Optische Täuschungen im Alltag – Wie Ihr Gehirn Sie um den Verstand bringt

Immer wieder spielt uns unser eigener Verstand kleine visuelle Streiche, auch im Alltag. Das ist kein neues Phänomen: Optische Täuschungen, Illusionen und visuelle Trickserien faszinieren Menschen – besonders die jüngeren unter uns immer wieder.

Auf unser Gehirn und unsere Augen allein ist oftmals kein Verlass. Immer wieder spielt uns unser eigener Verstand kleine visuelle Streiche, auch im Alltag. Das ist kein neues Phänomen: Optische Täuschungen, Illusionen und visuelle Tricksereien faszinieren Menschen – besonders die jüngeren unter uns immer wieder.

Es ist wieder mal so weit: Eine optische Täuschung geistert durch die unendlichen Weiten des Internets und lässt unzählige Menschen erstaunen. Es handelt sich um ein schwarz-weißes Bild, worauf einige asiatische Kinder zu sehen sind. Über das Bild wurde ein feines farbiges Gitternetz aufgezogen. Der Effekt: Obwohl das Bild an sich keine Farbtöne enthält, gaukelt uns das Gitternetz vor, das gesamte Bild sei farbig.

Trugbild und Täuschung

Betrachten einer Optischen Täuschung. Foto: Daniel Eli

Erst bei genauerem anschauen fällt der Gag auf. Dieses Trugbild ist nur das neueste Beispiel unzähliger spannender Variationen von Täuschungen, die immer mal wieder im Internet viral gehen. Auch die zwölfjährige Evelin fällt kurze Zeit später auf den Trick rein. „Wow, wie kann sowas sein?“, will sie prompt wissen. Schon wurde in ihr der Hunger auf mehr Optische Täuschungen und deren Erklärungen geweckt. „Kennst du noch mehr solche Beispiele?“ frägt sie mich.

Sicherlich wird sich der eine oder andere noch an das Internetphänomen aus dem Jahr 2015 erinnern: Ist das Kleid blau-schwarz oder gold-weiß? Innerhalb kürzester Zeit wurde diese optische Täuschung auf Twitter millionenfach geklickt und dadurch weltberühmt. Nur die wenigsten kennen die Erklärung dafür, dass manche Menschen das Kleid als blau-schwarz und wiederum andere das Kleid als gold-weiß visualisieren. Wieder ist die junge Evelin erstaunt und traut ihren Augen nicht, nachdem ich den Hintergrund der Täuschung auflöse und sage, das Kleid sei in Wirklichkeit gold-blau. Ich gebe Ihr einen Tipp: Wie schon bei der ersten Täuschung geht es auch hier um die Relativität von Farben im Zusammenspiel mit Gehirn und Auge.

Lichtbedingungen sind entscheidend

Bei dieser Optischen Täuschung handelt es sich um ein sogenanntes Kippbild. Dieses kann von unserem Gehirn auf zwei verschiedene Arten interpretiert werden. Bruna Nevis, Social-Media-Marketingmanagerin des Museums der Illusionen in Hamburg gibt eine Erklärung: „Ausschlaggebend bei dieser optischen Täuschung ist der Fakt, dass es sich um ein Bild mit eher unschlüssigen Lichtbedingungen handelt. Die Wahrnehmung von Helligkeitsunterschieden ist bei jedem Menschen verschieden. Ein Farbton, der bei schlechten Lichtbedingungen als hell wahrgenommen wird, erscheint bei Sonnenlicht als dunkel.“ Dasselbe gilt auch andersherum. Je nachdem ob das Gehirn einer Person das Kleid als im Schatten oder im Licht des Bildes interpretiert, verändert es dementsprechend die Farbe.

Geleitet von Neugier startet die Zwölfjährige ein kleines Selbstexperiment. Sie befragte nach und nach ihre siebenköpfige Familie zu der Farbe des Kleides. Das Ergebnis: Für vier Leute ist das Kleid schwarz-blau, für die anderen drei ist es gold-weiß.

Farben senden Signale

Die Farbe Rot sticht auf dem Bild mit grünem Hintergrund heraus - Die Erklärung liegt in der Evolutionstheorie

Die Farbe Rot sticht auf dem Bild mit grünem Hintergrund heraus – die Erklärung liegt in der Evolutionstheorie. Foto: Daniel Eli

Dass Farben keineswegs statisch, sondern viel mehr von Person zu Person und auch von Situation zu Situation unterschiedlich sind, hat aber auch einen biologisch-evolutionär bedingten Hintergrund. Sich hier und da vom Gehirn und den Augen täuschen zu lassen, hat nämlich auch seine Vorteile. Aus evolutionärer Sicht macht es zum Beispiel Sinn, dass Farben wie Rot auf einem Hintergrund eher herausstechen als zum Beispiel Grün. Rote Farbe zieht viel mehr Aufmerksamkeit auf sich als grüne. Grün wirkt ruhig, Rot dagegen aufregend. Damals, als die Menschen noch Jäger und Sammler waren, symbolisierte die Farbe Rot den Menschen: Diese Frucht ist reif und kann gegessen werden.

Das Farbensehen entwickelte sich in Anpassung an eine wechselnde, von Tages- und Jahreszeit abhängende Farbqualität der Beleuchtung. Morgens und abends gelangt auf die Erde eher langwelliges, rotes Licht, mittags eher kurzwelliges, blaues. Daher besitzen wir ein angeborenes System zum Erhalt der Farbkonstanz, so dass die Farbe eines Objekts trotz unterschiedlicher Beleuchtung als nahezu unverändert wahrgenommen werden kann. Ohne dieses System würde eine rote Erdbeere morgens eher weiß und mittags eher schwarz aussehen. Nimmt man eine Digitalkamera zur Hand, lassen sich solche Effekte bei Veränderung des Weißabgleichs beobachten.

Als großer Bruder nutze ich diese Gelegenheit, um meiner Schwester einen Lebens-Tipp auf den Weg zu geben: „Es ist eben oft nicht alles so wie es auf den ersten Blick scheint – und das ist manchmal auch gut so.“

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