Trotz Erfolgsmodell ein Einzelkind

Ein leises Rattern, die schrillen Töne der Dampflokpfeife und die sich allmählich fortbewegenden Waggons nach dem Starten der im Jahr 1906 schnellsten Dampflokomotive.

Für die Lokführer der Königlich Bayerischen Staatseisenbahn S 2/6 war dieser Klang ein sehr kurzes Vergnügen. Diese blieb ein Prototyp. Mittlerweile steht die Lok im ältesten DB Museums Deutschlands.

Die kleine Lisa steht zum ersten Mal in ihrem Leben in einer echten Lokomotive. Sie freut sich und möchte die Lenkfunktion ausprobieren. Als sie nicht an das Steuerrad rankommt, hebt ihre Mutter sie hoch. Allerdings ist die Steuerung zu verkeilt, um sie noch bewegen zu können. Traurig lässt sich Lisa wieder absetzen und betrachtet noch ein paar Sekunden die Dampflok, ehe sie wieder aus dem Waggon steigt.

Die Entstehung

Die von Anton Hammel entworfene Lokomotive S 2/6 sollte ursprünglich als Schnellfahrlok eingesetzt werden. Trotz des Geschwindigkeitsrekords von 150 Kilometer pro Stunde blieb der Prototyp der Lok ein Einzelstück. Allerdings konnte sie jedoch grundlegende Erkenntnisse für die Entwicklung moderner Zugmaschinen liefern.

Vorderansicht der S 2/6 Foto: Vanessa Falkenhain

Nach mehreren Testfahrten und Verbesserungen erreichte die Lok am 02. Juli 1907 auf ihrer letzten Strecke mit vier Schnellzugwagen sogar eine Geschwindigkeit von 154,5 Stundenkilometer. Dies war der Rekord für damalige Dampflokomotiven, der in der Fachwelt weltweit für Aufsehen sorgte. Er wurde erst 29 Jahre später von einer Schnellzuglokomotive überboten. Nur wegen der Stromlinienform konnte die S 2/6 solch eine Geschwindigkeit erreichen. Führerhaus, Zylinderfront, Rauchkammertür sowie Schornstein und Dampfdom, ein aufragender Teil des Dampfkessels, waren so verkleidet, dass der Luftwiderstand möglichst gering blieb.

Wieder steigen ein paar Kinder mit ihren Eltern in die Lok und wieder versuchen sie alle, die Steuerung zu bedienen. Die Erwachsenen blicken in die kurzzeitig enttäuschten kleinen Gesichter. Sie versuchen es selbst erneut, doch auch sie können diese nicht mehr betätigen.

Der Namensursprung

Ihren Namen bekam die Lok aufgrund ihrer Achsenaufteilung. Mit einem überdurchschnittlichen Durchmesser von 2,2 Metern, zwei Antriebsachsen bei insgesamt sechs Achsen das Ihrige dazu. Erst 29 Jahre später überbot die Schnellzuglokomotive 05 002 diese Geschwindigkeit.

Kohleschächte Foto: Vanessa Falkenhain

Die Geschwindigkeit brachte auch einige Nachteile mit sich. Die großen Räder der Lok kamen nur langsam in Schwung und das Drehmoment war zu klein. Die S 2/6 brauchte einfach zu lang, um in die Gänge zu kommen. So erreichte der Schnellzug zwar eine sehr hohe Geschwindigkeit, braucht aber einige Zeit, um diese zu erreichen. Die Bayerischen Eisenbahnen hatten sich von den vorherigen Versuchen der Preußischen Staatsbahn für den Bau der S 2/6 anregen lassen, die zwei Jahre zuvor stattgefunden hatten.

Abgesehen von der kurzen Rekordstrecke München – Augsburg gab es keine weiteren Strecken für Lokomotiven mit einer solchen Geschwindigkeit. Laut Benjamin Stieglmaier, Museumspädagogik & Public Relations, war „die S 2/6 ein Prototyp und wurde deshalb nie produziert.“ Diese lieferte jedoch wichtige Erkenntnisse für die S 3/6, die dann zur erfolgreichen Baureihe wurde.

Immer wieder versuchen Besucher des Museums, mit der Steuerung und den Bremsen der Lok zu experimentieren – vergeblich. Lokführer spielen kann man also nicht mehr mit der S 2/6, allerdings ist sie noch betretbar, um sie von innen zu bestaunen. Im Museum steht die Lok seit ihrer Aufarbeitung im Jahr 1925. Leider kann niemand mehr in den Genuss kommen, die Töne der startenden Dampflok zu hören.

 

Technische Daten

  • Baujahr: 1906
  • Hersteller: Maffei
  • Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
  • Leistung: 1.770 PS
  • Länge: 21,2 m
  • Gewicht: 83,4 t

Informationen zum Museum

DB Museum
Deutsche Bahn Stiftung GmbH
Lessingstraße 6
90443 Nürnberg

Öffnungszeiten: Di – Fr 09:00 – 17:00 Uhr, Sa und So 10:00 – 18:00 Uhr

http://www.dbmuseum.de/museum_de/home/

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