Von Bienchen und Blümchen

„Hilfe Biene! Mach‘ sie weg! Mach‘ sie weg!“ schreit Sandra, während sie fluchtartig um sich schlagend das Weite sucht, das mörderische Vieh ständig auf den Fersen. Schwupps, ein Stein, der Fall und Platsch. „Drecksvieh!“ klingt es aus Pool.

Bienchen Idylle vor der Haustür

Angela Pölloth, Hobbyimkerin aus Feucht, öffnet einen ihrer Bienenstöcke und lächelt im Sonnenlicht. „Wie kann man nur was gegen die haben, die sind doch so süß“, sagt sie und stupst dabei die vom Tau leicht beschlagene Folie an, die die Kästen überspannt. Bienen summen im Feuchter Talgrund. Links steht ein kleines Holzhaus, daneben ist eine große blühende Wiese und ein paar Meter weiter fließt ein kleiner Fluss. Es riecht nach Frühling.

Bienenstock im Garten von Angela Pölloth. Foto: Matthias Schulz

„Die Gegebenheiten sind besonders gut hier“, erklärt Pölloth. Die Wiese mit ihren Wildstreuchern, Weiden und Wiesenblumen bietet die Nahrungsgrundlage für die sozialen Insekten. Ganz ohne Schutzkleidung steht sie da, um sie herum surrt es. Wenn Kinder fragen, ob sie Angst habe, lacht sie nur. Beim Entnehmen der Magazin-Beuten, so heißen die einzelnen Wabenkästen, gilt aber Schutz-kleidungspflicht. Zudem führt das Ausräuchern zu einer Stechhemmung der Bienen. Die Imkerin sieht dabei aus wie ein Astronaut, aber nur bis zur Gürtellinie, denn ab dort trägt sie Jeans und Schuhe.

Es war nicht immer so friedlich

Der Blick schweift über die aus Jahr 1700 stammende Fachwerkfassade des Hutzler-Hauses, während Wolfgang Mittwoch, Leiter des Museums, die Tür aufsperrt. Ein Schwall kühler Luft kommt aus der dämmrigen Stube entgegen. Nur einige Lichtstrahlen erhellen die Räume. „Achtung Kopf!“, warnt Mittwoch gebeugt unter dem Türsturz hindurchgehend.

Bienenkörbe aus der Lüneburger Heide. Foto: Matthias Schulz

Nicht immer sei es so leicht gewesen Honig und Wachs zu ernten oder zu zeideln, wie es früher hieß. „Es war ein Knochenjob“, sagt Mittwoch, während er das Licht anschaltet. Um das Jahr 1000 zogen die Zeidler noch den Bienenvölkern im Wald hinterher und stellten Hohlstämme, die Klotzbeuten, zur Züchtung auf. Überall lauerten Gefahren, von Wildtieren über Wilderer bis hin zu den Bienen selbst. Im künstlichen Licht der Lampen zeichnet sich das Innere immer deutlicher ab. Die Räume sind klein. Schmale Treppen führen in die oberen Stockwerke. Mittwoch führt mit glänzenden Augen durch die Ausstellung.

Wolfgang Mittwoch im Studienzimmer mit Bibliothek des Bayerischen Landesverbandes der Imker. Foto: Matthias Schulz

Das Feuchter Zeidelmuseum beherberge nicht nur Exponate aus ganz Deutschland und Europa, sondern auch die Bibliothek des Landesverbandes Bayerischer Imker und führe einen eigenen Lehrbienenstand, erklärt Mittwoch. Sogar in der Satzung des Vereins bilden die Weitergabe und das Erhalten des Zeidler-Erbes eine zentrale Rolle. Sowohl in der Ausweitung und Pflege des Museums, als auch durch Führungen und Vorträge, werden Besucher informiert. Hinzu kommt aber auch ein Auftrag zur Umweltbildung und die Ausbildung von Imkernachwuchs. So stellt es mit der Stadt Feucht ein Zentrum für das Imkertum und dessen Geschichte dar. Es nicht verwunderlich, dass noch heute das Stadtwappen einen Zeidler, klassisch in gelber Hose und grünem Gewand, mit Honigstock und Armbrust in den Händen, zeigt. „Das war aber auch ein Privileg. Der Bedarf war hoch.“ So benötigte allein jede der großen Kirchen Nürnbergs eine Tonne Wachs pro Jahr. Ohne Honig hätte es auch keine Lebkuchen gegeben. Deshalb erhielten die Imker das Waffen- und Erbrecht, die Zollfreiheit und durften sogar Gericht halten. Jedoch waren sie dem Kaiser in Kriegszeiten verpflichtet.

Beim Imker was Neues

„Man muss den Leuten etwas bieten, aber sie auch fordern“, meint Mittwoch. Er steht vor einem Bildschirm und führt durch die Kategorien. „Die sind hier überall angebracht.“ Sie bieten Begleitinformationen, Rätsel und das alles intuitiv. Man muss immer die Balance halten zwischen der Geschichte, dem Jetzt und der Art der Aufbereitung. Ähnlich wie bei den Imkern mit der Erfindung der Honigschleuder verändere sich auch die Museumsarbeit. „Und warum sollte man solch eine tolle Technik nicht nutzen?“, fragt Mittwoch und zeigt ein Video, in dem Künstler mit Honig übergossen werden. Gerade die Bereiche fände er am spannendsten, die Besucher nicht sofort mit Bienen in Verbindung bringen. Dass das System aufgeht, zeigen die stetig hohen Besucherzahlen der letzten drei Jahre. Beim Abschließen des Hauses kommt Mittwoch kaum auf die Straße, ohne erkannt zu werden. Mehrere „Guten Morgen, Herr Mittwoch“, schallen ihm entgegen. Er grüßt zurück und grinst. „Die Menschen haben wieder ein offeneres Ohr für ihre Umwelt!“

 

Website des Ziedl Museums.

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