Zu Besuch bei Baba Milanka

Loznica liegt in Westserbien am rechten Ufer der Drina, in der Nähe der bosnischen Grenze. Es ist die Heimatstadt der Familie Pavlović. Adrijana Pavlović besucht gerne den Familienteil, der in Serbien geblieben ist. Am liebsten geht sie zu ihrer Oma…

Loznica: Garten und Haus von Baba Milanka.  Foto: Isabell Brenner

Loznica liegt in Westserbien am rechten Ufer der Drina, in der Nähe der bosnischen Grenze. Es ist die Heimatstadt der Familie Pavlović. Adrijana Pavlović besucht gerne den Familienteil, der in Serbien geblieben ist. Am liebsten geht sie zu ihrer Oma Baba Milanka. 

Alleine reist Adrijana selten, sie nimmt ihre zwei besten Freundinnen mit. Kaum vor der Tür angekommen, stürmt Milanka aus dem Haus und begrüßt die Drei mit jeweils einem Wangenkuss. In Serbien ist es üblich, drei Küsschen zur Begrüßung zu verteilen, jedoch werden Familie und der engste Kreis mit einem Kuss empfangen. Nach einem serbischen Mokka mit der Oma und den Gesprächen über den ersehnten Mann für die Enkelin besuchen die Mädchen die einheimischen Freunde in der Stadt. In einem der zahlreichen Cafés breitet sich das Gelächter der Bande aus.

In Loznica herrscht die Kaffee-Mentalität. Es ist normal, den ganzen Tag von Café zu Café zu wandern und mit allen Bekannten zu reden. Es wirkt sehr warmherzig und offen. Ein Milchkaffee in einer ländlicheren Gegend wie Loznica kostet 90 Dinar, umgerechnet 76 Cent.

Es gibt Schockmomente in diesem Land, zum Beispiel abgemagerte Zigeunerkinder zu sehen, die betteln, um Essen kaufen zu können. Außerdem ist die Begegnung mit verwahrlosten Straßenhunden und -katzen, die teilweise auch überfahren auf der Straße liegen, unvermeidbar. In diesen Momenten kommt ein Gefühl von Traurigkeit und Wut auf. Die finanzielle Lage ist aber angespannt und das Einkommen liegt durchschnittlich bei 330€ im Monat.

Ein besonderer Fluss

Vila Nešić: Ein Restaurant direkt am Flussufer, mit Blick auf Bosnien.  Foto: Isabell Brenner

In Gedanken an die Balkankriege und den Bosnienkrieg bekommt der Blick auf die Drina einen bitteren Beigeschmack, denn 1992 wurden viele Ermordete im Fluss entsorgt. Ihr Strom spülte Leichen an Strandabschnitte, wo Familien Sonntagsausflüge machten.

Heutzutage findet auf dem serbisch-bosnischen Grenzfluss die jährliche Regatta statt. Es ist ein riesiges Event in Loznica, bei dem die ganze Stadt dabei ist. Die Männer begeben sich auf den Fluss zum Angeln und zum Trinken, was keiner Sicherheitsvorkehrung in Deutschland entsprechen würde. Die Drina ist für ihre Stromschnellen und Wirbel bekannt und eignet sich ausgezeichnet zum Angeln, doch Adrijanas Onkel hat nie einen Fisch bei der Regatta an Land ziehen können. 

Am Flussufer befinden sich einige Restaurants, die zu einem romantischen Abendessen einladen. In dem Ortsteil Šepak ist das Restaurant Vila Nešić, in dem frisch geangelter Fisch oder typische Nationalgerichte, wie Karađorđeva oder Ćevapčići, serviert werden. In dem Außenbereich des Restaurants ist die Grenzbrücke zu Bosnien, die über die Drina führt, zu sehen. Auf dieser Brücke beginnt die zwölfstündige Heimreise nach Deutschland.

Die Feier des Schutzpatrons

Sveti Jovan (Johannes der Täufer): der Familien-Schutzheilige der Pavlovićs.  Foto: Isabell Brenner

Slava kommt von serbisch „slaviti“ und bedeutet „feiern“. Die Slava ist ein serbisch-orthodoxes Familienfest, das zu Ehren des Familien-Schutzheiligen gefeiert wird. Jedes Jahr am Namenstag des Kirchenheiligen der Familie, bei den Pavlovićs Sveti Jovan (Johannes der Täufer), findet das besondere Fest statt. Dieser Brauch gilt als wichtiger Teil der Kultur, den die Familie in Deutschland praktiziert. Die Slava bringt viel Arbeit mit sich, denn traditionell wird ein Fünf-Gänge-Menü aufgetischt. Am Vortag duftet es im Haus schon nach Kraut, Fleisch und Süßspeisen.

Am Tag der Slava gehen die Pavlovićs in die Kirche und nehmen am Abendmahl teil, bevor der Priester nach Hause kommt, um den Slavski Kolač (ein Gebäck aus Hefeteig) und das Žito (Süßspeise aus Weizen, Nüssen, Zucker und Muskatnuss) zu weihen. Er hält einen kleinen Gottesdienst in Gedenken an den Familienheiligen und zündet die Slava-Kerze an.
„Srećna Slava!“ ruft jeder Gast, der die Wohnung betritt, nimmt einen Löffel Žito und bekreuzigt sich. Anschließend beginnt das gemeinsame Essen.

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