Von Erlangen nach Lissabon in 0,1 Sekunden

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Für Konferenzen müssen Angestellte internationaler Konzerne oft umständliche und umweltschädliche Flugreisen in Kauf nehmen. Viel einfacher wäre es doch, die Besprechungen von den eigenen Büros aus zu führen. Aber wie soll das funktionieren, wenn diese tausende Kilometer auseinander liegen? Ein…

Für Konferenzen müssen Angestellte internationaler Konzerne oft umständliche und umweltschädliche Flugreisen in Kauf nehmen. Viel einfacher wäre es doch, die Besprechungen von den eigenen Büros aus zu führen. Aber wie soll das funktionieren, wenn diese tausende Kilometer auseinander liegen? Ein Forschungsteam in Erlangen ist Teil eines Projektes, durch das dieses Vorhaben bald Realität werden könnte.

Erlangen – Bei dem Projekt Vconect arbeiten Forscher und Entwickler aus Großbritannien, Portugal, den Niederlanden, Deutschland und Österreich zusammen.

Ziel ist es, Videokonferenzsysteme in den Internetbrowser zu integrieren.

Nikolaus Färber ist promovierter Ingenieur am Fraunhofer Institut in Erlangen und arbeitet für Vconect. Seine Hauptaufgabe ist die Erstellung einer Anwendung, bei der der Fokus auf der digitalen Verarbeitung der Audiodateien liegt. „Es ist in der Tat viel Softwareentwicklung“, erklärt Färber.

Das virtuelle Mikrofon

Da das Forscherteam in Erlangen besonderen Wert auf die Qualität der Audiosignale legt, gibt es am Fraunhofer Institut dafür eigens eingerichtete Soundlabore. „Das virtuelle Mikrofon ist eine Technologie, die von uns im Rahmen des Projektes entwickelt wird“, so Färber. Der Raum wird ringsherum mit 25 Mikrofonen versehen, die eine sprechende Person erfassen. Die aufgenommenen akustischen Signale werden per Software so verarbeitet, dass der Computer anschließend weiß, an welchem Ort sich der Sprecher befindet. Ein virtuelles Mikrofon wird vor ihm platziert. „Das soll sich verhalten wie ein Echtes“, veranschaulicht Färber.

Wo genau diese Technologie eingesetzt werden soll, kann er noch nicht sagen. Zunächst dachte man an den Einsatz im Theater, im Lauf der Zeit hat sich aber herausgestellt, dass die Bühnen dafür zu groß ist.

Keine Zukunftsmusik: Vconect wird schon praktisch erprobt

In Portugal wurde Vconect in ein Netzwerk für Studenten und Schüler integriert. Hier können sie sich zum Lernen verabreden oder sich anderweitig austauschen. Das Interessante an der Anwendung ist, dass sie erkennt, wer in einer Videokonferenz gerade das Wort hat und seinen Bildschirm automatisch als den Größten auf dem Monitor anzeigt. Der Verwender sitzt in einer Art virtuellem Büro mit einem Flur, an den mehrere Räume angrenzen. Ein Raum steht dabei für eine separate Videokonferenz. Der Student kann also über den Flur gehen und in jedem Zimmer nachsehen, was dort besprochen wird. Interessiert es ihn, kann er einfach dazukommen.

Drei Jahre hat das internationale Team insgesamt Zeit, an der Technik zu feilen. Noch bis Ende 2014 läuft das von der europäischen Kommission geförderte Projekt. Die Forschungsergebnisse auf diesem Sektor könnten zum Beispiel Geschäftsreisen überflüssig machen.

 

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