Seit ihrer Gründung hat die UmweltBank bereits rund 23.000 Zukunftsprojekte wie das Martha-Projekt gefördert. Quelle: http://marthacafe.de/?p=1619

UmweltBank fördert Nachhaltigkeit in Nürnberg

„Das hier ist mehr als einfach nur Nachbarschaft.“, erzählt Sandra A., Anwohnerin der Marthastraße und blickt über den asphaltierten Außenbereich des Martha-Cafés.

In der Zusammenarbeit vieler Bewohner der Wohngemeinschaft in der Marthastraße ist dieses kleine Nürnberger Café entstanden. Im Herzen des Martha-Wohnviertels begegnen sich Menschen verschiedenster Nationalität, Religion und Generation, tauschen sich aus und vernetzen sich miteinander. Dies ist nur eines vieler nachhaltiger Projekte, die die UmweltBank mit Hilfe grüner Kredite unterstützt.

Die Bewohner der 62 Mietwohnungen im sogenannten Martha-Viertel nutzen neben Gemeinschaftsräumen vor allem das selbst auf die Beine gestellte Martha-Café zum Zusammenkommen. „Ich bin sehr glücklich in dieser Gemeinschaft und hätte niemals erwartet, dass das hier so etwas wie eine große Familie wird“, erklärt Sandra A.. Die 69-jährige Rentnerin schätzt das besondere Miteinander sehr. Das gesamte Wohnviertel in der Nähe des Business-Towers wurden 2014 fertig gestellt.

Das Martha-Projekt fördert soziale Nachhaltigkeit und auch bei der Errichtung wurde auf nachhaltige Aspekte beim Bauen geachtet. Dies sind mitunter essentielle Kriterien, die die UmweltBank als Voraussetzung und gleichzeitiges Ziel setzt, um Kredite für ein solches Projekt zu gewähren.

Das Vorstandschaftstrio der UmweltBank besteht aus Goran Bašić, Stefan Weber und Vorstandsprecher Jürgen Koppmann (Bild). Quelle: UmweltBank

Das Vorstandschaftstrio der UmweltBank besteht aus Goran Bašić, Stefan Weber und Vorstandsprecher Jürgen Koppmann (Bild). Quelle: UmweltBank

„Wir versprechen dem Anleger, dass wir jeden Euro sicher in einen Kredit für ein Umweltprojekt investieren und informieren unsere Kunden, welche ökologischen Projekte sie mit ihrem Geld fördern“, berichtet Jürgen Koppmann, Mitglied des Vorstands der UmweltBank. „Wir vergeben ausschließlich Kredite an grüne, nachhaltige Projekte, weil die Umwelt unser zentraler Fokus ist. Das haben wir in unserer Umweltgarantie und Satzung ebenfalls verankert.“

Bei der UmweltBank handelt es sich um eine Direktbank, die mit ihren Kundeneinlagen ausschließlich ökologische Kreditprojekte in den Bereichen erneuerbare Energien, Baufinanzierung sowie Umweltschutz finanziert. Dabei orientiert sie sich bei strategischen Entscheidungen an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, kurz SDGs).

Erste grüne Bank Deutschlands

In der Umweltgarantie legt die grüne Bank Kriterien fest, auf Grund derer eine Entscheidung zur Kreditvergabe für Projekte getroffen werden kann oder nicht. Diese Positivkriterien reichen von einer regenerativen, dezentralen Energiegewinnung über Schadstoffverringerung und Recycling hin zum ökologischen Bauen. Im Beispiel Martha-Projekt legte die UmweltBank vor allem auf soziale Nachhaltigkeit, die im Nachgang im das Miteinander-Konzept entstehen konnte, sowie ökologische Baumaßnahmen Wert.

„Große Privatbanken wie die Commerzbank oder ING-DiBa sind auf die breite Masse ausgelegt und scheren sich dementsprechend wenig um ethische oder nachhaltige Aspekte“, weiß Dr. Frank Ebinger, Professor für die Bereiche Nachhaltigkeit, Innovationsmanagement sowie Corporate Social Responsibility an der Technischen Hochschule Nürnberg. „Den Kunden ist in den meisten Fällen eine gute Anlage ihres Geldes in erster Linie wichtig. Und genau das ist das Besondere an Ethikbanken: Die Kunden wollen, dass ihre Bank auf Umwelt, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit bei der Wahl ihrer Kreditvergaben achten.“

Ethische Banken im Allgemeinen achten sehr darauf, in welche Unternehmen und Zukunftsprojekte das Geld ihrer Anleger fließen soll. Klare Ausschlusskriterien sind Gentechnik, Waffen oder Militärgüter, Investitionen in umweltschädliche sowie sozial unverträgliche Projekte wie Kinderarbeit. „Die UmweltBank ist in Sachen Umweltschutz eine Pionierinstitution, die seit über 20 Jahren besteht. Allerdings – und das hat sich bisher auch nicht wirklich geändert – agiert sie auf regionaler Ebene und ist so gesehen keine Konkurrenz für die großen Banken“, erklärt Ebinger weiter.

Von Transparenz und Ehrlichkeit

Seit ihrer Gründung 1994 erhielt die UmweltBank verschiedenste Auszeichnungen für nachhaltiges und umweltbewusstes Handeln wie zuletzt den Neumarkter Lammsbräu Nachhaltigkeitspreis 2018. Zudem ist sie offizieller Träger des Gütesiegels Fair Company und hat 2017 ein Umweltmanagementsystem eingeführt, das nach den Richtlinien des Eco Management and Audit Schemes (EMAS) validiert ist. Die Umweltleistungen der Bank sind somit nach einem anerkannten europäischen Standard geprüft. Sie ist eine von über 1.200 Organisationen in Deutschland, die ihre Umweltleistungen fortlaufend dokumentieren und offen darlegen.

Infokasten. Darstellung: Franziska Hoffmann

“Transparenz und Ehrlichkeit sind unsere Grundprinzipien“, betont Jürgen Koppmann und erzählt weiter: „Transparenter Dialog ist uns sehr wichtig. Deshalb veröffentlichen wir in unseren Geschäftsberichten nicht nur Zahlen, sondern erzählen etwas über unsere Personalpolitik, Kreditvergaben und unsere CO2-Bilanz.“

Trotz aller Offenlegung sämtlicher Zahlen und Daten stand die UmweltBank auch schon in der Kritik, Investitionsmöglichkeiten doch nicht transparent genug für Kunden dargelegt zu haben. Kunden sollen so riskante Anlagen oder mögliche Verluste verschwiegen worden sein. Einige Zeitschriften berichteten beispielsweise, die grüne Bank habe Kunden mit falschen Werbeaussagen riskante Beteiligungen an Windparks angeboten und als sichere Altersvorsorge verkauft.

„Ob die Vorwürfe nun exakt so der Wahrheit entsprechen, kann ich natürlich nicht bewerten. Tatsache ist allerdings, dass bei allen Banken eine eher defensive Kommunikationspolitik zu beobachten ist, laufen Investitionen mal nicht ganz so optimal“, erklärt Experte Ebinger.

Süße Träume im ehemaligen Schoko-Schloss

 

Ein weiteres Projekt, das die UmweltBank nach eingehender Prüfung mit Krediten unterstützt hat, ist das Schoko-Schloss. Ein ehemaliges Fabrikgelände wurde zu Wohneinheiten für 15 Bewohner umgebaut. „Die winkelförmige Struktur bewirkt, dass sich die dazwischen liegenden Freibereiche untereinander verklammern und starke räumliche Bezüge zwischen den Bausteinen hervorrufen“, erklärt Margarete Weidinger, Architektin des Schoko-Schlosses. Eben diese Vernetzung soll – wie auch in der Marthastraße – die soziale Nachhaltigkeit in Nürnberg vorantreiben und unterstützen.

Quelle: Margarete Weidinger

Zudem ist bei der Wiedernutzung des jahrelang brach gelegenen Fabrikgeländes beim Ausbau zum neuen, nachhaltigen Wohngebiet auf nachhaltige Bauweisen geachtet worden. „Es ist schon spannend, wenn man bei den Bauarbeiten über Relikte der Vergangenheit stolpert, zum Beispiel über alte Gussformen von Schokohasen der alten Schokofabrik“, erzählt Margarete Weidinger, die selbst in dem Anwesen wohnt und arbeitet.

 

Zwei Bestandsgebäude einer ehemaligen Schokoladenfabrik in der Schloßäckerstraße wurden umgebaut und um ein neues Holzhaus erweitert. Quelle: Margarete Weidinger

Zwei Bestandsgebäude einer ehemaligen Schokoladenfabrik in der Schloßäckerstraße wurden umgebaut und um ein neues Holzhaus erweitert. Quelle: Margarete Weidinger

„Dieser zielgerichtete Fokus – also fast nur auf Umwelt und Nachhaltigkeit – ist sehr vorbildlich für eine Bank. Allerdings ist dieses Modell nicht auf die breite Bevölkerung anzuwenden“, ist sich Frank Ebinger sicher. „Meiner Meinung nach bleibt die UmweltBank eine regionale Nischenbank. Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, jedoch kein ganz einheitliches Modell für Deutschland. Aber daran können zukünftige Modelle und Banken sich ein Beispiel nehmen und vielleicht weiter darauf aufbauen.“

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