Was Fotografieren besonders macht

Analog oder spiegellos, zwei Trends der Fotografie, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die technischen Unterschiede verändern nicht nur das entstehende Foto, sondern auch die Art und Weise, wie ein Fotograf mit der jeweiligen Kamera umgeht.

Auf dem Negativ in der Dunkelkammer sieht Timm das erste Mal die Fotos, die er in seinem Sahara-Urlaub geschossen hat. Ganz gespannt scannt er die fertig entwickelten Bilder ein, um sie auf dem Computer richtig betrachten zu können. Überrascht blickt er auf das Bild vor sich und entdeckt Kratzspuren. Sandkörner aus der Wüste müssen wohl in den Film geraten sein und haben bei der Entwicklung des Films Kratzer im Negativ hinterlassen.

„Ich dachte mir: Cool, weil das ist eigentlich ein Abdruck von dem Sandkorn“, erzählt Timm Schamberger, Fotojournalist. Analog Fotografieren im Beruf kommt für Schamberger und Matthias Merz, seit zwölf Jahren Fotograf für Events und Messen, nicht in Frage. Heutzutage wird alles digital gebraucht und es muss schnell gehen. Die digitale Spiegelreflexkamera ist die Standardkamera in der professionellen Fotografie auch bei den beiden Fotografen aus Nürnberg. Die Kleinbildkamera mit einem 35mm Objektiv ist das gängigste Modell.

Der relevante Unterschied

Als „Liebhaberei“ bezeichnet Merz die analoge Fotografie. Rein vom Technischen her hatten die etwas neueren analogen Kameras bereits die gleichen Belichtungsautomatiken wie die digitalen. Ebenso war der Autofokus schon vorhanden. Der große Vorteil beim Digitalen ist, dass das gemachte Bild sofort auf dem Display zu sehen und eine direkte, nachträgliche Bildbearbeitung möglich ist.

Display einer Spiegelreflexkamera                 Foto: Vanessa Arendt

Matthias Merz erzählt, er sei aus beruflichen Gründen bei einem Kunden im Metallverarbeitungsbetrieb gewesen. Er lief in der Halle herum und schoss ohne große Überlegung viele Bilder. Danach habe er sie ganz entspannt durchgeschaut und suchte sich die raus, die gut passten.

Das ist das digitale Arbeitsverfahren. Die Herangehensweise ist der relevante Unterschied. Bei einem Film sind maximal 36 Aufnahmen möglich und jeder weitere Film kostet Geld. Das heißt jedes Foto will gut überlegt sein. „Das war das Geile am Film, dass es dieses Wunder in der Dunkelkammer gab. Bis es dann entwickelt war, war man sich nicht sicher, ob alles so funktioniert hat, wie man es sich vorgestellt hat“, sagt Merz. Analog bedeutet bewusstes Fotografieren. Bevor das Bild entstehen kann, müssen die Belichtungseinstellungen und die Auswahl wie auch die Positionierung des Motivs stimmen. Daher ist auch die Art, wie mit einer spiegellosen Kamera fotografiert wird, völlig anders.

Weg vom Spiegel

Merz schaut durch den optischen Sucher, ein Gefühl als würde er durch das eigene Auge schauen. Bei den elektronischen Suchern der spiegellosen Kameras entfernt er sich ein Stück weit von der Realität. Er ist abgelenkt, weil er dauernd sieht, was jede kleine Veränderung im Bild macht. Die Technik wird ihm wortwörtlich die ganze Zeit vors Auge gehalten.

Die Spiegellosen sind eine Weiterentwicklung der Spiegelreflexkameras. Sie sind leichter, handlicher und der Spiegel ist weg. Anstatt im Sucher ein über den Spiegel umgekehrtes analoges Bild zu betrachten, ist im elektronischen Sucher der neuen Kameras gleich ein digitales Abbild zu sehen. Im Sucher bei den spiegellosen Fotoapparaten ist bereits ein elektronisches Display eingebaut. Es ist sofort zu sehen, welche Auswirkungen die momentanen Einstellungen der Belichtungsfaktoren und des Weißabgleiches auf das Bild haben. „Im Prinzip sieht man ein verzerrtes Bild von der Wirklichkeit“, erläutert Matthias Merz. „Ich sehe es nicht als eine große Revolution, wie bei dem Schritt vom Analogen zum Digitalen, sondern als Evolution. Es ist ein Fortschritt, der das Fotografen-Leben aber nicht verändert.“

Der heutige Trend führt wieder zurück zur analogen Fotografie. „Dadurch, dass eben nicht alles kontrolliert werden kann, sind die Bilder selten zu hundert Prozent richtig belichtet oder scharf, aber genau das verleiht ihnen ihren Charakter.“

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