Fischfang und Fischkult im Alten Ägypten, von Zabern, Mainz 1998. Foto: Dietrich Sahrhage (Gemeinfrei)

Besuch eines Freundes am Nil

In Ägypten im Jahr 1250 v. Chr. nutzen die Menschen den technischen Fortschritt. Eine Rundführung zeigt, wie der Alltag dieser Hochkultur mit Technik einfacher wurde. Imposante Tempelbauten ergänzen die Erinnerung an eine längst vergangene Zeit.

Ägypten, 1250 v. Chr.

Lieber Heru!

Es ist schön, daß Du den Weg hierher gefunden hast. Nachdem Du Dich in dieser Gegend nicht auskennst, dachte ich mir, Dich zuerst etwas herumzuführen und Dir ein paar Dinge zu zeigen. Laß uns doch mit einer kleinen Rundfahrt auf dem Nil anfangen. Steig ein!

Die Boote sehen aus wie große Schalen. Der Bug ragt steil nach oben, während das Heck des Schiffs, wo sich das Steuerruder befindet, etwas höher liegt. Hier siehst Du ein einzelnes Steuerruder, das mittig durch das Heck nach unten ins Wasser geht. Bei anderen, größeren Schiffen kann es auch zwei geben, die jeweils rechts und links an den Seiten des Hecks befestigt sind. An sich unterscheiden sich Fluss- und Seeboote im Aufbau kaum. Lediglich der Rumpf der Seeboote ist tiefer und diese sind allgemein etwas größer.

Die Boote haben einen Mast, der in den meisten Fällen umlegbar ist und auf dem Deck verstaut werden kann. Zudem gibt es noch Lastboote mit einem ähnlichen Aufbau wie dem der Flussboote, nur breiter. Diese werden verwendet, um Steine oder gar Obelisken zum Bau von Tempeln oder Tempelanlagen über den Nil zu transportieren. Komm‘, lass uns weiterfahren und ich zeige Dir noch etwas mehr. Wie wäre es mit dem Tempelbau?

Der Tempel im Fels

Tempelhof von Ramses II. Foto: Olaf Tausch (Gemeinfrei)

Große Tempelanlagen oder Tempel werden aus gehauenen Steinblöcken errichtet und haben einen einheitlichen Aufbau. Der Zugang ist die Toranlage oder Pylon mit Flankentürmen an den Seiten. Der Tempel selbst besteht aus mehreren Hallen, die mit Schriften und Reliefen ausgeschmückt sind und zum Heiligtum führen. Vor Ort sind die Abbilder der verehrten Gottheiten ausgestellt.

Aktuell wird im Süden unseres Landes, wenn man dem Nil folgt, eine andere Art von Tempelanlage gebaut. Die Tempelanlage von Abu-Simbel bei Assuan. Unser König Ramses II. ließ den Tempel in einen Felsen hauen. Der Tempel wurde also nicht aus Steinen auf den Boden gestellt, sondern mit Blick auf den Fluss aus dem Felsen gehauen. Die Felswand bildet die Toranlage und die Flankentürme werden im Fels angedeutet. Der Rest des Tempels Ramses II. liegt im Felsen. Die Tempelanlage, die noch nicht fertig zu sein scheint, ist den Göttern Amun-Re, Re-Harachte, dem König selbst und Ptah gewidmet. Ich denke, das ist das erste Mal, daß ein König einen derartigen Tempel in den Felsen hat bauen lassen. Eindrucksvoll, oder?

Wassertechnik des alten Ägyptens

Siehst Du dort drüben am Rand des Nils das Gebäude? Das ist ein Nilometer oder miqyās. Es hilft uns dabei, den Wasserstand des Nils zu beobachten. An den Wänden befindet sich eine Skala auf Steintafeln, um die Nilschwemme zu prognostizieren und die Ernteerträge zu sichern. Im September ist der Wasserstand am höchsten und die Flächen neben dem Nil sind überschwemmt.

Assuan Elephantine Nilometer. Foto: Olaf Tausch (Gemeinfrei)

Sobald sich das Wasser zurückzieht, liegt ein fruchtbarer Lehmboden vor, auf dem Landwirtschaft betrieben werden kann. Um aber auch auf dem Land weiter weg vom Fluss Feldbau zu betreiben, werden Wasserheber oder „Schaduff“ verwendet. Das sind große Masten mit einem Arm. Auf der einen Seite ist ein großer Wassereimer befestigt, auf der anderen ein Gegengewicht. So kann Wasser auf Erhöhungen gehoben und Kanäle in einem Gefälle gefüllt werden. Diese Kanäle führen zu den Feldern oder zu Tempeln. Sie sind aus Lehmziegeln oder Steinblöcken gebaut und mit Lehm abgedichtet, um möglichst wenig Wasser zu verlieren. So kann mit weniger Arbeitern mehr Land mit Wasser versorgt werden – und das, ohne Wasser in Eimern tragen zu müssen.

Die Vielfältigkeit von Papyrus

Lass‘ uns doch zurück an Land gehen und ich zeige Dir noch ein paar Sachen aus dem Haushalt. Papyrus zum Beispiel. Diese Pflanze wächst im Niltal im Wasser. Du hast sie vorhin auf der Bootsfahrt schon sehen können. Es sind die großen, dünnen Stängel mit den kleinen braunen Blüten. Papyrus wird für einige unterschiedliche Dinge gebraucht. Unsere Gelehrten und Schreiber benutzen es, um darauf zu schreiben. So kann Wissen ausgetauscht werden, ohne eine Person direkt auf Reisen zu schicken, die die Nachricht mündlich überträgt.

Der Papyrus wird hierfür dünn geschnitten, geflochten, gepresst und getrocknet. Die widerstandsfähigen Fasern werden außerdem zur Herstellung von Seilen verwendet oder um Sandalen zu fertigen. Im Haushalt werden zum Beispiel Körbe oder Matten zum Sonnenschutz für unsere Hütten aus Papyrus geflochten. Das vermutlich Spannendste ist, dass auch heute noch kleine Fischerboote aus Papyrus gebaut werden. Auch die Segel der großen Holzschiffe werden aus Papyrusseilen gewoben, genau wie die Taue.

Fortbewegungsmittel einer Hochkultur

Aber sag‘ mal: Wie bist Du eigentlich hergekommen? Die meisten Reisen führen über Land und Wasser. Über Schiffe konnte ich dir schon ein klein wenig erzählen, nun wird es Zeit, dir noch etwas über Reisen an Land in Ägypten zu erzählen. Als Person ist es das Üblichste, sich nach wie vor zu Fuß fortzubewegen. Sandalen aus Papyrus oder anderweitiger Schutz wie Socken können dir helfen, deine Füße zu schützen, wenn du weite Strecken laufen musst. Kinder werden in Körben auf dem Rücken getragen. Diese sind mit einem Stirn- oder zwei Schulterriemen gehalten. Wer es sich ein Pferd leisten kann, hat es natürlich einfacher. Auch Esel können als Reittiere verwendet werden, sofern man sie nicht zum Lastentransport braucht.

Für lange Reisen gibt es Streitwagen, die vor allem im Krieg genutzt oder von der Oberschicht werden. Als letztes Personentransportmittel sind Sänften zu nennen. Das sind Gestelle, in die Du Dich setzen kannst und die an Stangen von Lasttieren oder Menschen getragen werden. Für den Lastentransport stehen uns zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Schlitten ohne Räder, die gezogen werden, oder Karren mit zwei, vier oder mehr Rädern. Wenn auch Schiffe ein Stück über Land transportiert werden müssen, sind Schlitten hier von großem Vorteil, da sie unter der Last nicht nachgeben können. Ein Reisegrund kann die Heirat einer Frau sein, wofür sie lange Strecken durch das ganze Land auf sich nehmen muss.

Das war ein toller Tag. Lass‘ mich Dir ein Andenken geben, bevor ich es vergesse, auch wenn Du noch einige Tage hier sein wirst. Das ist ein Glaskelch. Diese Kunst aus Luxor ist typisch für unser Land. Aus feinem, zerpulvertem Wüstensand mit hohem Kalkgehalt, Salz und Tonerden oder Metallen wird das Glas geschmolzen. Die Schmelze wird wie ein Faden um einen Stock mit Ton gewickelt, der die Form des Gefäßes vorgibt. Daraus lässt es sich gut trinken und auf Deinen Besuch anstoßen.

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