Zwei Dutzend Oldtimer und ein Besitzer

In Deutschland werden Oldtimer immer beliebter. Aktuell sind um die 343.000 Fahrzeuge mit H-Kennzeichen zugelassen, insgesamt gibt es 526.000 Oldtimer im Land. Über 20 davon gehören dem Hobbysammler Armin N. aus einem Dorf im Landkreis Neustadt Aisch.

Obwohl es gerade einmal zwei Grad Celsius in der Halle hat, legt sich Armin N. am 12. Dezember unter einen seiner heißgeliebten Edsel. Mit einem Rollbrett schiebt er sich unter das Auto und fängt an zu tüfteln. Der Motor möchte einfach nicht anspringen. Diesem Problem gilt es auf den Grund zu gehen. Nach einiger Zeit kommt der 69-Jährige wieder hervor, setzt sich hinter das Steuer und dreht den Schlüssel herum, bis der Edsel zu stottern beginnt. Sekundenlang dröhnt es durch die Halle, bis es plötzlich einen ohrenbetäubenden Knall gibt:  Fehlzündung. Es riecht verbrannt. Das Problem ist immer noch nicht gelöst.

Das etwas andere Hobby

Nicht nur PKWs. Auch dieses amerikanische Feuerwehrauto, Baujahr 1969, kann er sein Eigen nennen. Foto: Armin N.

Armin besitzt zwischen 20 und 25 sogenannte Oldtimer, hauptsächlich amerikanischer Bauart. „Die genaue Zahl möchten wir gar nicht wissen, das ist sonst fast schon peinlich“, sagt seine Frau Susanne. Tatsächlich zählt als Oldtimer laut Fahrzeugzulassungsverordnung jedes Auto, das vor mindestens 30 Jahren erstmals zugelassen wurde, sich noch weitestgehend im Originalzustand befindet und außerdem noch gut erhalten ist. Erst dann kann es eines der, unter Oldtimer-Freunden begehrten, H-Kennzeichen bekommen.

Solche Freunde finden sich (vor Corona) auch in Nürnberg und Umgebung oft zusammen. Ob auf der „Norisring Classic Rallye“ vom Motorsport Club Nürnberg, der Automesse „Retro Classics Bavaria“, beim „Ofenwerk“ oder auf der „Pool-Party“ des Saturday-Night-Cruise Nürnberg, bei dem Armin N. und seine Familie als Mitorganisatoren agieren. Letzteres hatte 2019 um die 5.000 Besucher mit circa 500 ausgestellten Autos. Besonders auf US-Car-Treffen kleiden sich viele Frauen und Männer passend zu ihren Oldtimern und dekorieren diese. „In dieser Szene gibt es auch viel Zusammenhalt, man ist aber zu nichts verpflichtet, vor allem nicht beim SNC“, sagt er.

Die heiligen Hallen

Die gemietete Halle ein Dorf weiter quillt schon fast über. Aber auch in der heimischen Halle wird gelagert. Foto: Susanne H.

Aktuell finden solche Treffen nicht statt, weshalb Armins Autos wohlbehütet in zwei großen Hallen parken. „Die Fahrzeuge brauchen sehr viel Platz, eine deutsche Normgarage reicht da nicht“, sagt er. In der direkt am Wohnhaus angrenzenden Halle werden sie restauriert. Werkzeug liegt kreuz und quer verteilt, es riecht nach Benzin. Bei genauerem Hinsehen kann sogar mal ein Fahrrad oder Motorrad entdeckt werden. Hier sind auch nur ein paar Autos untergebracht, manche abgedeckt und glänzend, andere frei, rostig und teilweise ohne Dach oder Unterboden. „Das macht die Autos so schön, sie haben Charakter und man sieht ihnen ihr Leben an“, sagt der 69-Jährige. „Eines meiner Autos stand sogar jahrelang im Wald, bis ein Baum durchgewachsen ist.“ In der circa 400 Quadratmeter großen Halle, ein Dorf weiter, befinden sich aktuell die meisten Fahrzeuge. Hübsch nebeneinander angeordnet und größtenteils funktionstüchtig.

Die 62-er Corvette ist seit nunmehr 34 Jahren im Familienbesitz. Foto: Susanne H.

Die Fahrzeuge bekommt Armin N. meist von Bekannten aus Amerika oder Kanada angeboten, hier hat er sich seit seinen Zwanzigern ein breites Netzwerk aufgebaut. „Damals galten amerikanische Autos noch als ‚Ludenautos‘, also Zuhälterautos. Gefahren bin ich sie trotzdem gern“, sagt er. Die Autos werden auch nur an Personen verkauft, die selbst potenzielle Liebhaber des Autos werden können. „Man sieht den Leuten an, wenn es einfach passt und dies ihr Auto ist, selbst wenn der Preis stimmt, verkaufe ich nicht an Leute, bei denen es nicht ‚Klick‘ macht“, sagt Armin. Alle Autos stehen jedoch nicht zum Verkauf, schließlich bestreitet er damit nicht seinen Lebensunterhalt. Auch als Rentenersatz sollen sie nicht fungieren, obwohl dies durchaus möglich wäre. Eine 62er Corvette hat die Familie 1986 für 25.000 DM (etwa 12.700 Euro) gekauft, heute ist das Auto 70.000 Euro wert.

Der Umweltaspekt

Doch so hübsch Autos auch sein können, macht der Verkehr rund ein Fünftel des gesamten Treibhausgas-Ausstoßes in Deutschland aus. Dadurch gibt es auch ein erhöhtes Risiko für Lungenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma und Allergien. „Deshalb sollte man Oldtimer aber nicht als Drecksschleudern bezeichnen“, sagt Armin N.. „Die Autos werden nur extrem selten gefahren, im Winter sogar nie.“ Dafür fliege er nicht. Außerdem hätten die Autos schon viele Neuwagen überlebt. „Und was ist an einem 2,5-Tonnen-Hybrid-SUV schon umweltschonender?“ Tatsächlich machen Oldtimer laut TÜV-Nord nur ein Prozent der Emissionen aller Fahrzeuge aus. Zudem entstehen laut der Bundesanstalt für Straßenwesen rund 15 bis 20 Prozent des Kohlenstoffdioxids, das ein Auto während seines Lebens in die Umwelt entlässt, allein bei der Produktion. Das längere Fahren lohnt sich also, mit H-Kennzeichen dürfen außerdem sogar Umweltzonen befahren werden. Schlussendlich bedeutet für Oldtimer-Liebhaber das Schrauben an Autos Ruhe vor dem Alltag. „Es entspannt, man sieht was man getan hat und vor allem macht das Fahren Spaß“, sagt Armin N., während er wieder unter dem Edsel liegt. „Schließlich ist beim Oldtimerfahren der Weg das Ziel, man fährt nicht über die Autobahn, sondern über schöne Landstraßen.“

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