Würzig, wichtig, Walser

Viele Großmetropolen ersticken schon heute am motorisierten Verkehr. Laut ADAC legte jeder Deutsche 2008 durchschnittlich 11,5 km pro Tag zurück. Das sind pro Fahrt nicht mal sechs Kilometer. Deswegen entdecken immer mehr das Fahrrad für sich. Auch für unsportliche Menschen wird mit einem e-Bike das Rad zu einer ernsthaften Alternative zu PKW oder ÖPNV.

Hugo Walser arbeitet seit 1993 bei der Stadt Nürnberg. Der 57-jährige Beamte ist beim Verkehrsplanungsamt für Radwege zuständig. Kein Wunder, da er selbst Allwetterfahrer beim Arbeitsweg ist. „Im Stadtverkehr ist das Rad ideal. Es ist schnell und unkompliziert. (…) Gerade Pedelecs sind eine sinnvolle Ergänzung als Verkehrsmittel. Es ist Flotter und hat nicht mehr den Ruf des Seniorenrads.“

Wie ein Mann beim Stadtbauamt sein Bestes gibt

 

Viele Großmetropolen ersticken schon heute am motorisierten Verkehr. Laut ADAC legte jeder Deutsche 2008 durchschnittlich 11,5 km pro Tag im Auto zurück. Das sind pro Fahrt nicht mal sechs Kilometer. Deswegen entdecken immer mehr das Fahrrad für sich. Auch für unsportliche Menschen wird mit einem e-Bike das Rad zu einer ernsthaften Alternative zu PKW oder ÖPNV.

 

Hugo Walser arbeitet seit 1993 bei der Stadt Nürnberg. Der 57-jährige Beamte ist beim Verkehrsplanungsamt für Radwege zuständig. Kein Wunder, da er selbst Allwetterfahrer beim Arbeitsweg ist. „Im Stadtverkehr ist das Rad ideal. Es ist schnell und unkompliziert. Gerade Pedelecs sind eine sinnvolle Ergänzung als Verkehrsmittel. Es ist flotter und hat nicht mehr den Ruf des Seniorenrads.“ In seinem Büro sprechen wir mit ihm über Radwegsplanung.

Seitenansicht in schwarz weiß von Hugo Walser. Bärtig und eine runde Brille

Hugo Walaser, Foto: Hugo Walser

Lukas Schöpfel: Was sind die Anforderungen bei der Planung eines Radweges?

Hugo Walser: „Es sind etwas andere Anforderungen wie beim normalen Rad wegen des Tempos. Die Straßen müssen etwas breiter sein, die Abbiegungen nicht zu schmal und es muss Ladesäulen geben. Gerade Touristen fahren ja nur Teilstrecken mit dem Leihrad.“

 

Walser holt eilig einen Stadtplan hervor und zeigt einige Sammelpunkte für Leihräder. Früher war die Stadt selbst noch beim Anbieter norisbike dabei. Heute ist die zwar komplett privatisiert, doch es besteht noch eine enge Zusammenarbeit.

 

Schöpfel: Wie sehen Konzepte für das sichere Abstellen von Rädern aus? Kann dabei das Rad gleich aufgeladen werden?

Walser: „Es soll bis 2017 beim Bahnhof ein Parkhaus mit 350 Stellplätzen geben. Für Akkus gibt es eine Art Schließfächer.

Bild eines asphlaltierten Radweges

Einen eigenen Fahrstreifen wünschen sich alle, doch oft fehlt der Platz. , Foto: pixabay.de

Schöpfel: Woher wissen Sie, dass das ausreicht?  Auf welche Daten stützt sich diese Planung?

Walser: „Wir wissen, wo Arbeitsplatzschwerpunkte liegen und auch wann die Leute fahren. Außerdem machen wir jährlich eigene Zählungen an den größeren Straßen und allen Pegnitzbrücken.“

 

Schöpfel: Wie werden diese Daten verarbeitet?

Walser: „Wir haben Projekte wie ‚Nürnberg steigt auf‘ und auch einige Entwicklungskonzepte höherer Stellen. Das zu realisieren, ist unsere Aufgabe. Frage an uns ist: `Wie komme ich durch die Stadt?´ Die Stadt wurde in Zellen eingeteilt. Die Abtrennung von einander erfolgt durch Einfahrtssperren oder Einbahnstraßen. Nur an ausreichend ausgebauten Stellen kann man noch die Zelle wechseln. Das erlaubt uns, den Verkehrsfluss zu regeln. Ganz nebenbei haben wir damit auch die Übersicht, welche Wege vom Winterdienst zuerst geräumt werden müssen.“

 

Schöpfel: Welche besondere Rolle kann dabei dem Fahrrad beigemessen werden?

Walser: „Pedelecs sind ja schneller als normale e-Bikes. Es gibt ja schon heute viele Tempo 30 Zonen. Unfallanalysen bestätigen, dass das Rad dort besonders verträglich im Mischverkehr mit dem Auto ist. Nürnberg ist eben alt und es gibt oft nicht den Platz für eine eigene Radspur, gerade in der Innenstadt.

 

Hugo Walser ist in seinem Element. Immer wieder zeigt der drahtige Beamte mit dem Lockenkopf konkrete Beispiele auf der Stadtkarte.

 

Schöpfel: Was denken Sie persönlich. Wie wird  sich die Verkehrsplanung dem Fahrrad gegenüber entwickeln?

Walser: „Eher positiv. Die Stadt Nürnberg stockt die Mittel immer weiter auf. Die Zahlen steigen tendenziell. Da müssen wir eine vernünftig ausgebaute Infrastruktur bereitstellen. Schön wäre allerdings etwas mehr politischer Mut.“

 

Schöpfel: Meinen Sie damit die Wählerschichten und deren Ansichten? Harald Kipke, Dozent für Verkehrsplanung  an der Technischen Hochschule Nürnberg meinte dazu folgendes: „Die Wähler kommen oft aus den 70ern. Die verbinden das Auto mit Freiheit. Die jungen Leute wollen einfach nur von A nach B kommen. Da werden die Politiker sicher nichts tun, was die Stellung des Autos schwächt.“

Walser: „Ganz so provokant würde ich es nicht formulieren. Recht hat er teilweise schon. Wir als Amt müssen eben den guten Mittelweg finden, dass Autos, öffentlicher Nahverkehr, Räder und Fußgänger ihren eigenen Platz haben.

 

Gegen Ende des Interviews ist das enge Büro mit noch mehr Akten und Karten regelrecht tapeziert.

 

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