Zahntechnik 4.0

„Das ist meine Lieblingsmaschine.“ Der Geschäftsführer von ZrO², Michael Menner, steht grinsend neben einem schwarzen kastenförmigen Apparat. In diesem Apparat entstehen maschinell gefertigte Kronen und andere zahntechnische Erzeugnisse.

In der Zahntechnik ist zurzeit ein gewaltiger Wandel im Gange. Die Industrialisierung und Digitalisierung hält Einzug in ein Handwerk, das bis vor ein paar Jahren noch von Handarbeit geprägt war. Vor sieben Jahren kaufte Michael Menner die erste Fräsmaschine für sein Labor und machte damit den ersten Schritt in Richtung Digitalisierung und Industrialisierung. Mittlerweile sind daraus acht Maschinen geworden.

Viele zahntechnische Erzeugnisse werden mittlerweile per Fräser statt per Hand hergestellt. Foto: Carl Nowak

Handarbeit war gestern oder etwa nicht?

Der Rundgang durch die Firma führt in einen circa drei mal drei Meter großen Raum, der früher nur zur Herstellung des Gipsmodells des Patientengebisses gebraucht wurde. „Heutzutage kann man das ganz einfach 3D-drucken“, meint Menner und deutet auf eine weitere Maschine, die etwas abseits in einer kleinen Kammer steht. Bei dem Gerät handelt es sich um einen hochentwickelten 3D-Drucker, der „den anderen Raum einfach ersetzt“, so Menner. Während früher zuerst ein Abdruck des Gebisses gemacht und ein Gipsmodell erstellt wurde, kann heute mit Intraoralscannern das gesamte Gebiss eines Patienten digital erfasst und per Computersoftware ein passendes Produkt entworfen werden. Die Software ist mittlerweile schon so weit, dass sie selbstständig Designvorschläge erstellen kann. Früher musste eine Krone erst auf dem Gipsmodell per Hand moduliert werden. Dennoch ist die Handarbeit noch nicht völlig überholt. Für manche Aufträge ist eine manuelle Bearbeitung immer noch erforderlich.

Spürbarer Wandel

Einzelne Aufträge erfordern nach wie vor eine manuelle Bearbeitung. Foto: Carl Nowak

Im Laufe des Rundgangs wird das Ausmaß des Wandels klar. Wie in einem typischen Handwerksbetrieb sieht es hier nicht aus. Es dominieren Computer über Werkzeug, moderne Schreib- über Labortische. Lediglich in einem Raum, der extra für die manuelle Bearbeitung vorgesehen ist, werden die Produkte noch per Hand hergestellt. In zwei anderen Räumen arbeitet niemand mehr, außer den Fräsmaschinen. Ist der Zahntechniker also ein Auslaufmodell? Laut Michael Menner nicht, denn das Basiswissen müsse immer noch vorhanden sein, um einen hohen Qualitätsstandard zu garantieren und mit den Kunden vernünftig kommunizieren zu können. Im Zuge des großen Wandels der Branche ist das als „Dentallabor Michael Menner“ gegründete Unternehmen deutlich gewachsen. Mittlerweile zählt das Unternehmen 15 Mitarbeiter, darunter 13 Zahntechniker.

Nicht jeder kann mit der Digitalisierung mithalten

Die Komponente Mensch wird zwar durch die zunehmende Automatisierung nicht überflüssig, aber sie muss sich anpassen. Zum Leidwesen einiger Betriebe spielt die Digitalisierung in der Ausbildung zum Zahntechniker nur eine sehr untergeordnete Rolle. In der dreieinhalbjährigen Ausbildungszeit gibt es lediglich vier Tage Unterricht zur digitalisierten Zahntechnik. Michael Menner sieht die Haltung der verantwortlichen Standesorganisationen zu der Lücke in der Ausbildung kritisch: „Es fehlt einfach die Nähe zu den Betrieben.“ Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, haben deshalb alle Zahntechniker der ZrO²-Group eine Zusatzausbildung zum CAD/CAM-Techniker bekommen.

Für Michael Menner und ZrO² war die Digitalisierung eine willkommene Gelegenheit. Foto: Carl Nowak

Der Wandel in der Zahntechnik verändert auch den Markt enorm. Während bisher viele kleine Betriebe vor allem lokale Zahnarztpraxen belieferten, lässt die Digitalisierung auch einen überregionalen Wettbewerb zu. Digitalscans können einfach per Mail an das gewünschte Labor gesendet und daraus kann das gewünschte Produkt gefertigt werden. Die enorme Geschwindigkeit und die Unvorhersehbarkeit des Wandels bedingen auch eine voranschreitende Verdrängung der Betriebe vom Markt, die sich nicht frühzeitig mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt haben.

Für die ZrO²-Group war der Wandel eine willkommene Gelegenheit. Mittlerweile besteht das Unternehmen aus Weiden in der Oberpfalz aus dem Dentallabor, einem aus acht Maschinen bestehenden Fräszentrum sowie der erst vor drei Jahren gegründeten Werkzeugsparte ZrO²-powertools, die eigene Fräswerkzeuge herstellt und in zwölf Länder vertreibt.

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