Vom Kartenspielen und Bierbrauen

Das Neumarkter Brauereimuseum stellt Werkzeuge und Geräte aus, die in vergangenen Zeiten zur Bierherstellung genutzt wurden.

Im Gastraum des Neumarkter Bräustübls herrscht reger Betrieb. Kellnerinnen tragen etliche volle Gläser aus der Küche zu den Gästen und genauso viele leere wieder hinein. An einem Tisch wird auf einen Geburtstag angestoßen und die Gläser klirren beinahe so stark aneinander, dass Bier über den Rand auf den Holztisch tropft. In einer Sitzecke direkt an der Eingangstür spielt eine kleine Gruppe Karten. Ein Mann ruft mit gespielter Verärgerung: „Ja kann das denn sein? Schon wieder so ein scheiß Blatt!“, und schlägt mit der Faust auf die Tischplatte.

Zwischen den ehemaligen Stadtmauern von Neumarkt nur eine Etage unter dem Gastraum liegt das Brauereimuseum. Schon im 12. und 13. Jahrhundert zweckentfremdeten Menschen die Mauern als Wohnräume oder Handwerksbetriebe . Das Museum wurde zwischen 1988 und 1990 errichtet und beherbergt etliche Werkzeuge und Gerätschaften, die in der Vergangenheit zur Bierherstellung genutzt wurden. „Im Prinzip funktioniert die Herstellung heute noch genauso wie damals“, erklärt der Diplom-Braumeister Jürgen Schödel. Heutzutage passieren die meisten Produktionsschritte natürlich voll automatisch und Gärbottiche aus Holz mussten Edelstahl weichen. „Ein Bier vor hundert Jahren würde uns heute nicht mehr schmecken“, sagt der 60-Jährige. Das liegt daran, dass damals jedes Brauerzeugnis einen eigenen Hausgeschmack hatte, der durch Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien entstand. Solche Enzyme sind mittlerweile nicht mehr im Bier zu finden und der Geschmack wird somit nicht gestört.

Bierbrauen als Handwerk

Fassreifendreher zur Fässerherstellung, Foto: Tina Anlauf

Alles, was heute mithilfe von Maschinen automatisch passiert, musste früher aufwendig von Hand gemacht werden. Das beginnt schon bei der Fertigung der Bierfässer. Diese brachten sogenannte Küfer mit Hobeln in Form. Sogenannte Fassdaubenwinkel dienten als Schablone um gleich große Fässer herstellen zu können. Trotzdem unterschied sich jedes Fass ein wenig von dem anderen, was bedeutete, dass die Füllmenge jedes einzelnen mit einem Eichgefäß gemessen werden musste und sich immer um einige Nachkommastellen unterschied. Die exakte Füllmenge brannten die Handwerker dann mit einem Brenneisen in das Holz. Um zu verhindern, dass das Brauerzeugnis den Holzgeschmack der Fässer annimmt, wurden die Innenseiten mit sogenanntem Brauerpech überzogen. Die gelblichbraune Masse ist geruchs- und geschmacksneutral und damit perfekt geeignet, um die Holzfässer abzudichten. Die fertigen Behälter füllten die Brauer dann in einem Fassfüller ab. Dieser erzeugte zunächst einen Gegendruck im Fass um das Schäumen des Bieres zu verhindern und füllte anschließend die Flüssigkeit ein. Die Verschlüsse zum Einfüllen der Maschine wurden aber natürlich per Hand bedient. Die befüllten Holzfässer mussten dann von Menschen mit einem Stoßkarren ausgeliefert werden, da Nutztiere nicht zum Transport von Luxusgütern, wie Bier eines war, benutzt werden durften.

Als die Bierflasche erfunden wurde

Die Kartenspieler im Eck verteilen die zweite Runde Bier. Das charakteristische Ploppen beim Öffnen, gefolgt von kurzem Zischen, verrät, ohne es zu sehen, dass Flaschen mit Bügelverschluss zwischen den Kartenstapeln verteilt auf dem Tisch stehen. Derweil werden die Karten neu gemischt und verteilt und kurz danach geht das Gefluche über schlechte Karten und Betrug wieder von neuem los.

Glasflaschen mit Bügelverschluss, Foto: Tina Anlauf

Als Glasflaschen zur Zeit der industriellen Revolution günstig hergestellt werden konnten, entstanden 1910 bis 1925 die ersten halbautomatischen Flaschenabfüllanlagen. Hier schlichteten Mitarbeiter die Flaschen zwar noch per Hand von einem Arbeitsschritt zum nächsten, doch erleichterte die Anlage die Arbeit bereits. Üblich waren zu der Zeit Bügelverschlüsse, aber vereinzelt wurden auch schon Kronkorken verwendet, die seit 1960 in Massen produziert werden und heute dem Standard entsprechen. Vieles vereinfachte sich in der Geschichte der Bierherstellung bis heute und Handarbeit wurde immer mehr von automatisierten Maschinen übernommen.

Das Museum zeigt mit etlichen Geräten in der Ausstellung die Entwicklung des Bierbrauens über Jahrhunderte auf und lockt damit jährlich etwa 1000 bis 2000 Besucher zwischen die ehemaligen Stadtmauern. Darunter sind neben Touristen und Firmenausflügen auch viele Kunden und Stammgäste des Bräustübls, die die Geschichte und Entwicklung der Bierherstellung in den historischen Kellergängen erkunden. So vielleicht auch der Kartenspieler, der sich bei der dritten Runde Bier immer noch ärgert: „Gewinnst du schon wieder? Du bescheißt doch! Das kann ja gar nicht sein!“

 

Website des Brauereimuseums.

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