Pelz: Früher ein Zeichen des Wohlstands – heute verpönt

Nerz, Füchse, Lamm: Der Ruf als „grausame Tiermörder“ ist der Grund für das Aussterben des Kürschnerberufs. Das Handwerk droht zu verschwinden.

 

Über dem Pelzladen von Eva Reissner-Roth befindet sich ihre Werkstatt. Es sieht aus wie in einem kleinen Atelier. An der Wand hängen Bilder aus Fur-Fashion Magazinen. Sie zeigen Damen, die mit imposanten Pelzroben über den Laufsteg stolzieren. Überall stehen Kleiderständer mit schweren, eleganten Mänteln herum. Auch verschiedenste Vorlagen für Schnittmuster hängen an einer der Stangen. Hier entwirft die Kürschnermeisterin Neues oder ändert Kleidungsstücke per Hand.

„Wir haben das schönste Handwerk“, erklärt sie voller Enthusiasmus. „Wir nehmen das, was aus der Natur als Abfallprodukt kommt und machen daraus etwas Neues und Schönes.“

 

Der Pelz und seine zahlreichen Kritiker

Das sieht nicht jeder so wie Reissner-Roth. „Wer Pelz trägt, trägt den Tod“, schreibt eine Nutzerin in einer Online-Rezension über den Laden der Kürschnerin. Solche Aussagen bekommt sie oft zu hören. Früher stand Pelz für Wohlstand und Ansehen. Im Mittelalter war es einige Zeit sogar so besonders, dass nur der Adel sich öffentlich mit Fell schmücken durfte. Das sieht man auch an einigen von Albrecht Dürers Selbstporträts. Heute ist das anders: Pelz zu tragen ist oftmals verpönt.

Dabei ist es „die natürlichste Art, sich warm zu halten“, sagt die Ladenbesitzerin. Die angestellte Fellnäherin Erika Baer erklärt: „Hätten die ersten Menschen in Europa nicht das Fell der Tiere, die sie gegessen haben, zum Wärmen genutzt, wären sie erfroren. Und die Menschheit in der Form würde heute gar nicht erst existieren.“

Der entworfene Swakara-Mantel in der Werkstatt der Kürschnerin. Foto: Elena Pruchniewski

Mittlerweile hingegen gibt es genug andere Stoffe, die den Menschen warmhalten, aber die meisten davon verbrauchen Ressourcen und sind dazu nicht nachhaltig. Jedoch ist die Textilindustrie zu groß, um dagegen anzukommen. „Die Welt ist zu schnelllebig geworden, das spiegelt sich auch in der Wegwerfgesellschaft bei den Klamotten wider. Und das ist es, was unser Handwerk kaputt gemacht hat“, sagt die Kürschnerin mit Nachdruck. Pelzmäntel hingegen halten mindestens 20 bis 30 Jahre. „Oft bekomme ich Mäntel zum Ändern, die junge Frauen von ihren Omas geerbt haben. Der Mantel wird dann komplett in die einzelnen Fellstreifen zerlegt. Diese setze ich dann in einem neuen Schnitt, den Kundenwünschen angepasst, wieder zusammen. Und genau das ist das Nachhaltige an unserem Handwerk. Das wird leider oft vergessen.“

Auch viele Tierschutzorganisationen, unter anderem PETA, wettern gegen die Pelzindustrie. Dabei erklärt Reissner-Roth auch, dass das oberste ihrer Gebote ist, nur Materialien „bester Qualität aus artgerechter Haltung“ zu verarbeiten, von Tieren, deren Population von Jägern kontrolliert wird. Im Bayerischen Wald beispielsweise erlegen Jäger Rotfüchse. Die Fellindustrie verarbeitet aber nur zehn Prozent dieser Tiere und der Rest wird verscharrt. „Der Bedarf hier ist einfach nicht groß.“

Qualität hat ihren Preis

Unverarbeitete Felle verschiedener Füchse  Foto: Elena Pruchniewski

Die erfahrene Kürschnerin weiß auch stets, wo ihre Ware herkommt. Der Großteil stammt aus Skandinavien oder aus Nordamerika von zertifizierten Zuchtvereinigungen wie SAGA und NAFA. Dort werden Nerze und Marderhunde gezüchtet, die neben Lämmern in der Verarbeitung sehr gefragt sind. Die erlegten Tiere landen bei einem Gerber. Dieser verarbeitet die rohe Tierhaut zu Leder weiter. Sogenannte Rauchwarenhändler kaufen die fertigen Felle auf Auktionen und verkaufen die Materialien wiederum in Fellbündeln an Kürschner oder Pelznäher, die daraus am Ende die warmen Kleidungsstücke machen. Gerade arbeitet die Kürschnerin an einer eigens entworfenen Sonderanfertigung für eine junge Kundin. Es ist ein schmal geschnittener sogenannter Swakara Persianer Mantel aus südafrikanischem Lamm. Das Tier hat eine graubräunliche, geschwungene Fellmusterung und ist in Afghanistan zuhause. Der elegante Mantel wird mit einem bunten Seidenmuster ausgefüttert und mehrere Tausend Euro kosten. Reissner-Roth erklärt, dass der pietätvolle Umgang mit der Ware das A und O ist. Die einzelnen Materialien müssen genau passend nach Fellstruktur zusammengenäht und mit einem speziellen Kürschnermesser zugeschnitten und anschließend in Form gebracht werden. „Das ist wie puzzeln“, sagt die Designerin und lacht.

Die Zukunft des Handwerks

Leider mangelt es dem Handwerk, wie vielen anderen auch, an Nachwuchs. „Vor 35 Jahren waren wir noch ein ausgeglichenes, richtiges Handwerk mit 320 Lehrlingen allein in Nordbayern.“ Heute sind es laut der Handwerkskammer nur noch 30 Auszubildende pro Jahr in ganz Deutschland. Die einzige Berufsschule für Kürschner ist in Fürth. An dieser lehrten auch Baer und Reissner-Roth mehrere Jahre.

„Leider schauen die meisten Leute beim Kauf eines Produkts nur noch auf den Preis. Es spielt gar keine Rolle mehr, wo das Naturprodukt herkommt oder wie viele Stunden handwerkliche Arbeit hinter einem Kleidungsstück stecken. Es wird zu schnell und leider oft falsch geurteilt. Doch vielleicht feiert der Pelz ja mit mehr Aufklärung sein Comeback und einer der ältesten Berufe der Welt hat weiterhin die Chance zu bestehen. “

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