Weltprodukt oder Speziallösung?

Um für die Globalisierung der Märkte gewappnet zu sein entwickeln Maschinenbau-Unternehmen unterschiedliche Produktstrategien. Kann ein Produkt den unterschiedlichen Anforderungen auf dem Weltmarkt standhalten, oder sind bedarfsgerechte Speziallösungen gefragt? Der Maschinenbau-Gipfel 2014 in Berlin bot drei Unternehmen die Gelegenheit, ihre Konzepte…

Um für die Globalisierung der Märkte gewappnet zu sein entwickeln Maschinenbau-Unternehmen unterschiedliche Produktstrategien. Kann ein Produkt den unterschiedlichen Anforderungen auf dem Weltmarkt standhalten, oder sind bedarfsgerechte Speziallösungen gefragt? Der Maschinenbau-Gipfel 2014 in Berlin bot drei Unternehmen die Gelegenheit, ihre Konzepte vorzustellen.

Kai Büntemeyer Kolbus zeigte die Marktherausforderungen für mittelständische Unternehmen mit Weltprodukten, Lucas Wintjes von Bosch Rexroth und Wolfram Weber von der Grob-Gruppe zeigten die Potentiale von Teilmärkten, die durch Speziallösungen erschlossen werden.

Kundennähe – das scheint das Zauberwort für den Markterfolg zu sein, da sind sich die Gesprächsteilnehmer einig. „Jeder steht vor der Herausforderung sich den Änderungen in der Nachfrageentwicklung anzupassen,“ erklärt Kai Büntemeyer von der Firma Kolbus. Kolbus exportiert weltweit Buchbindemaschinen. Mit fünf kleineren Produktionsstätten in Deutschland erreichte das Unternehmen im Jahr 2013 einen Umsatz von 125 Mio. Euro. Mit rund 4000 Kunden sind die Maschinen ein Nischenprodukt. Das mache es leichter eng am Kunden zu bleiben. Doch die Marktentwicklung werde in den nächsten 20 bis 30 Jahren die Nachfragen heraus aus Europa bringen. Für manche werden Lösungen dafür nicht machbar sein, so Büntemeyer.

Bosch Rexroth und Grob verfolgen eine andere Strategie: „Standardprodukte sind oft nicht wettbewerbsfähig,“ behauptet Bosch Rexroth Projektleiter Lucas Wintjes. Man könne den Anforderungen des asiatischen und amerikanischen Marktes in deutschen Produktionsstätten nicht gerecht werde. Sinnvoller sei es da direkt vor Ort zu produzieren. Deutsche Produkte seien zum Beispiel für den chinesischen Markt häufig mit Funktionen ausgestatttet, die dort nicht gefragt seien. Im Umkehrschluss würden in China und Indien produzierte Maschinen auch nicht nach Deutschland exportiert.

Allein aus Kostengesichtspunkten könne man die Werke in anderen Ländern schließen und nur in Deutschland produzieren, sagt Wolfram Weber von Grob. „Es gibt in China kein einziges Werk das so effizient ist, wie die in Europa,“ so Wintjes. Beide beziehen sich dabei ausschließlich auf das High-End-Segment. Wintjes glaubt, dass ein Werk im Ausland nur mit einheimischen Mitarbeitern auf Dauer haltbar ist. Denn nur sie würden das passende Know-How für lokale Produktanforderungen mitbringen. Weber sieht die Zukunft des Maschinenbaus in weitgreifender Spezialisierung: „Die nächste Herausforderung ist es, mit der Konstruktion und möglicherweise auch mit der Forschung und Entwicklung nach China zu expandieren.“

Kai Büntemeyer macht klar, dass das nur für größere Unternehmen ein gangbarer Weg sei: „Wir würden unsere Produktionsstätten nicht teilen können. Es lohnt sich nicht, selbst wenn es günstigere Produkte für den chinesischen Markt gäbe.“ Der Mittelstand müsse daran arbeiten in Deutschland für den großen Markt zu produzieren. Durch die Marktverlagerungen würde der Preisdruck dabei aber immer größer. In einer Umfrage unter den Teilnehmern der Veranstaltung gaben 62 % an, dass sich ihr Unternehmen sowohl auf Welt- als auch Speziallösungen konzentriert. Strategische Änderungen plant die Mehrheit nicht, oder nur in Richtung Spezialprodukte.

Sarah Utz

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