Carp

Tiefe Einblicke

Mit dem Einbruch der Nacht zieht Nebel auf. Wie ein undurchdringlicher Mantel bettet er sich auf die Oberfläche des Sees. Durch den grauen Dunst lässt sich nur erahnen, wo sich das gegenüberliegende Ufer befindet.

Trotzdem hat es Hans, mit Hilfe seines elektronischen Futterbootes geschafft, die zwei Köder wunschgemäß zu platzieren. In seinem camouflagefarbenen Angelstuhl sitzend überprüft er mittels einer speziell auf Angler zugeschnittenen Wetter-App Luftdruck und Temperatur, als plötzlich ein Piepen die idyllische Stille durchbricht. Hans Röders Bissanzeiger läuft auf Hochtouren. Sofort schaltet er seine Kopflampe an und stürmt zu seinem Rod Pod, auf dem sich die Angeln befinden. Der Anhieb an der Rute ging ins Leere.

Elektronische Gadgets sind ein immer beliebter werdendes Phänomen im Angelsport. Vielen Fischern reicht es nicht mehr, sich auf ihr bloßes Glück zu verlassen. Deshalb geben sie regelmäßig viel Geld für technische Neuerungen aus. „Männer sind schon immer technikaffin und alles, was das Hobby erfolgreicher macht, wird gekauft. Es geht immer um den größten Fisch, wie bei den Jägern”, erläutert Benjamin Gärtner, Geschäftsführer des Angelmarkts Ballheim.

Angelplatz

Die Angeln sind ausgeworfen, jetzt heißt es warten ; Foto: pixabay.com

Angeln aus neuen Perspektiven

Die Schwierigkeit beim Angeln besteht vor allem darin, nicht zu wissen, was sich unter der Wasseroberfläche befindet. Obwohl für viele genau das der Reiz ist, ist es oft auch der Grund, warum der Fischer das Gewässer ohne Fang verlässt. Dieser Problematik wirken spezielle Unterwasserkameras entgegen. Befestigt an einer Stahlstiftvorrichtung an der Angelschnur, befindet sich die hochauflösende Kamera nur knapp hinter dem Köder. Mit einer Wasserdichte bis zu 100 Meter hat der Angler die Möglichkeit, so gut wie jeden Winkel seines Lieblingsangelplatzes zu durchforsten. So lassen sich fischreiche Kanten oder Krautfelder finden. Außerdem zeichnet die Kamera Bisse auf. Dadurch kann der Angler anschließend analysieren, weshalb ein Fisch verloren ging und wie genau das Beißverhalten des jeweiligen Fisches ist. Ein weiteres nützliches Feature der Unterwasserkameras sind Tonaufnahmen, die parallel zu den Videoaufnahmen aufgezeichnet werden. „Ich musste feststellen, dass die geflochtene Schnur unter Wasser viel lauter ist als die monofile. Das kann durchaus Fische verschrecken”, erzählt der langjährige Vereinsangler Hans Röder.

Angelmarkt Ballheim

Das große Sortiment des Angelmarkts Ballheim ; Foto: Benjamin Gärtner

Einen ähnlichen Zweck erfüllt das Echolot. Das Produkt an sich ist zwar keine Innovation, es feiert mittlerweile sein 100 jähriges Jubiläum, jedoch überbieten sich die Hersteller mit Weiterentwicklungen ständig selbst. „Einige neue Modelle besitzen beispielsweise eine Scannerfunktion. Die Bilder sind so detailgetreu, man sieht die Unterwasserbeschaffenheit wie auf einem schlechten Foto”, verdeutlicht Benjamin Gärtner. Compressed High-Intensity Radiated Pulse Sonar, kurz CHIRP, ist eine der neuen Technologien, die die realistischen Bilder ermöglicht. Dabei sendet das Gerät mehrere Frequenzen gleichzeitig, statt wie bisher immer nur eine, und analysiert die zurückkommenden Echos. Hohe Frequenzen erlauben sensiblere Echos und niedrige haben eine tiefere Reichweite. Aus der Vielzahl an Details errechnet die Software dann die Bilder. Außerdem lassen sich Echolote inzwischen auch vom Ufer einsetzen oder direkt an der Angelschnur montieren.

Lowrance

Ein Echolot mit Side Scan Funktion ; Foto: Hans Röder

Am Trend, alles mit dem Smartphone zu vernetzen, kommt die Fischerei natürlich auch nicht vorbei. „Es gibt elektronische Bissanzeiger, die dein Smartphone als Receiver nutzen und dir eine Meldung via Bluetooth zukommen lassen. Des Weiteren gibt es auch Echolote, die dir Bildsignale direkt auf dein Handy schicken”, erklärt Gärtner. Dazu kommen unzählige Wetter-Apps, Apps zum Dokumentieren von Fangerfolgen, Apps, die helfen, das Vorfach richtig zu binden, und das passende Angelspiel, falls der Kescher am Ende des Angeltages noch trocken ist.

Hans hingegen hatte Erfolg. Nachdem der erste Anhieb nicht saß, zog er kurz vor dem nach Hause gehen noch einen kapitalen Karpfen an Land. Trotz all den modernen Gerätschaften klappt es ohne das gewisse Quäntchen Glück eben doch nicht.

Quelle Beitragsfoto: pixabay.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.