Vollautomatisch, aber…

Ein dunkelblauer Zylinderring mit sieben Meter Durchmesser hängt wie ein Kronleuchter zentral von der Decke der Frankenhalle. Darauf zu sehen sind die fünf Areale: Design, Planning, Engineering, Execution, Services. Und das Motto: „Making Things Right“.

Darunter ein ebenfalls runder Bereich mit blauem Teppich, säuberlich rund angeordneten Stehtischen und einem lang gezogenen Podiumssegment. Glaswände und Demostände verlaufen strahlenartig von dem Zentrum weg, um die fünf Areale in der Halle aufzuteilen. Die Demowände, ausgestattet mit 50-Zoll Bildschirmen, präsentieren zu dem jeweiligen Thema in einer Endlosschleife die ultimative Lösung von „Siemens“.

Siemens Halle-01

Siemens – eine Halle für sich; Foto: Khang Hoang

Das Leitmotiv jeder Messe ist es, ein positives Image der Aussteller zu präsentieren und Neukunden an Land zu ziehen. Dabei greifen die Firmen auf altbewährte Techniken zurück. Jeder Stand findet dabei seinen individuellen Weg, um auf sich aufmerksam zu machen. Als Besucher der SPS/IPC Drives 2014 ist dieses Leitmotiv deutlich zu beobachten.

Der Großteil schwört auf ein gutes Kundengespräch, Know-How und Qualität der Soft- und Hardwarelösungen. Tatsächlich spielen auch die Größe des Messestandes und die Sorte der Werbegeschenke eine tragende Rolle in der Vermarktung der angebotenen Produkte. Wie zum Beispiel die Firma F.EE, die mit ihren auffälligen, roten Schwimmnudeln jeden Messegast als Werbetafel nutzen will. An ihrem Stand überzeugen sie dennoch mit eloquenten Kundengesprächen, ungezwungener Sympathie und detailliertem Fachwissen. Mit lediglich acht Standmitarbeitern vertritt Michael Hellmuth, verantwortlich für den Vertrieb bei F.EE, die Meinung, dass „ein großer Stand nicht wichtig“ sei.

Siemens OR-01

„Retrofit for Integrated Drive Systems“ via Oculus Rift; Foto: Khang Hoang

Siemens“ fällt im Gegensatz dazu durch prunkvolle Messestände ins Auge, legt aber trotzdem viel Wert auf Fachkenntnisse. Ein Blick auf die Ausstellerübersicht verspricht dem Besucher eine komplette Messehalle. Auf den Einzelnen wirkt das Design der Halle modern und von langer Hand geplant, aber eher unpersönlich. Der Teilbereich „Industry Services“ setzt zwei „Oculus Rift“ Virtual Reality Brillen ein. Mit diesen Brillen kann der Messebesucher einen Beitrag zum Thema „Retrofit for Integrated Drive Systems“ anschauen. Das Ganze sei aber „nur Blickfang“, verrät die Hostess Lysann Fengler. Denn damit zieht „Siemens“, der größte Aussteller der SPS/IPC Drives 2014, lediglich seine Kundschaft an. Wiedererkennungswert bei den uniform gekleideten Hostessen und Beratungspersonal. Dazu noch die obligatorischen Snacks und Drinks, vorzugsweise für Bestands- und zukünftige Kunden. Was das Ganze jedoch gekostet hat, verraten die Messemitarbeiter nicht.

Lapp cocktail-01

Automatisierte Cocktailmaschine der „Lapp Group“; Foto: Tina Dereser

Die „Lapp Group“ dominiert Halle 6 mit einer Kombination aus Interaktion und kostenlosem Essen und Trinken für alle. Denn der Großteil der Ausstellungsfläche ist als Publikumsmagnet konzipiert. Am Rand befindet sich ein automatisierter Barkeeper, bei dem es, mit einiger Geduld, kostenlose Cocktails zu holen gibt. Zudem steht wenige Meter daneben ein Automat, an dem Besucher Spielzeugautos verschiedener Marken bei einer Art Kranspiel gewinnen können. Kein Wunder, dass rund um die Uhr Gäste Schlange an den Automaten stehen. Der restliche Bereich ist wie ein gemütliches Café mit Bar aufgebaut, in dem der Kunde mit qualifiziertem Fachpersonal ein Beratungsgespräch führen kann. Hostessen runden das mit einer Auswahl an regionalen Bieren und einer deftigen Brotzeit für jedermann ab. Dies lädt die Besucher dazu ein, etwas länger zu verweilen und durch ihre Anwesenheit weitere potenzielle Kunden anzulocken. Ernst Linck, seines Zeichens Maschinenbauer im Ruhestand, kommentiert den Andrang am Lapp Stand wie folgt: „Prunkvolle Ausstellungen lohnen sich. Die Firmen wollen Geld verdienen, Adressen von Kunden, Kunden werben“. Dabei scheut der Aussteller keine Kosten und Mühen.

Dies sind die allgemeinen Formeln, um bei einer Fachmesse wie der SPS/IPC Drives die Besucher für sich zu gewinnen, das Thema Automatisierungstechnik im wahrsten Sinne schmackhaft machen. Doch das sind nur einige Wege. Andere Stände fischen Besucher mit Glückspielautomaten, Magnetbahnen mit einem Geschicklichkeitsautorennen oder interaktiven Motion-Tracking Spielen. Dabei bedienen sich Aussteller  der Techniken aus der Videospielindustrie, wie zum Beispiel der Wiimote bei Bewegungsspielen oder XBox360-Controllern bei Autorennen.

Xbox Autorennen-01

Geschicklichkeitsspiel mit XBox360-Controllern als Blickfang; Foto: Khang Hoang

Mitarbeiter kleinerer Stände bewerten die Größe des Messestandes als zweitrangig oder gar als „erschreckend“. Volker Fath vom VDE Verlag findet die „Gestaltung nicht wichtig“. Seine Zielgruppe seien sowieso die „traditionellen, deutschen Firmen“. Jedoch ist nicht abzustreiten, dass die Ausstattung und Fläche im direkten Verhältnis zum Prestige der jeweiligen Firma steht.

Eine Messe ist eine gute Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen, doch der eigentliche Zweck ist, laut allen Firmen, Kontakte zu pflegen und Bestandskunden auf den neuesten Stand zu bringen. Am Bratwursthäusla im Innenhof des Messegeländes plaudert Stefan Fink, Produktmanager der Deutschen Elektro Gruppe, über seine Erfahrungen als Kunde, die er über die Jahre auf der SPS gesammelt hat. Er entdeckt auf der Messe immer wieder „pfiffige Ideen“, die aber leider für ihn irrelevant sind. So zeigt sich, dass die Aufmachung gewürdigt wird, aber Qualität, Preis und Service das sind, was am Ende zählt.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.