendliche an Senioren in Oberasbach, um ihnen bei kleineren Arbeiten zur Hand zu gehen. Im Austausch für ihre Arbeit erhalten die Jugendlichen ein kleines Taschengeld und viel Lebenserfahrung.

Von „Runter von meinem Rasen“ hin zu „Bitte hilf mir mit meinem Rasen“

Projekte wie die Taschengeldbörse können dem Generationenkonflikt lokal entgegenwirken und Jung und Alt zu Austausch und zur Akzeptanz anregen. Verschiedene Generationen zusammenzubringen, wird in Zukunft immer wichtiger werden. 29,5 Prozent aller Oberasbacher sind über 65 Jahre alt, 16 Prozent hingegen sind unter 16. Der Ort steht im demografischen Wandel: Die Geburtenrate pro Frau liegt bei 1,34 Kindern und somit unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 1,57 Kindern.

Die Taschengeldbörse sorgt dafür, dass Senioren auch im Alter länger in ihrem Zuhause wohnen können, selbst dann, wenn Tätigkeiten wie Einkaufen, Putzen oder Gassigehen immer schwieriger werden. Die Unterstützung durch Jugendliche kommt dabei vielen Senioren wie gerufen. „Wir wollen, dass alte Menschen möglichst lange zu Hause wohnen können und wir möchten eine Brücke zwischen Jung und Alt bauen“, erzählt Schwarz. In Zukunft wird es immer mehr Senioren wie Alfred geben, die auf Unterstützung im Haushalt angewiesen sind.

Unterstützung in der Kleinstadt für globale Ziele

Der Bürger-Info-Treff in Oberasbach. Foto: Lena Kiefhaber

Nachdem der Rasen endlich gemäht ist, gehen Tim und Alfred noch gemeinsam eine Runde spazieren. Zusammen schlendern sie zur Eisdiele am Oberasbacher Rathaus. Auf ihrem Weg kommen sie am BIT vorbei, dem Ort, an dem alles angefangen hat. Der Bürger-Info-Treff liegt zentral zwischen dem Seniorenheim und dem Jugendzentrum.

„Die Taschengeldbörse Oberasbach vermittelt zwischen Schülern und Jugendlichen, die ihr Taschengeld aufbessern wollen, und Senioren aus Oberasbach, die sich Hilfe und Unterstützung im Alltag wünschen“, heißt es im Infoblatt der Diakonie. Was in Mittelfranken und vielen anderen kleinen Gemeinden gut funktioniert, kann auch als Vorbild für die ganze Welt dienen.

Denn Themen wie der demografische Wandel sind globale Probleme der westlichen Staaten. Die UN hat in ihren Globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) in 17 Punkten die Zielsetzungen für ein nachhaltigeres Leben auf der Erde definiert. Neben den Punkten Armut beenden und dem Sichern der Ernährung ist dort auch die Forderung nach einem Gesunden Leben für alle zu finden. Die UN setzt sich das Ziel: Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern. Genau dieses Ziel wird mit nachhaltigen Projekten wie der Taschengeldbörse in kleinen Bereichen erfüllt.

Von der Taschengeldbörse Oberasbach profitieren derzeit 50 Senioren und 32 Jugendliche. Sie alle haben etwas gemeinsam. Wer mitmachen möchte, muss einen Anmeldeprozess durchlaufen. „Durch die Anmeldung sollen sowohl die Schüler als auch die Senioren geschützt werden“, erklärt Renate Schwarz. Bei der Anmeldung geben die Senioren genau an, welche Hilfe sie benötigen, die Jugendlichen, in welchen Bereichen sie gerne unterstützen wollen. Die Quartiersmanagerin versucht dann, die Paare möglichst passend zusammenzustellen. Und das nicht nur unter Berücksichtigung der zu erledigenden Aufgaben, auch die soziale Komponente soll stimmen.

So wie bei Tim und Alfred. Tim erzählt Alfred stolz von seinem gewonnenen Fußballspiel. Der ältere Herr lauscht gespannt den schillernden Erzählungen des Jungen und ein Lächeln huscht über seine Lippen.

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