Zwischen Gold und Eiern

Die Rückseite des Museums wirkt unscheinbar. Ein ehemaliges, komplett weißes Kasernengebäude erinnert stark an ein Wohnhaus aus den Zwanziger Jahren. Die Front hingegen hat einen modernen Anbau mit einer Glasfront, einem Café und einem barrierefreien Eingang.

Die historische Dampfmaschine, eines der Ausstellungsobjekte, ist kaum zu übersehen. Der Leiter des Schwabacher Stadtmuseums ist der 39-jährige Tobias Schmid, der die Position vor zwei Jahren eingenommen hat. „Das Besondere, was wir hier sicherlich haben, ist die Geschichte mit den Goldschlägern“, erzählt Schmid. Schwabach ist eines der Zentren in Europa, in denen noch Blattgold hergestellt wird, und ein Großteil der Bewohner hat in der Gold- und Metallschlägerei gearbeitet.

Historische Dampfmaschine im Eingangsbereich. Foto: David Nawzad

Es werden Liveshows von echten Goldschlägermeistern angeboten, die sehr beliebt bei den Besuchern sind. „Das ist ein riesiger Zuschauermagnet“, sagt Schmid. Handwerkswissen werde so erhalten: „Es wird heutzutage kein Gold mehr mit der Hand geschlagen. Deswegen sind wir die Konservendosen der alten Handwerkstechnik.“ Durch die Meister, die im Museum noch tätig sind, können Informationen abgeschöpft und in den Vorführungen sowie in den Museumstexten an den Besucher weitergegeben werden. Die Ausstellung vermittelt dem Besucher den historischen Hintergrund von Schwabach als metallverarbeitendem Industriestandort. Der Gast gewinnt Einblicke in die Produktion von Nadeln, Schrauben, Nägeln und Federn. „In nahezu jedem Kraftfahrtzeug, das Sie kaufen, steckt eine Schwabacher Schraube oder Feder drinnen.“

Mehr als nur Eier

Die Eiersammlung im ersten Stock vermittelt die Geschichte des Natur- und Vogelschutzes Deutschlands. Das Museum zeigt hier, dass der Naturschutz seine Anfänge in Schwabach hat. Die Sammlung verschiedener Gelege und Versteinerungen sämtlicher Vogelarten bietet Interessierten, das Ei in seiner kultischen und geschmückten Bedeutung zu erleben. „Wobei wir nicht nur das klassische Osterei haben“, sagt Schmid. Das Ei steht für Leben, Sexualität, Neuanfänge und auch oft für Glück in asiatischen Kulturen. Das Museum zeigt, dass Eier nicht nur in Deutschland zu Ostern interessant sind, sondern auf der ganzen Welt eine große Bedeutung haben.

Gründung und Wandel 

Leiter Tobias Schmid. Foto: David Nawzad

Das 1957 gegründete Museum befand sich bis zu den Achtziger Jahren in der Altstadt. Nach dem Abzug der amerikanischen Armee und wegen des zunehmenden Alters des Gebäudes zog das Stadtmuseum Anfang der Neunziger Jahre auf das Gelände der ehemaligen O’Brien-Kaserne. „Die bauliche Situation war für ein Museum nicht mehr tragbar“, so Schmid. Seit den späten Neunziger Jahren findet auf dem heutigen Gelände der Ausstellungsbetrieb des Stadtmuseums statt. Aktuell arbeiten sieben Angestellte dort. Der 2010 fertiggestellte Anbau bietet Platz für Sonderausstellungen.

Seifenfabrik Ribot. Foto: David Nawzad

Relikte des 20. Jahrhunderts

Die Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts ist Thema auf der zweiten Etage. Der Besucher sieht hier Relikte aus der Zeit von 1914 bis 1980. Das Museum arbeitet vor allem die Nachkriegszeit Schwabachs als amerikanisch besetzter Kleinstadt auf. Die dritte Etage befasst sich mit der großen Fleischmann-Sammlung, die den Besuchern ein Stück fränkische Spielzeuggeschichte zeigt. „Da kann man sich nach der Stadtgeschichte etwas erholen und lernt eine sehr spielerische Ebene kennen“, erklärt Schmid.

 

Website des Schwabacher Stadtmuseums.

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