Mehmet Ertem Interkulturelle Kommunikation

Zwischen Europa und Asien

Die Türkei liegt zwischen zwei Welten: Politisch ist Sie an Europa orientiert und geographisch liegt Sie größtenteils in Asien. Mehmet Ertem wurde in der Türkei geboren und lebt nun bereits seit 30 Jahren in Deutschland. Seine Eindrücke über die beiden Länder schildert er im Interview.

Du lebst seit 30 Jahren in Deutschland. Siehst du die Welt durch „die deutsche Brille“ und welche Medien verfolgst du?

Mehmet Ertem: Ja, schon die Deutsche. Ich lebe ja in Europa und lese mehr Deutsche oder Europäische Zeitschriften. Da bekommt man automatisch mehr die europäischen oder deutschen Ansichten, wie zum Beispiel durch den Spiegel oder die Zeit. Natürlich auch die außenpolitischen Ansichten. Manchmal lese ich auch türkische Medien, aber eher selten. Ich achte dann darauf, dass sie neutral sind. Mir fällt auf, dass viele Sender und Medien gerade wegen der Wahlen die AKP, also Erdogans Partei, unterstützen, weil sie auch unterdrückt werden. Es gibt nur noch wenig freie Medien in der Türkei. Durch die Inhalte weiß man auch, welcher Herausgeber für welche politische Seite ist, obwohl sie eigentlich neutral bleiben sollten.

Vergleichst du dann auch deutsche und türkische Medien? Worin siehst du Unterschiede?

Ertem: Das mach ich schon hin und wieder. Vor allem bei Themen, die mich persönlich interessieren. Gerade politische Ansichten sind teilweise ziemlich unterschiedlich. Beispielsweise habe ich mal die Berichterstattung zu verhafteten Journalisten in der Türkei verfolgt. Ich kann mich daran erinnern, dass die türkischen Nachrichten von deutlich weniger Verhaftungen berichtet haben, als die Deutschen. Ich weiß natürlich nicht woher die ihre Informationen und Zahlen bekommen, aber sie haben sich schon unterschieden.

Gibt es für dich etwas, das du an Deutschland kritisierst?

 

Mehmet Ertem Interkulturelle Kommunikation

Mehmet Ertem – Zuhause in Nürnberg Quelle: Mehmet Ertem

Ertem: Manche Dinge schon. Es gibt immer wieder Aussagen von Politikern, in den 80er Jahren und auch jetzt noch, die uns als nicht dazugehörig ansehen. Es ist aber auch gespalten: Die Linken sind ja für Einwanderung, aber die Christlichen wollen eher ihre eigenen kulturelle Werte schützen. Meiner Meinung nach bräuchte es da gar keinen Schutz, da wir ihre Kultur ja gar nicht verändern. Wenn sich eine Veränderung ergeben hätte, hätte sich das in den letzten 30 Jahren auch spürbar gemacht. Als Industrieland ist man aber auch automatisch Integrationsland und sollte offen dafür sein.

 

Wie siehst du die politische Lage in der Türkei, gerade in Bezug auf die Wahlen? Wie stehst du selbst dazu?

Ertem: Die Wahlen werden ganz wichtig sein für die Zukunft der Türkei. Ist ja schon seit Gründung der modernen Türkei so, dass die Orientierung in Richtung Europa oder Asien geht. Wenn die AKP die Wahlen gewinnt, wird sich die Türkei noch mehr nach Asien orientieren und gerade die Pressefreiheit wird unter einer weiteren Periode Erdogan leiden. Ich hoffe, dass die Opposition die Wahlen für sich entscheiden kann, sich dadurch die Lage in der Türkei wieder entspannt und man sich wieder wirtschaftlich an Europa orientiert. Ich selber habe auch für die Opposition gestimmt.

Kochst du selbst öfter typisch türkisches Essen?

Ertem: Andauernd eigentlich. Daheim kochen wir selten deutsches Essen. Beispielsweise kochen wir gerne gefüllte Paprika, viel mit Fleisch und natürlich gerne süße Nachspeisen wie Baklava. Ganz gerne esse ist natürlich noch Döner. Was mir aufgefallen ist, dass inzwischen viele Deutsche auch Fladenbrot und andere türkische Spezialitäten gerne kaufen.

Noch zum Abschluss: Was sind die wichtigsten Werte für dich im Leben?

Ertem: Ganz klar Familie und Ehrlichkeit. Gerade mit meiner Familie habe ich in den letzten Jahren immer mehr unternommen.

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