Mit Highspeed über den Globus

Das Internet ist auf viele Arten bekannt. Doch nicht immer ganz schlüssig. Netzbetreiber kündigen seit Jahren noch schnelleres Internet an. Doch wie beeinflusst die Autobahn der Daten unseren Alltag wirklich?

Mit der Decke über den Bildschirm sitz der junge Stefan Schmidt an seinem Computer. Gebannt starrt er den Ladebalken an. Jede steigende Prozentzahl fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Immer wenn er ein Geräusch hört, schaltet er den Bildschirm aus und lauscht. Seine Eltern dürfen nicht bemerken, dass er noch wach ist. „Etwas zu downloaden war nur in der Nacht möglich“, erinnert sich der Technikinteressierte. Tagsüber war das Risiko eines eingehenden Anrufes schlicht zu hoch. Nicht selten wurde der Download durch einen eingehenden Anruf abgebrochen. Ursache hierfür war die Struktur der damaligen Breitbandübertragungstechnologie „Asymmetric Digital Subscriber Line“ (ADSL), die zwischen 1991 und 1995 entwickelt wurde.

Internet aus der Telefonleitung

Der Begriff Breitband beschreibt heute, eine hohe Anzahl an Verbindungsmöglichkeiten. Ursprünglich diente er als Bezeichnung für die nutzbare Breite der Signale pro Sekunde in einem Spektrum. Die Downloadgeschwindigkeit betrug zwischen 11 und 25 Megabit pro Sekunde (Mb/s). „Der Vorteil war die Nutzung der bestehenden Telefonleitung“, erklärt Softwareinformatiker Schmidt. Zum Nachteil wurde jedoch die asymmetrischen Übertragungsform. Durch die Nutzung verschiedener Frequenzbereiche wurden Telefon sowie die Übertragungsrate zum Hoch- und Herunterladen der Signale unterteilt. Vergleichbar ist die Übertragungsbrandbreite mit den Spuren einer Autobahn. Durch die steigende Nutzung wurden die einzelnen Spuren beim Hoch- oder Runterladen überstrapaziert. Es kam zum Datenstau.

„Dieser eine Moment, wenn der Ladebalken auf dem Bildschirm fast die 100 Prozent erreicht und er plötzlich pausiert. Der Computer berechnet die heruntergeladenen Dateien in Pakete. Wenn nun ein Teil des Pakets im Stau stecken bleibt, zählt die Anzeige erst weiter, wenn die restlichen Daten des Pakets den Stau überwunden haben“, beschreibt Schmidt. Als Teenager war es in seinem Freundeskreis nicht unüblich, absichtlich Datenstaus am Computer eines Freundes auszulösen, erinnert sich der Softwarespezialist mit einem Schmunzeln.

„Die Datenautobahn wurde ausgebaut.“

DSL-Modem, Router, Netzwerkverteiler. Verschiedene Geräte mit ähnlicher Funktion. Foto: Kalis, Christian

Auch als junger Erwachsener bleibt Stefan Schmidt  seiner Begeisterung für Technik treu. Seit seiner Ausbildung zum Fachinformatiker ist das Internet sein meistgenutztes Werkzeug. Sorgen um Datenstaus musste er sich dank der Weiterentwicklung nur noch wenige machen. „Very high-speed Digital Subscriber Line“ (VDSL) wurde nicht mehr asymmetrisch, sondern symmetrisch und parallel über mehrere Leitungen übertragen. Eine Downloadraten mit bis zu 50 Mbit/s war erreichbar. „Die Datenautobahn wurde ausgebaut. Jetzt können die zu herunterladenden Dateien mehrere Spuren belegen. Das nutzbare Spektrum kann zwischen benötigten Hoch- und Runterladegeschwindigkeiten variieren“, beschreibt der 37-jährige Informatiker.

In Deutschland sind beide Begriffe, VDSL und ADSL nicht sehr geläufig. Die Netzbetreiber verwenden aus Marketingzwecken die bekannte Abkürzung DSL. Das DSL-Modem wird umgangssprachlich als Router bezeichnet. Auch Schmidt hatte anfangs seine Schwierigkeiten in der Ausbildung. „Ich hatte die schlechte Angewohnheit, einem Netzwerkverteiler, für mehrere Lan-Kabelverbindungen, als Router zu bezeichnen. Es ist für viele verständlich, doch im Firmenbetrieb ist es sehr wichtig die genauen Bezeichnungen zu kennen.“

Glasfaser bis ins Wohnzimmer

Der Bildschirm fragt nach einer Passwortbestätigung. Stefan Schmidt dreht sich von seinem Laptop weg. Der Musik einer digitalen Live-Übertragung lauschend bestätigt er die Freigabe. Eine große Anzahl an Daten, vergleichbar mit der Speicherkapazität eines Smartphones werden heruntergeladen. Ein kurzer Blick auf die Uhr. Noch zehn Minuten bis zur Besprechung. Als seine Kopfhörer vibrieren, pausiert er die Musik, trinkt eine Schluck Wasser und tritt der Videokonferenz bei. Der Ladebalken pausiert für eine Moment. Dann war die Live-Verbindung hergestellt. „Kein Vergleich zu früher“, sagt Schmidt, „Home-Office und Online-Unterricht wären damals undenkbar gewesen“. Für den jungen Stefan Schmidt war es ein Highlight, wenn er sich ein Videospiel ohne Störungen, herunterladen konnte.

Ein Multifunktionsgehäuse (MFG) am Straßenrand. Foto: Kalis, Christian

Heute rauschen Unmengen von Daten sekündlich über die digitale Autobahn. Online Live-Unterhaltung ist eine moderne Nebenbeschäftigung. Durch den steigenden Anspruch an Bild- wie Tonqualität stiegen auch die Mengen an zu transportierenden Daten. Um dieser Datenflut Herr zu werden, erfolgt der Ausbau der Glaserfaservernetzungen schrittweise. Ab dem Multifunktionsgehäuse (MFG), das dem Menschen nur als grauer schmaler Kasten am Straßenrand auffällt, schaltet sich die neue Technik ein. Das Sogenannte „Fibre to the Curb“ (FTTC) oder zu Deutsch „Glasfaser bis zum Bordstein“ bietet eine Verbindung zwischen 20 und 200 Mbit/s. Die hundertprozentige Verglasung des Breitbandanschlusses, auch „Fibre to the Desk „(FTTD) genannt, ist noch überall auf der Welt Zukunftsmusik. Mit diesem neuen Internetanschluss sind zwischen 100 bis 1000 Mbit/s möglich.

 

Den technischen Fortschritt konnte der Fachinformatiker für eine Datenmenge von 25 Gigabyte mit seiner eigenen Internetverbindung vergleichen. „2010 dauerte es 21 Minuten, mittlerweile benötigt eine moderne Leitung mit 100 Mbit/s nicht mal sieben Minuten. Mein junges Ich wäre begeistert.“

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